Jennifer wuchs in einer traditionellen vietnamesischen Familie auf. Ihre Eltern waren nach dem Vietnamkrieg als Flüchtlinge in die USA gekommen. Sie hatten kaum Geld und waren zunächst auf einen Onkel angewiesen. Gemeinsam mit etwa zehn weiteren Verwandten und Freunden lebten sie in einem völlig überfüllten Haus. Ihre Mutter arbeitete als Barkeeperin, machte Sandwiches und nahm jede Arbeit an, die sie finden konnte. Ihr Vater mähte Rasen, nähte und tat ebenfalls alles, um die Familie zu ernähren.
Doch das Umfeld ihres Vaters veränderte ihn. Männer im Haus rauchten, tranken und konsumierten Drogen. Jennifer erinnert sich noch heute an weißes Pulver, das sie als Kind sah. Ihr Vater übernahm diesen Lebensstil – und wurde plötzlich zu einem völlig anderen Menschen.
Aus dem liebevollen Vater, der sie als kleines Mädchen auf den Arm genommen und mit ihr gespielt hatte, wurde ein aggressiver Mann. Er schrie seine Familie an, beleidigte sie und schlug ihre Mutter und ihren Bruder. Auch Jennifer wurde angeschrien. Sie bekam solche Angst, dass sie als kleines Mädchen oft in ihr Zimmer rannte, die Tür schloss und sich versteckte.
Diese Erfahrungen hinterließen tiefe Wunden. Jennifer fühlte sich abgelehnt, hatte kaum Selbstvertrauen und zog sich immer mehr zurück. Sie spielte lieber allein und hatte das Gefühl, dass andere Kinder sie nicht akzeptierten.

Schon als Jugendliche begann sie, sich für die spirituelle Welt zu interessieren – allerdings nicht für den christlichen Glauben. Sie las Bücher über Okkultismus, Astrologie und New Age. Mit etwa 15 Jahren begann sie sogar, Hellseher und sogenannte Medien anzurufen. Diese behaupteten, Dinge über sie zu wissen, die sie ihnen nicht erzählt hatte: ihre Haarfarbe, ihr Alter, ihr Aussehen oder Einzelheiten über andere Menschen.
Für Jennifer war das faszinierend. Sie glaubte, diese Menschen hätten eine besondere Gabe und Zugang zu einer unsichtbaren geistlichen Welt. Was damals als Neugier begann, entwickelte sich später zu einer regelrechten Abhängigkeit.
Der erste Ruf zu Jesus
Obwohl ihre Familie offiziell katholisch war, wurde der Glaube zu Hause kaum praktiziert. Jennifer wusste deshalb nicht wirklich, wer Gott war.
Das änderte sich im Jahr 2004.

Als sie den Film The Passion of the Christ sah, war sie tief erschüttert. Die Darstellung von Jesus, der am Kreuz litt und für die Menschen starb, traf sie unmittelbar. Sie wollte weinen, verstand aber selbst nicht warum. Sie kannte Jesus kaum – und trotzdem spürte sie etwas in ihrem Herzen.
Kurz darauf begann sie plötzlich, christliche Musik zu hören. Ihre säkularen Freunde fragten sie, warum sie diese Musik überhaupt spielte. Jennifer antwortete nur: „Ich mag sie. Sie gibt mir Frieden.“
Mit etwa 17 Jahren begann sie außerdem, sich für das Liberty College zu interessieren. Sie besuchte die Universität und entschied sich zunächst für Biologie, weil ihre Eltern hohe Erwartungen an ihre Kinder hatten und sich für sie Berufe wie Arzt oder Anwalt wünschten.
Doch bereits im ersten Semester scheiterte sie. Sie fiel durch und wusste nicht mehr, was sie tun sollte.
Sie vereinbarte einen Termin mit ihrer akademischen Beraterin. Als sie zu deren Unterrichtsraum kam, war die Beraterin jedoch nicht da. Stattdessen befand sich dort ein Theologieprofessor.
