„Ein Milliarden-Deal, ein falsches Spiel und eine unberechenbare Frau: Als der gefährlichste Mann Berlins eine Scheinehe fordert, ahnt er nicht, wer die Fäden zieht…“
Teil 1: Die Fehlbesetzung
Dominic Moretti bat nicht um Gefallen. Er verlangte absolutem Gehorsam. Als unbestrittener Kopf des Moretti-Syndikats kontrollierte er die legalen und illegalen Warenströme von den Hamburger Containerterminals bis in die Berliner Nobelviertel. Doch als er im gläsernen Wohnzimmer seines Penthouses am Potsdamer Platz stand und auf das verregnete Berlin hinabblickte, stand er vor einem Problem, das weder Geld noch eine Kugel lösen konnten.
Vincenzo Costa reiste in genau 48 Stunden aus Palermo an. Costa war ein Mann der alten Schule – ein Traditionalist, der die lukrativsten Vertriebswege in Europa kontrollierte. Er weigerte sich, Geschäfte mit Junggesellen oder Playboys zu machen. Für Costa war ein Mann ohne Ehefrau eine tickende Zeitbombe. Um den Jahrhundertvertrag zu sichern, brauchte Dominic eine Ehefrau. Eine starke, elegante Frau, die den paranoiden Sizilianer davon überzeugen konnte, dass Dominic eine unerschütterliche Dynastie aufbaute.
Doch die Suche war ein Desaster. Seit Tagen schleppte sein Assistent Leo Models und Society-Girls an, die beim Anblick von Dominics kaltem Blick entweder in Tränen ausbrachen oder die tödliche Ernstlage völlig unterschätzten.
„Keine 22-jährigen Modepüppchen mehr, Leo!“, herrschte Dominic ihn an. „Costa durchschaut das sofort. Ich brauche eine Frau mit Ausstrahlung. Eine Frau, die aussieht, als könnte sie dieses Imperium leiten, wenn ich morgen eine Kugel einfange.“
In diesem Moment schwang die schwere Tür des Penthouses auf.
„Sie schulden mir 400 Euro für den Notfall-Einsatz. Und da Ihre Laufsteg-Prinzessin gerade heulend im Fahrstuhl sitzt, schätze ich, die Anprobe ist abgesagt.“
Dominic drehte sich um. Im Foyer stand eine Frau, die der makellosen Ästhetik seiner Welt komplett widersprach. Claraara Higgins war Leos Cousine – eine der gefragtesten Chefkostümbildnerinnen der Berliner Theater- und Opernszene. Sie war außerdem unübersehbar und stolz kurvig. Sie trug einen leuchtend senfgelben Oversized-Mantel von Chanel, ihre dunklen Locken waren kunstvoll hochgesteckt, und ihre roten Lippen waren vor Verärgerung zusammengepresst. Sie blickte den gefährlichsten Mann der Stadt genauso an wie einen ungezogenen Chorknaben.
„Ich habe keine Angst vor teuren Anzügen mit schlechter Laune, Herr Moretti“, sagte Claraara kühl, als Dominic vor sie trat. Sie zog den Mantel aus und brachte ein smaragdgrünes Wickelkleid zum Vorschein, das ihre üppigen Formen perfekt in Szene setzte. Sie strahlte eine solche Ruhe und Erdung aus, dass die nervöse Anspannung im Raum verflog.
Dominic sah das Feuer in ihren Augen, ihren scharfen Verstand und den absoluten Mangel an Unterwürfigkeit. Costa wollte eine standfeste Frau? Er hatte sie gerade gefunden.
Teil 2: Die Bedingungen der Löwin
„Zwei Millionen Euro“, sagte Claraara langsam, als sie Dominic auf dem Plüschsofa gegenübersaß und den Scheck betrachtete. „Steuerfrei, auf ein Offshore-Konto meiner Wahl. Das ist das Schmerzensgeld dafür, dass ich die liebende Ehefrau eines Mannes spiele, der vermutlich Leichen im Spreewald vergraben hat.“
„Abgemacht“, erwiderte Dominic fasziniert. Niemand verhandelte so mit ihm.
