Die Hamburger Unternehmerin Katharina Vollma hat ihre eigene Familie mit einer beispiellosen juristischen Offensive in die Knie gezwungen. Auslöser war ein Sonntagsessen in der elterlichen Villa an der Außenalster, bei dem ihre Eltern von ihr verlangten, die Schulden ihrer Schwester Marlene in Höhe von 754. 000 Euro zu übernehmen.
Was die Familie nicht wusste: Die erfolgreiche Frankfurter Investorin hatte längst ihre eigenen Ermittlungen eingeleitet.
Der Konflikt eskalierte, als Vater und Mutter die Zahlung zur Bedingung für den Erhalt des Familienerbes machten. Katharina Vollma, Gründerin und Geschäftsführerin der Investmentgesellschaft Vollma Capital, ließ sich jedoch nicht erpressen. Statt blind zu zahlen, forderte sie Kontoauszüge, Kreditverträge und Sicherheiten.
Was sie daraufhin erhielt, war weit mehr als eine Liste von Luxusausgaben für Taschenuhren, Diamanten und einen geleasten Mercedes.
Die Unterlagen offenbarten ein System des Betrugs. Vier Kreditlinien, zwei Schattenkonten und eine alte Vollmacht mit ihrer Unterschrift aus den Zwanzigern tauchten auf. Die Unterschrift war eingescannt, manipuliert und in Verträge eingefügt worden, die sie nie gesehen hatte.
Katharina Vollma zögerte nicht. Sie ließ ihren Chefjuristen Gregor Seidel aus Frankfurt anreisen, der die Dokumente als Urkundenfälschung und versuchte Haftungsverschiebung identifizierte.
Binnen weniger Tage kaufte Vollma über eine eigens gegründete Gesellschaft sämtliche Forderungen ihrer Schwester auf. Das Juwelierkonto in München, die Kreditkartenschulden, die Leasingrate des weißen Mercedes – alles ging in ihren Besitz über. Die Familie ahnte nichts.
Sie planten bereits einen Brunch, um den vermeintlichen Erfolg zu feiern.
Die Konfrontation fand wenige Tage später statt. Katharina Vollma erschien in cremefarbenem Mantel und Perlenohrringen, begleitet von ihrem Juristen. Statt einer Entschuldigung legte sie einen schwarzen Ordner auf den Tisch.
Gregor Seidel erklärte ruhig, dass sämtliche Forderungen nun einer ihr gehörenden Gesellschaft zustünden, inklusive Verzugsrechten und Sicherungsansprüchen.
Die Stille war ohrenbetäubend. Marlene lachte zunächst hysterisch, bis die gefälschte Vollmacht aufgeschlagen wurde. Die Mutter begann kontrolliert zu weinen.
Der Vater sprach von einem Missverständnis. Doch Missverständnisse, so Vollma später, brauchen keine Grafiker, Scanner und stillen Überweisungen aus einem Firmenkonto.
Die Ermittlungen förderten noch mehr zutage. Um Marlenes Rechnungen zu decken, hatten die Eltern das Haus an der Außenalster belastet. Der Vermittler dieses Pakets war kein Geringerer als Felix Bernhard, Katharinas Ex-Mann.
Seine Kanzlei hatte geholfen, die Kredite zu strukturieren. Offenbar hatte er gehofft, seine Ex-Frau würde emotional zahlen.
Katharina Vollma schlug zurück. Sie ließ noch am selben Nachmittag die Kanzlei ihres Ex-Mannes durchleuchten. Die Compliance-Abteilung ihrer Firma fand zwei Zahlungen, die als Beratung deklariert waren, aber nach Bestechung rochen.
Eine stammte von Marlenes Mann Timo, die andere aus einer Holding des Vaters in Lübeck, versteckt unter Renovierungskosten für ein nie renoviertes Lager.
Die Konsequenzen waren vernichtend. Timo verlor seinen Posten in einem Autohaus bei Hannover, nachdem der Vorstand Fragen zu privaten Provisionen bekam. Felix Bernhard erhielt Besuch von der Steuerfahndung.
Die Mutter stand wenig später im Beige-Mantel vor Katharinas Frankfurter Büro und flehte um Milde.
Die Antwort war ein Angebot: eine geordnete Lösung mit Rückzahlungsplan, Vermögensverkauf und vollständigen Geständnissen. Dafür mussten die Eltern schriftlich bestätigen, dass sie ihre Tochter jahrelang systematisch belogen und ihre Identität wirtschaftlich missbraucht hatten. Zwei Stunden später unterschrieb die Mutter mit zitternder Hand.
Der Vater weigerte sich zunächst. Doch als die Bank den Fälligkeitstermin bestätigte, wurde auch er vernünftig. Marlene rief siebzehnmal an, mal schluchzend, mal fluchend, mal mit süßer Stimme.
Beim letzten Anruf fragte sie, ob sie wenigstens den Range Rover behalten dürfe. Die Antwort war nein. Der Wagen wurde abgeholt, zusammen mit drei Uhren und zwei Taschen.
In den folgenden Wochen verkaufte Marlene Schmuckstücke. Timo verkaufte seine Uhr, dann seine Würde. Felix Bernhard verkaufte schließlich seine Kooperation.
Katharina Vollma dagegen kaufte das alte Kontorhaus ihres Großvaters in der Speicherstadt, das ihr Vater immer hatte behalten wollen. Mit derselben Unterschrift, die missbraucht worden war, setzte sie dort eine Stiftung für Gründerinnen auf.
Die Lokalpresse berichtete über die Ermittlungen gegen Felix Bernhard und den Vermögensstreit im Hause Bernhard. Der Vater hasste nichts so sehr wie öffentliche Peinlichkeit. Kurz vor Weihnachten stand die Familie wieder an einem Tisch, diesmal in Katharinas Penthaus über Frankfurt.
Marlene trug keinen Schmuck mehr außer ihrem Ehering. Die Mutter sprach leiser, der Vater kaute langsamer.
Nach dem Dessert schob Katharina jedem einen Umschlag hin. Die finalen Vergleichsvereinbarungen und die neuen Eigentumsverhältnisse. Die Eltern durften lebenslang im kleineren Haus im Elbvorort wohnen, solange sie nie wieder ihren Namen nutzten.
Marlene musste monatlich zahlen, pünktlich, automatisch, bei Verzug sofort mit Strafklausel. Felix Bernhard verzichtete auf alle Ansprüche.
Der Vater unterschrieb ohne aufzusehen. Katharina Vollma sagt heute, Enterbung funktioniere nur bei Menschen, die noch um Liebe betteln. Sie brauche keine Familie, die sie klein halte, sondern klare Zahlen, gute Anwälte und einen langen Atem.
Wer sie unterschätze, bekomme kein Geschrei, keine Tränen, nur Fristen, Klauseln, Vollstreckung und diese wunderschöne Ruhe danach.



