An meinem 70. Geburtstag saß ich allein an einem gedeckten Tisch für vier. Mein Sohn hatte angerufen: „Mama, wir können leider nicht kommen. Mias Bruder heiratet.“ Ich sagte „Natürlich, ich…

An meinem 70. Geburtstag saß ich allein an einem gedeckten Tisch für vier. Mein Sohn hatte angerufen: „Mama, wir können leider nicht kommen. Mias Bruder heiratet.“ Ich sagte „Natürlich, ich...

An meinem 70. Geburtstag saß ich allein an einem gedeckten Tisch für vier. Mein Sohn hatte angerufen und gesagt, er feiere lieber mit der Familie seiner Frau. Am nächsten Morgen rief ich meinen Notar an.

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Drei Monate später war das Haus verkauft, das Konto leer geräumt und ich saß in einem Zug nach Südfrankreich. Als er zurückrief, nahm ich nicht ab. Mein Name ist Edeltraut Winzer, aber die meisten nennen mich Edel. Ich bin 71 Jahre alt und spreche aus Avignon, wo die Sonne um sieben Uhr morgens durch mein Fenster fällt und ich keinen einzigen Termin habe.

Ich wurde 1943 in Bonn geboren, als das Land noch in Trümmern lag. Meine Mutter war eine stille, starke Frau, die nie klagte. Mein Vater arbeitete beim Wiederaufbau. Lange Schichten, wenig Worte.

Wir hatten, was wir brauchten, und lernten früh, nicht mehr zu verlangen. Mit 27 heiratete ich Ernst Winzer, einen Ingenieur. Sachlich, zuverlässig, ein Mann, der Probleme löste, bevor man sie ausgesprochen hatte. Wir lebten in Bonn, dann in Köln, dann zogen wir nach Dresden, wo Ernst eine Stelle bei einem Maschinenbaubetrieb bekam.

Wir bauten uns ein Leben auf, ruhig und beständig, Stein auf Stein. Unser Sohn Florian kam 1973. Ich war 30, Ernst 32. Wir wollten mehr Kinder, aber es blieb bei Florian, also steckten wir alles in ihn.

Ich gab meinen Beruf als Sekretärin auf, um ihn großzuziehen. Ich führte den Haushalt, kümmerte mich um Schule, Freizeit, um alles, was ein Kind braucht. Ich saß nachts an seinem Bett, wenn er krank war, kannte jeden Freund beim Namen. Er war ein gutes Kind, neugierig, manchmal zu ernst für sein Alter.

Er studierte Maschinenbau wie sein Vater und zog nach München. Ernst starb vor fünf Jahren an Lungenkrebs. Vier Monate von der Diagnose bis zum Ende. Florian kam in den letzten Wochen, hielt die Hand seines Vaters.

Das werde ich nie vergessen. Nach der Beerdigung blieb ich allein in unserem Haus in Dresden. 220 Quadratmeter, ein Garten, den Ernst angelegt hatte, ein Keller voller Werkzeug, das er nie weggeworfen hatte. Ich lernte, allein zu sein.

Das ist kein kleines Lernprojekt. Florian rief anfangs einmal wöchentlich an, dann seltener, dann nur noch, wenn er Zeit hatte. Er heiratete mit 32 eine Betriebswirtin aus München namens Mia, mit einem Lachen, das immer ein bisschen zu laut war für den Raum. Ich mochte sie am Anfang.

Sie war energisch und wusste, was sie wollte. Was sie wollte, wurde mit der Zeit klarer. Sie wollte Florian ganz für sich. Das geschah nicht durch große Szenen, sondern durch kleine Dinge: Einladungen, die immer später kamen, Besuche, bei denen plötzlich auch ihre Eltern dabei waren, Anrufe, die immer kürzer wurden.

Ich bemerkte alles. Ich sagte nichts. Vor vier Jahren bekam ich Vorhofflimmern. Nichts Dramatisches, aber ein Signal.

Ich informierte Florian. Er schickte eine SMS: „Gute Besserung, Mama. Ruf an, wenn du was brauchst. “ Er rief nicht selbst an.