„Wir brauchen eine plausible Geschichte“, fuhr Claraara fort, lehnte sich vor und fixierte ihn. „Costa wird einen Hintergrundcheck machen. Er wird sehen, dass ich keine High-Society-Pflanze bin, sondern eine arbeitende Frau aus dem Theatermilieu. Wir sagen, wir haben uns vor acht Jahren in einer Bäckerei in Charlottenburg kennengelernt. Wir haben uns gestritten, du mochtest meine Widerworte. Wir haben unsere Liebe wegen deiner gefährlichen Welt jahrelang geheim gehalten. Das erklärt, warum ich anders bin als die üblichen Mafiabräute.“
Dominic lächelte ehrlich. „Du bist eine verdammt gute Lügnerin.“
„Ich arbeite beim Theater“, konterte sie. „Und noch etwas: Ich behalte die volle Kontrolle über meine Garderobe. Ich lasse mich von deinen Leuten in kein Korsett quetschen, das mir die Luft abschnürt, und ich trage kein Schwarz, nur weil es angeblich ‚kaschiert‘. Wenn ich die Frau von Dominic Moretti spiele, dann nehme ich mir den Raum, der mir zusteht.“
Als Dominic am Abend des Dinners das Schlafzimmer betrat, blieb ihm fast das Herz stehen. Claraara trug eine maßgeschneiderte, tiefrote Seidenrobe. Der schwere Stoff schmiegte sich atemberaubend an ihre breiten Hüften und betonte ihr Dekolleté. Sie wirkte nicht wie eine Frau, die sich der Mafia anpasste – sie wirkte wie eine Königin, der die Welt bereits gehörte.
Dominic trat an sie heran und steckte ihr einen makellosen, schweren Smaragdring an den Finger. Seine rauen, vernarbten Hände bildeten einen extremen Kontrast zu ihrer weichen Haut.
„Heute Abend antwortest du niemandem außer mir“, flüsterte er rauchig. „Und wenn einer von Costas Männern dich mit weniger als absolutem Respekt ansieht, schneide ich ihm die Augen aus.“
Teil 3: Das blutige Theaterstück
Das Abendessen fand in einem diskreten, privaten Club im Berliner Westend statt. Vincenzo Costa, ein Falke von einem Mann in den Sechzigern, saß am Kopf des Tisches, flankiert von bewaffneten Wachen und seinem arroganten Neffen Lorenzo.
Lorenzo musterte Claraaras Kurven und spottete leise: „Dominic hatte schon immer einen großen Appetit. Schön zu sehen, dass er sich jetzt auch zu Hause üppig bedient.“
Die Temperatur im Raum sank gegen den Gefrierpunkt. Dominic wollte gerade nach seiner Waffe greifen, als Claraara hell und warm auflachte.
„Oh, Lorenzo, richtig?“, sagte sie mit schneidend scharfen Augen. „Es stimmt, mein Mann liebt Substanz. Er bevorzugt ein Festmahl, während Sie sich anscheinend mit Resten begnügen. Vielleicht sitzt Ihr Sakko deshalb so schlecht an den Schultern? Ein guter Schneider weiß, dass man bei einer schmalen Brust mehr Stoff braucht, um Autorität vorzutäuschen, anstatt nur auf den Glanz des Stoffes zu hoffen.“
Costa fror kurz ein – dann warf er den Kopf nach hinten und brüllte vor Lachen. „Eine Löwin, Dominic! Du hast eine Löwin an meinen Tisch gebracht!“
Das Abendessen wurde zu einem psychologischen Triumphzug. Claraara führte das Gespräch, parierte Costas Fangfragen über Logistikprobleme mit brillanten, erfundenen Anekdoten aus Italien und aß mit vollem Genuss. Costa war so fasziniert, dass die Vertragsunterzeichnung nur noch eine Formsache schien.
Doch als der Espresso serviert wurde, schlug die Realität brutal zu. Als Kostümbildnerin war Claraaras Gehirn darauf programmiert, jedes Detail zu sehen. Sie bemerkte den Kellner, der sich Costa von hinten näherte. Seine Haltung war falsch. Er balancierte das Tablett nicht, er umklammerte es mit weißen Knöcheln. Und unter seiner Hose kamen schwere, taktische Kampfstiefel zum Vorschein.