Jennifer begann mit ihm zu sprechen. Er fragte sie nach ihrem Glauben und erkannte schnell, dass sie zwar aus einer katholischen Familie kam, aber keine persönliche Beziehung zu Gott hatte.
In nur etwa 30 Minuten erklärte er ihr, was Sünde, Gnade und Erlösung bedeuten. Schließlich fragte er sie: „Möchtest du Jesus in dein Herz aufnehmen?“
Jennifer wusste kaum, was das bedeutete. Aber sie wusste, dass Jesus für sie gestorben war. Also betete sie mit ihm das sogenannte Sündergebet.
Es war kein dramatischer Moment. Sie weinte nicht und ging auch nicht vor einer Menschenmenge nach vorne. Sie dachte einfach: „Okay … das war’s?“
Doch in dieser Nacht sollte sich ihr Leben für immer verändern.
Die erste Begegnung
Jennifer schlief in ihrem Studentenwohnheim ein. Dann erlebte sie einen Traum, der sich so real anfühlte, dass sie sich mehr als zwei Jahrzehnte später noch an jedes Detail erinnerte.
Sie befand sich an einem vollkommen dunklen Ort. Sie wusste nicht, wo sie war. Angst, Verwirrung und eine überwältigende Beklemmung erfüllten sie.
In der Ferne sah sie mehrere blasse Gestalten. Als sie näherkam, wirkten sie beinahe reptilienartig und waren größer als Menschen. Sie umringten einen Mann und quälten ihn. Jennifer sah seinen geöffneten Bauch und seine inneren Organe.
Sie bekam Panik und rannte davon. Die Gestalten bemerkten sie und begannen, sie zu verfolgen.
Plötzlich stolperte sie. Sie wäre zu Boden gefallen, doch ein Arm griff nach ihr.
Jennifer wurde zur Seite gezogen und schien beinahe zu schweben. Hinter dem Mann, der sie gerettet hatte, wusste sie sofort, wer er war.
Jesus.
Sie konnte sein Gesicht nicht sehen. Sie sah nur den Hinterkopf mit kastanienbraunem Haar und ein weißes Gewand, aus dem ein goldenes Licht strahlte.
In dem Moment, in dem Jesus erschien, konnten die dämonischen Gestalten seine Gegenwart nicht ertragen. Sie wurden zurückgeschleudert oder verschwanden.
Jennifer wusste: Ihre Seele hatte nach Jesus gerufen – und er war gekommen.
Als sie aufwachte, wusste sie nicht, wie sie das Erlebte erklären sollte. Sie erzählte ihrer Mitbewohnerin davon. Diese sagte nur: „Jesus liebt dich.“
Doch Jennifer spürte etwas, das sie noch nie zuvor erlebt hatte: Frieden.
Der Kampf danach
Kurz darauf hatte sie einen weiteren erschütternden Traum.
Sie versuchte darin, jemandem von Jesus zu erzählen. Doch plötzlich wurde sie in eine dunkle Welt gezogen. Eine blasse Gestalt erschien vor ihr. Jennifer erkannte sie sofort als Satan, obwohl die Gestalt sich in einer anderen Form zeigte.
Die Gestalt begann, Bibelstellen zu zitieren und Jennifer herauszufordern. Obwohl sie selbst kaum Bibelkenntnisse hatte, wusste sie innerlich, dass die Worte verdreht waren.
Dann begann aus ihrem eigenen Mund etwas zu sprechen, das sie nicht bewusst formulierte. Bibelverse kamen mit unglaublicher Geschwindigkeit aus ihr heraus. Ein geistlicher Kampf begann.
Am Ende wurde die Gestalt wütend. Sie öffnete den Mund, und eine Schlange kam heraus und versuchte, Jennifer zu beißen. In diesem Moment wachte sie auf.
Sie war erschrocken und verstand nicht, was mit ihr geschah. Sie war noch eine junge Christin und wusste nichts über geistliche Kämpfe.
Statt darüber zu sprechen, schämte sie sich. Sie fürchtete, andere würden sie für verrückt halten.