Vor drei Jahren fiel ich im Garten. Nur ein Schritt zu weit, der Fuß knickte um. Ich saß zwanzig Minuten auf dem Pflaster, bevor ich wieder aufstehen konnte. Nichts gebrochen, aber ich saß da und hatte niemanden, dem ich hätte rufen können.

Ich sagte Florian nichts davon. Wozu? Mein 70. Geburtstag stand bevor.

Ich plante ein schönes Abendessen zu Hause, den Tisch gedeckt für vier: Florian, Mia, meine alte Freundin Hannelore aus Bonn und mich. Ich wollte Hannelores Lieblingsblumen bestellen und kaufte einen Wein, den Ernst und ich einmal in der Pfalz entdeckt hatten, in dem glücklichen Sommer vor seiner Krankheit. Ich kochte zwei Tage vorher Florians Lieblingsgerichte. Drei Tage vor meinem Geburtstag rief Florian an.

„Mama, ich muss dir etwas sagen. “

Man weiß sofort, was kommt, wenn man diesen Ton hört. „Mias Bruder heiratet. Der Termin wurde kurzfristig vorgezogen.

Die Feier ist genau an deinem Geburtstag. Wir können leider nicht kommen. “

Ich saß am Küchentisch und schwieg eine Sekunde zu lang. „Mama, bist du noch da?

„Ich bin da. “

„Du verstehst das, oder? Wir können das nicht absagen. Es ist eine Hochzeit.

„Natürlich“, sagte ich. „Ich verstehe das. Wir machen das nach. Nächsten Monat.

„Versprochen. Wir kommen dann für ein ganzes Wochenende. “

„Ja“, sagte ich. „Natürlich.

Wir legten auf. Ich saß noch eine Weile am Küchentisch. Der Wein aus der Pfalz stand auf der Anrichte. Ich rief Hannelore an und sagte ihr, wir müssten verschieben.

Sie schwieg einen Moment. „Edel, was ist wirklich los? “

„Nichts“, sagte ich. „Florian kann nicht kommen.

Sie kannte mich seit sechzig Jahren. Meinen Geburtstag verbrachte ich allein. Der Tisch war für vier gedeckt. Ich hatte die Gedecke nicht weggeräumt, ich weiß selbst nicht warum.

Das Essen war gut, ich aß wenig davon. Um 20 Uhr schrieb Florian eine SMS: „Herzlichen Glückwunsch, Mama. Wir denken an dich. “ Dazu ein Emoji.

Ich legte das Telefon weg und saß lange still da. Irgendwann in jener Nacht wurde mir etwas klar. Nicht wütend, nicht dramatisch, nur klar, wie Wasser, das sich setzt. Ich hatte Jahre gelebt, Jahrzehnte damit verbracht, für andere da zu sein.

Für Ernst, für Florian. Das war meine Wahl gewesen, und ich bereute sie nicht. Aber irgendwann zwischen dem Warten auf den nächsten Anruf und dem Blick auf den gedeckten Tisch für vier hatte ich aufgehört, auch für mich selbst da zu sein. Ich hatte 70 Jahre gelebt.

Wenn ich Glück hatte, lebte ich noch 15, vielleicht 20. Was wollte ich mit diesen Jahren? Am nächsten Morgen rief ich Dr. Maura an, meinen Notar, den ich seit zwanzig Jahren kannte.

„Ich möchte das Testament ändern“, sagte ich, „und ich möchte über das Haus sprechen. “

Zwei Tage später trafen wir uns. Dr. Maura stellte keine unnötigen Fragen.

Er hörte zu, nickte, machte Notizen. Florian sollte erben, das stand für mich nie infrage. Aber nicht das Haus. Das Haus hatte Ernst gebaut, Woche für Woche, seine Hände in jeder Wand.

Es sollte nicht leer stehen, während Florian in München lebte. Ich ließ es schätzen und verkaufen. Es dauerte vier Monate. Die neuen Eigentümer waren ein junges Paar mit einem Kind und einem zweiten unterwegs.