Der Mann war kein Kellner. Seine Hand glitt unter die Weste.
Claraara zögerte keine Sekunde. „Um Himmels Willen, eine Ratte!“, schrie sie gellend, deutete auf den Boden hinter dem Mann und trat gleichzeitig mit voller Wucht ihren schweren Holzstuhl nach hinten.
Der Stuhl krachte dem Attentäter direkt in die Knie, als er eine schallgedämpfte Waffe zog. Der Schuss ging wild in die Decke, der Kronleuchter zersplitterte. Claraara packte die Kante des Eichentisches und riss mit ihrem gesamten Körpergewicht das Tischtuch mitsamt Porzellan, Gläsern und heißem Kaffee direkt in den Weg des Killers.
„Waffe!“, brüllte Dominic, riss Claraara zu Boden und begrub sie unter seinem massiven Körper, um sie zu schützen. Zwei tödliche Schüsse von Dominics Männern peitschten durch den Raum. Der Attentäter – ein Auftragskiller eines rivalisierenden Clans – brach tot zusammen.
Dominic tastete Claraara mit zitternden Händen ab, seine eiskalte Mafiaboss-Maske war komplett verschwunden. „Claraara, bist du verletzt? Red mit mir!“
„Mir geht’s gut“, keuchte sie unter ihm, während ihr Haar zerzaust und ihr Kleid mit Wein verschmiert war.
Costa trat ehrfürchtig an sie heran. „Deine Frau hat die Schlange im Gras gesehen, noch bevor meine Wachen reagieren konnten“, sagte der alte Don ehrfürchtig zu Dominic. „Ich wollte einen Partner, der seine Investitionen schützen kann. Du hast mir eine Frau gebracht, die den Beschützer beschützt. Wir unterzeichnen. Ich mache keine Geschäfte mit Männern. Ich mache Geschäfte mit Familien.“
Teil 4: Der neue Vertrag
Zurück im Penthouse war die geschäftliche Distanz zwischen ihnen wie weggewischt. Claraara bemerkte eine blutende Wunde an Dominics Arm – ein Glassplitter des Kronleuchters.
„Setz dich. Sofort!“, befahl sie mit derselben Stimme, mit der sie 50 Statisten beim Bühnenwechsel dirigierte. Zu seinem eigenen Erstaunen gehorchte der mächtigste Mann der Stadt.
Sie kniete sich zwischen seine Knie, um die Wunde zu desinfizieren. Dominic legte seine große, callous Hand vorsichtig an ihre Hüfte, fasziniert von ihrer Weichheit und ihrer unerschütterlichen Stärke.
„Ich halte mein Wort, Claraara“, flüsterte er mit einer intensiven, leisen Verletzlichkeit. „Du hast deine zwei Millionen verdient. Aber nach dem, was heute Abend passiert ist, bist du für meine Feinde keine Unbekannte mehr. Du bist die Löwin, die den Morettis ein Milliarden-Imperium gesichert hat. Ich werde dich nicht einsperren… aber ich werde dich nicht mehr aus den Augen lassen.“
Er sah ihr tief in die Augen, sein Blick wanderte zu ihren Lippen.
„Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, Mauern aufzubauen und niemandem zu vertrauen. Und dann kommst du, schreist meine Männer an und beweist mehr Mut als meine gesamte Führungsriege. Der alte Vertrag ist hinfällig, Claraara. Denn es gibt keine Macht auf dieser Erde, die mich dazu bringen wird, dich wieder gehen zu lassen.“
Claraara spürte ein Zittern, das nichts mit Angst zu tun hatte. Ihr altes Leben am Theater war vorbei. Sie war nicht mehr nur die kurvige Kostümbildnerin aus Queens. Sie war jetzt das Herz des Moretti-Imperiums – und Gott gnade jedem, der es wagte, sich ihrer Familie in den Weg zu stellen.