Nach dem College wurde ihr Leben immer chaotischer. Sie hatte kaum Kontakt zu anderen Christen und keine geistliche Gemeinschaft, die sie zur Verantwortung zog. Zu Hause war die Beziehung zu ihren Eltern schwierig. Ihr Vater war weiterhin gewalttätig und von Alkohol und Drogen geprägt.
Jennifer isolierte sich.
Sie wechselte verschiedene Jobs, geriet an toxische Menschen und freundete sich mit Nachbarn an, die viel tranken. Sie begann selbst zu trinken. Wein, Partys und Alkohol wurden zu einem Fluchtweg.
Auch in Beziehungen suchte sie verzweifelt nach Liebe und Anerkennung. Wegen ihrer Kindheit voller Ablehnung ließ sie Männer ihre Grenzen überschreiten. Sie geriet immer wieder in toxische Beziehungen und wusste nicht, wie sie daraus herauskommen sollte.
Über Jahre schwankte sie zwischen Glauben und einem Leben, das sie immer weiter von Gott entfernte.
Sie trank, um schlafen zu können, litt unter starker Angst und geriet in eine tiefe Depression. Schließlich hatte sie sogar Gedanken daran, ihr Leben zu beenden und fragte sich: „Warum lebe ich überhaupt noch?“
„Es ist noch nicht zu spät“
Dann kam eine schwierige Zeit: Ihr Vater wurde krank, ihre Beziehung zerbrach und beruflich lief ebenfalls vieles schlecht.
Jennifer begann wieder nach einer Kirche zu suchen.
Eine Gemeinde fiel ihr besonders auf: One City Church in Chesapeake, Virginia. Sie besuchte dort zum ersten Mal einen Gottesdienst und setzte sich bewusst hinten hin, weil sie nicht im Mittelpunkt stehen wollte.
Der Pastor sprach über Jona – einen Mann, der vor Gottes Auftrag davonlief.
Jennifer fühlte sich sofort angesprochen.
In ihrem Herzen sagte sie: „Gott, all die Jahre bin ich vor dir davongelaufen. Ich habe mich für mein eigenes Leben und meine Sünde entschieden.“
Sie weinte.
Dann hatte sie innerlich den Eindruck: „Es ist noch nicht zu spät. Ich habe die ganze Zeit nach dir gerufen.“
In dieser Nacht kam Jennifer nach Hause und betete:
„Gott, vergib mir alles, was ich in meinem Leben getan habe. Nimm mich zurück.“
Sie erklärte sich bereit, Gott zu dienen. Ihr erster Schritt führte sie zu einer Einrichtung für Obdachlose, wo sie freiwillig mitarbeitete. Monate lang diente sie dort und erkannte, dass diese Menschen nicht anders waren als sie selbst – sie hatten einfach ein schweres Leben hinter sich.
Später wollte sie sogar in einer Gefängnisarbeit helfen. Doch das geplante Gefängnisprogramm antwortete nicht. Kurz darauf stellte sie fest, dass die Organisation geschlossen worden war.
Jennifer war enttäuscht. Doch rückblickend erkannte sie: Nicht jeder Weg, den sie plante, war Gottes Weg.
Heilung beginnt
In dieser Zeit starb ihr Vater. Gleichzeitig brach eine Beziehung, von der Jennifer geglaubt hatte, sie würde in einer Ehe enden, ohne Erklärung ab. Dazu kamen gesundheitliche Probleme.
Sie fühlte sich am tiefsten Punkt ihres Lebens.
Und genau dort kehrten ihre Träume zurück.
In einem Traum sah sie eine Bühne. Ein Worship-Leiter ihrer Gemeinde kam auf sie zu, legte ihr die Hand auf die Schulter und betete intensiv für sie. Danach träumte sie wiederholt davon, wie das Worship-Team gemeinsam betete.
Jennifer verstand: Sie sollte Teil des Worship-Teams werden.
Obwohl sie seit mehr als zehn Jahren nicht gesungen hatte, auditionierte sie – und wurde aufgenommen.
