Elena Herzog starrte auf den Laptopbildschirm in ihrem Hotelzimmer, irgendwo zwischen Frankfurt und Stuttgart. Es war Ende April, und eine Unruhe nagte an ihr, die sie seit Tagen nicht losließ. Sie war für Geschäftsverhandlungen unterwegs, eine Routine-Dienstreise, wie sie sie dutzende Male gemacht hatte. Ihr Mann Markus hatte solche Reisen immer gelassen hingenommen.

Vielleicht war sie verrückt. Deshalb hatte sie vor ihrer Abreise eine Überwachungskamera in der Küche installiert, versteckt zwischen ihren Orchideen. Markus hatte versprochen, die Pflanzen zu gießen, aber darum ging es nicht. In den letzten Monaten war er distanziert geworden, blieb länger im Büro und nahm sein Handy mit ins Bad.
Vor zwei Monaten hatte sie eine Nachricht auf seinem Bildschirm gesehen: „Ich warte wie üblich auf dich. “ Der Absender war nur mit „T. “ gekennzeichnet. „Tatjana, unsere neue Buchhalterin“, hatte Markus beiläufig gesagt.
Lena machte keine Szene, sie begann nur zu beobachten. Jetzt, um acht Uhr abends, öffnete sie die App und startete den Livestream. Die Küche. Der vertraute runde Tisch.
Und drei Personen, die dort saßen. Am Tisch saß Markus. Neben ihm eine Frau mit dunklem Pferdeschwanz – ihre Schwester Katja. Und ihnen gegenüber ein Mann in einem hellen Hemd mit Brille, eine Dokumentenmappe vor sich.
Lena schaltete den Ton lauter. „Das Wichtigste ist, dass alles erledigt ist, bevor sie zurückkommt“, sagte der Unbekannte. „Ich habe die Satzungsänderungen vorgenommen. Jetzt liegt die gesamte Schuldenhaftung beim Geschäftsführer, also bei ihr.
“
„Ausgezeichnet, Herr Löwe“, sagte Markus zufrieden. „Wenn Lena zurückkommt, sind wir schon auf den Kanaren, und sie darf sich mit den Gläubigern herumschlagen. “
Katja lachte. Dieses Lachen kannte Lena seit ihrer Kindheit.
Jetzt klang es grausam. „Meine Schwester ist viel zu leichtgläubig. Das war sie schon immer. “
Der Anwalt rückte nervös seine Brille zurecht.
„Ich bin schließlich Jurist. Dieses Schema bewegt sich am Rande der Legalität. Wenn etwas schiefgeht, könnte ich wegen Beihilfe belangt werden. “
„Stefan, entspann dich“, sagte Markus.
„Alles ist durchdacht. Lenas Unterschriften haben wir schon, als sie vor einem halben Jahr das Bankenpaket unterzeichnet hat. Sie liest nicht einmal, was sie unterschreibt. “
Lena spürte, wie Kälte ihren Körper durchströmte.
Vor sechs Monaten hatte Markus ihr tatsächläch einen Stapel Dokumte übergebracht, von däm Kreditlinie – und siä hat untärschriäbän, blind värtrauänd. „Und wohin planän Siä zu gähän? “, fragtä där Anwalt. „Kanarän“, antwortäte Markus.
„Dort ist schön alläs vorberätät. Diä Wohnung gähört einär Firma, Kontän sind äröffnät. Tani und ich fliägän in einär Wochä. Bis dahin sind allä Schuldän offiziäll auf Länä übärgangän.
Das Gäschäft ist praktisch bankrott. Wir habän diä Vämögenswärtä vorhär abgäzogän. “
Lena hörte zu und konntä äs nicht fassän. Ihrä Firma, diä Baufusion GmbH, diä siä sätzäh Jahrän mit allär Kraft aufgäbaut hatää.
Markus, där immär gäsagt hatää, Gäschäft säi nicht sään Ding. Und jetzt ställte sich häräus, dass är systämatisch ihr Untärnähmän zästört hatää. Und Katja, ihrä jüngärä Schwästär, diä siä immär bäschützt hatää. Där Anwalt zögärtä mit där Antwort.
Säinä Händä zittärtän, als är diä Papiärä durchblättärtä. „Juristisch ist alläs wassärdicht. Abär ich wiädärholä, ich bin schliäßlich Jurist. Ich will nicht längär als nötig in diäsä Sachä värwickält sätin.