Die Frau stand im Garten und sagte: „Der Kirschbaum. “ Sie sagte es wie eine Entdeckung. Ich sagte ihr, dass er im Mai blüht und man die Kirschen nicht vergessen darf, wenn sie reif sind, sonst kommen die Amseln zuerst. Sie lachte.

Das war ein guter Moment. Mit dem Erlös, Ernsts Lebensversicherung und dem, was ich angespart hatte, hatte ich echte Freiheit. Nicht die Freiheit, sich nichts leisten zu müssen, sondern die Freiheit zu entscheiden, wohin das Leben noch gehen soll. Hannelore fragte, ob ich nach Bonn ziehen würde.

Ich liebte die Idee, aber nein. Bonn war die Vergangenheit. Ich hatte Avignon einmal mit Ernst besucht, auf einer langen Zugreise durch Frankreich. Drei Tage hatten wir dort verbracht.

Ernst hatte am letzten Abend gesagt: „Hier könnte man alt werden. “ Er meinte es als Kompliment. Ich kaufte eine Wohnung in Avignon. Nicht groß, nicht klein.

Ein Schlafzimmer, eine helle Küche, ein schmaler Balkon, von dem man ein Stück des Flusses sehen kann, wenn man weiß, wo man hinschauen muss. Ich zog im März ein, als der Mistral die Straßen fegte und die Platanen noch kahl waren. Florian wusste von nichts. Nicht, weil ich es ihm verheimlichen wollte.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Ich wollte keine Szene inszenieren. Ich wollte mein Leben leben. Er hätte fragen können, wie es mir geht.

Er hätte anrufen können. Mehr als einmal im Monat. Er hatte es nicht getan. Wenn man nicht fragt, bekommt man manchmal keine Antwort.

Meine ersten Wochen in Avignon waren seltsam. Nicht schwer, seltsam. Ich kannte niemanden. Mein Schulfranzösisch war eingerostet.

Der Supermarkt war anders, die Straßen hatten andere Namen. Alles war anders. Das war der Punkt. Ich fing an, Französisch zu lernen, zweimal wöchentlich in einem Kurs.

Ich lernte eine Holländerin kennen, Lies, die nach dem Tod ihres Mannes ebenfalls neu angefangen hatte. Wir tranken nach dem Kurs Kaffee und sprachen ein Gemisch aus Deutsch, Englisch und schlechtem Französisch. Es funktionierte bestens. Ich fing an zu malen.

Das hatte ich nie getan, nie Zeit gehabt. Ich kaufte Aquarellfarben und einen Block. Ich malte den Balkon, den Flussblick, die Platanen. Die Bilder waren nicht gut.

Das war mir egal. Ich lernte die Bäckerin kennen, die jeden Morgen um sieben öffnete und immer denselben Satz sagte: „Bonjour, Madame. Comme d’habitude? Wie üblich?

“ Ich nickte jedes Mal und fand, das ist ein schöner Satz. Wie üblich, als wäre die Welt verlässlich. Florian rief nach sechs Wochen an. Er hatte das versprochene Wochenende in Dresden planen wollen und festgestellt, dass meine Nummer nicht mehr zu einem Dresdner Anschluss gehörte.

„Mama, wo bist du? “

„In Avignon. “

Stille. „In Frankreich?

„Ich lebe hier. “

Die Stille war lang. Ich konnte ihn atmen hören, spüren, wie er nach der richtigen Reaktion suchte. „Warum hast du mir nichts gesagt?

„Du hast nicht gefragt. “

„Das ist doch keine Antwort, Mama. “

„Doch“, sagte ich ruhig. „Das ist genau die Antwort.

Er wollte wissen, was mit dem Haus war. Ich erklärte es ihm. Er war still. „Das hätte ich gerne gewusst.

„Warum? “

„Weil ich dein Sohn bin. “

„Du bist mein Sohn“, sagte ich. „Und ich bin deine Mutter seit 71 Jahren.

In diesen Jahren habe ich viel für dich getan. Was ich nicht mehr tun werde, ist warten. Warten auf den Anruf. Warten auf das Wochenende, das nie kommt.