Dort begann sie mit dem Buch The Secret Place. Schon nach einigen Wochen hatte sie das Gefühl, dass Gott ihr durch Träume immer deutlicher begegnete.
In einem dieser Bilder ging sie auf ein Gebäude ohne Dach zu. Es war dunkel. Vor ihr brannte ein Feuer. Als sie näherkam, begann das Feuer ihre Sünden und tiefsten Wunden sichtbar zu machen.
Jennifer fühlte sich vollkommen entblößt.
Sie verstand es als ein Bild für Gottes reinigendes Feuer. Danach löschte sie alle Dateien und Links, die mit Okkultismus und früheren Praktiken verbunden waren.
Sie wollte nichts davon mehr in ihrem Leben haben.
Eine neue Identität
Jennifer begann einen tiefen Prozess der inneren Heilung. In ihren Träumen führte Gott sie sogar zurück zu ihrem Elternhaus und zu den schmerzhaften Erfahrungen ihrer Kindheit.
Sie sah verschiedene Räume ihres Lebens – und diese Räume wurden immer heller und sauberer.
In einem anderen Bild stieg sie in klares Wasser und tauchte vollständig unter. Danach befand sie sich in einem Fluss aus Blut. Für Jennifer symbolisierte dies die Reinigung und den Schutz durch das Blut Jesu.
Sie glaubte, eine neue Identität in Christus erhalten zu haben.
Und nachdem sie selbst Heilung erfahren hatte, begannen ihre Träume andere Menschen zu betreffen.
Sie sah Situationen, in denen Menschen mit Entscheidungen, verborgenen Problemen oder persönlichen Kämpfen rangen. Manchmal erzählte sie ihnen, was sie gesehen hatte – und die Menschen bestätigten anschließend Details, die Jennifer unmöglich hätte wissen können.
Einmal ging es um eine berufliche Entscheidung. Jennifer fragte eine Person danach und wiederholte, was sie im Traum gehört hatte. Die Person bestätigte, dass genau diese Gedanken sie beschäftigt hatten.
Bei einem anderen Mann sah Jennifer in einem Traum ein Bild von Reinigung. Später stellte sich heraus, dass er tatsächlich mit einem verborgenen Problem der Lust kämpfte. Er war dankbar, dass das Thema ans Licht gekommen war.
Jennifer lernte jedoch auch, dass sie nicht immer jemanden konfrontieren sollte. Manchmal, so glaubt sie, soll sie einfach beten.
„Jesus, nimm mich zurück“
Heute sieht Jennifer sich selbst als völlig verändert. Sie bezeichnet sich nicht unbedingt als Prophetin, glaubt aber, dass Gott ihre Erfahrungen nutzen möchte, um anderen Menschen zu helfen.
Kurz vor ihrem Gespräch erlebte sie erneut einen Angriff, bei dem sie nach eigener Aussage von einem dämonischen Wesen körperlich angegriffen wurde. Sie beschreibt eine Gestalt mit sechs Gesichtern, die sie zu Boden gedrückt und am Hals gepackt habe. Doch sie betete und wehrte sich gegen die Angst.
Für Jennifer ist die zentrale Botschaft ihres gesamten Weges einfach:
Man kann sich verirren. Man kann Jahre verschwenden. Man kann sich in Sünde, Angst, Abhängigkeit, falschen Beziehungen oder anderen Dingen verlieren.
Aber es ist nicht zu spät, zurückzukehren.
Ihr eindringlichster Satz bleibt deshalb:
„Jesus, vergib mir. Nimm mich zurück.“
Ihre Hoffnung ist, dass Menschen Jesus nicht erst dann suchen, wenn alles zerbrochen ist. Sie möchte, dass sie ihn vollständig in ihr Leben lassen, bevor es zu spät ist.
Denn nach allem, was Jennifer erlebt hat, glaubt sie heute: Gott war nie wirklich weg.
Sie war es, die davongelaufen war.
Und als sie endlich zurückkehrte, wartete er bereits auf sie.