Warten darauf, dass du merkst, dass ich auch existiere, wenn es keinen Geburtstag und keine Erbschaft gibt. “

Er schwieg lange. „Ich habe Fehler gemacht“, sagte er schließlich. „Ich weiß nicht, wie ich das in Ordnung bringen soll.

„Das ist ehrlich“, sagte ich. „Das erkenne ich an. “

„Kann ich dich besuchen? “

Ich schaute aus dem Fenster.

Der Mistral war wieder aufgekommen. „Ja“, sagte ich. „Du kannst mich besuchen. Aber Mia kommt nicht mit.

Nicht das erste Mal. Das hier ist zwischen dir und mir. “

Er zögerte. Ich wusste, dass er das mit ihr besprechen würde.

Das war sein Problem, nicht meins. „Gut“, sagte er. „Wann passt es dir? “

„Frag mich in zwei Wochen.

Ich habe nächste Woche Sprachkurs, und am Samstag male ich. “

„Du malst? “

„Seit drei Monaten. Das wusstest du nicht.

„Nein“, sagte er. „Das wusste ich nicht. “

Florian kam sechs Wochen später. Allein, wie vereinbart.

Ich holte ihn am Bahnhof ab, als er durch die Sperre kam, mit seinem Rollkoffer und einem unsicheren Blick, der mich an den zwölfjährigen Florian erinnerte. Da spürte ich etwas, das keine Wut war und kein Triumph, nur Traurigkeit über verlorene Zeit und die leise Hoffnung, dass noch etwas übrig war. „Mama“, sagte er. „Florian.

Wir umarmten uns. Es war steif am Anfang, wie Umarmungen sind, wenn man zu lange nicht geübt hat. Er blieb vier Tage. Wir gingen in die Altstadt, sahen den Papstpalast, tranken Wein an der Rhône.

Wir sprachen über Ernst, über seine Kindheit, über Dinge, die wir seit Jahren nicht besprochen hatten. Er fragte nach dem Sprachkurs, nach dem Malen, nach Lies. Er hörte zu. Nicht alles war repariert nach vier Tagen.

Reparieren braucht Zeit, und manches lässt sich vielleicht nicht ganz reparieren. Das sind echte Risse, keine Kratzer. Aber es war ein Anfang. Am letzten Abend saßen wir auf meinem Balkon.

Der Abendhimmel über Avignon ist oft von einem Orange, das aussieht, als hätte jemand übertrieben. Aber er übertreibt nicht, er ist einfach so. „Es ist schön hier“, sagte Florian. „Ja“, sagte ich.

„Das ist es. “

„Ich verstehe, warum du gekommen bist. “

„Nicht ganz“, sagte ich freundlich. „Aber du bist auf dem Weg.

Wir schwiegen eine Weile, die gute Art von Schweigen. „Vermisst du Dresden? “, fragte er. Ich dachte nach.

„Ich vermisse den Kirschbaum“, sagte ich. „Im Mai. Und Ernst’ Werkzeugkeller. Sonst warte ich darauf, was ich hier noch vermissen werde.

Er lächelte. Es war das Lächeln des jungen Florian, kurz bevor er verstand, dass etwas, das er gehört hatte, klüger war, als er zunächst dachte. Mia rief an, während er noch da war. Ich hörte Bruchstücke.

Sie fragte, wann er zurückkäme. Er sagte: „Morgen. “ Sie fragte, wie es war. Er sagte: „Gut.

Mama geht es gut. “

Ich lächelte in meine Küche hinein. Ja, Mama geht es gut. Mama geht es besser, als es ihr seit Jahren gegangen ist.

Mama trinkt morgens Kaffee auf dem Balkon und hat keinen einzigen Termin. Mama hat aufgehört zu warten. Das ist kein kleines Ding. Das ist vielleicht das Größte, was ich je getan habe.

Man redet immer über die großen Entscheidungen des Lebens: wen man heiratet, welchen Beruf man wählt, wo man wohnt. Aber die Entscheidung, die mein Leben am meisten verändert hat, war eine sehr leise: die Entscheidung, mein Glück nicht mehr von der Erlaubnis anderer abhängig zu machen. Ich hatte 70 Jahre lang auf die Erlaubnis gewartet, wichtig zu sein, gesehen zu werden, genug zu sein. Niemand hat sie mir je erteilt.

Also habe ich sie mir selbst gegeben. In den ersten Wochen in Avignon gab es Momente, in denen ich an mir zweifelte. Ob ich zu hart gewesen war, ob ich Florian hätte eine Chance geben sollen, bevor ich handelte. Ich sprach mit Hannelore darüber an einem verregneten Abend.

„Edel“, sagte sie. „Du hast ihm sechzig Jahre lang Chancen gegeben. Jedes Weihnachten, das er zu spät absagte, jede SMS statt eines Anrufs, jedes Mal, als du gefallen bist oder krank warst und er eine Nachricht schickte, statt zu kommen. Das waren alle Chancen, die er hatte.

Ich schwieg. „Irgendwann“, sagte Hannelore, „ist es keine Hartherzigkeit mehr aufzuhören. Es ist Selbstachtung. “

Selbstachtung.

Das Wort blieb bei mir. Ich hatte immer gedacht, Selbstlosigkeit sei eine Tugend. Das hatten die Frauen meiner Generation gelernt. Aber Selbstlosigkeit, die so weit geht, dass man sich selbst verliert, ist kein Tugend mehr.

Es ist ein stilles Verschwinden. Ich hatte dreißig Jahre lang still verschwunden, in die Lücken zwischen Florians Besuchen, in die Stille des großen Hauses in Dresden. In Avignon bin ich wieder aufgetaucht. Lies hat mir einmal etwas gesagt, beim Kaffee nach dem Sprachkurs, als wir über unsere Kinder sprachen.

Sie hat auch zwei Söhne, beide beschäftigt, beide weit weg, beide gut gemeint und selten anwesend. „Weißt du, was das Schwierige ist? “, sagte sie. „Nicht, dass die Kinder uns vergessen.

Das tun sie gar nicht. Sie tragen uns mit sich. Das Schwierige ist, dass sie glauben, wir seien immer noch da, wenn sie uns brauchen. Wie die Lampe im Keller.

Die ist auch immer da, auch wenn man jahrelang nicht hinuntergeht. “

Ich dachte lange über dieses Bild nach. Ich hatte aufgehört, die Lampe im Keller zu sein. Nicht, weil ich Florian nichts bedeute, sondern weil ich mir selbst etwas bedeute.

Mit Mia habe ich mich bis heute nicht versöhnt. Ich weiß nicht, ob das je passiert. Sie ist, wer sie ist. Ich habe aufgehört, das zu einer Krise zu machen.

Florian muss seinen Weg finden zwischen seiner Frau und seiner Mutter. Das ist seine Aufgabe, nicht meine. Florian schreibt jetzt öfter, nicht nur SMS, richtige Nachrichten mit Sätzen und Gedanken. Manchmal ruft er an, ohne Grund.

Das ist neu. Lies und ich wandern diesen Herbst durch die Provence, eine Woche, Lavendelfelder, kleine Dörfer, gutes schlechtes Französisch und guter Wein. Hannelore kommt im Oktober zu Besuch. Das Beste, was ich für Florian getan habe, war nicht das Kochen und nicht das Warten und nicht das Schweigen.

Das Beste war dieser Schritt. Der Schritt, der zeigt: Eine Frau von 70 Jahren kann aufhören, sich klein zu machen. Sie kann neu anfangen. Sie kann ihr Leben zurückfordern.

Und wenn er es nie ganz begreift, lebe ich trotzdem auf diesem Balkon, mit diesem Himmel, mit diesem Kaffee, mit diesem Satz: „Bonjour, comme d’habitude. “ Wie üblich, als wäre die Welt verlässlich. Sie ist es nicht immer. Aber manchmal, wenn die Sonne über Avignon aufgeht und der Kaffee heiß ist und der Tag noch leer und offen vor einem liegt, fühlt es sich so an.

Das reicht mir.