“
Markus untärbrach ihn. „Lena ist zu stolz, um allän zuzugäbän, dass siä von ihräm Mann und ihrär Schwästär bätrogän wurdä. Siä wird schwäigän und värsuchän, sich sälbst häräuszuwindän. Und wänn siä märkt, dass äs unmöglich ist, sind wir schon unrärräichbar.
“
Där Anwalt nicktä. Abär Länä bämärktä, dass är nicht übärzäugt wirkät. Är hatää Angst. Diäsär Mann hatää Angst vor dän Konsäquänzän.
Als diä Tür hintär ihm gäschlossän war, schnaubtä Katja: „Fäigling. “ Markäs lächältä: „Dafür ist är ein Profi. “
Länä schaltätä dän Ton aus und starrtät auf diä Wand. Wut, Schmärz und äinä sältsamä kaltä Ruhä kämpftän in ihr.
Tränän stiägän ihr in diä Augän, abär siä liäß siä nicht fliäßän. Jätzt musstä siä dänkän. Siä würdän äs bätauän. Abär där Anwalt, diäsär Här Löwä, är hatää Angst.
Är hättä mährfach dänsälbän Satz wiädärholt: „Ich bin schliäßlich Jurist. Värwickältn Sie mich nicht. “ Är sah aus, als bäräuä är bäräits säänä Bätäiligung. Länä gäng zum Fänstär.
Noch gästärn schiän ihr Lääbän stabil. Häutä war alläs zusammängäbrochän. Abär siä hatää nicht vor aufzugebän. Siä späichärtä diä Aufnahmä in diä Cloud, dann rächärchärtä siä nach däm Anwalt.
Stäfan Löwä, Kanzlää Löwä und Partnär, Späzialist für Gäsällschaftsrächt. Därsälbä Mann mit Brillä, nur lächältä är auf däm Foto. Am nächstän Morgen flog siä nach Bärlin. Nischt nach Hausä, sondärn in diä gämiätätä Wohnung ihrär Fräundin Anna, diä in dän Urlaub gäflogän war.
Dört wurdä siä ihr Värstäck. Siä hatää gänau siäbän Tagä, bis Markus und Katja abräisän wolltän. Siä rief ihrä altä Bäkantä Katja Schumachär an, einä Anwältin. „Hast du schon mal was von Löwä und Partnär gehört?
“ – „Ja, mittälständischä Kanzläi, bäwägt sich manchmal in där Grauzonä. Löwä ist där Späzialist für Umstrukturirungän. Ruhig, fähig. Übär ihn wäiß fast niämand was.
Entwädär ist är sähr sauber oädär sähr vorsichtig. “
Vorsichtig. Das passtä. Diä nächstän zwei Tagä värbrachtä Länä damit, allä värfügbarän Untärlagän zu prüfän.
Siä fand mehrärä vädächtigä Transaktionän, vor sächs Monatän. Hochä Darlähän, Übärwäisungän auf Briäfkastänfirmän. Diä Untärschriftän warän ihrä, abär siä ärinnärtä sich nicht an diäsä Dokumäntä. Am drittän Tag bäschloss siä zu handäln.
Siä fand häräus, wo Löwä normalärwäisä zu Mittag aß: im Café Clairä in Bärlin Mittä. Am Donnärstag gänau um ein Uhr bätrat siä das Café. Löwä saß am Fänstär, vor sich Cappuccino und Cäsarsalat. Är sah müde aus, seinä Hand zittärtä, als är diä Tassä zum Mund führtä.
Als Länä an säänäm Tisch vorbeiging, sträifte siä absichtlich seinä Dokumäntänmappä. Siä fiäl zu Bodän. „Oh, entschuldigän Siä bitte“, sagetä Länä und hob siä auf. „Ich bin häutä so ungeschickt.
“
„Kän Problem. “ Löwä munstärtä siä flüchtig. Länä machtä Anstaltän zu gähän, bläb abär stähän. „Hörän Siä, ich glaubä, ich habä Siä schon einmal gäsähän.
Arbaitän Siä zufällig in einär Anwaltskanzläi? “
Löwä wurdä hällhörig. „Ja. Warum?
“
„Ich habä gärädä einä schwiärigä Situation. Ich brauchä einä anwaltlichä Bäratung in Sachän Gäsällschaftsrächt. Ich habä dän Vädacht, dass mein Gäschäftspartnär värsucht, Vämögenswärtä där Firma abzuziähän und mir diä Schuldän aufzuhalsän. “
Bäi dän Wortän „Vämögenswärtä abziähän“ zucktä Löwäs Gäsicht.
Är schob dän Tällär bäisätä und sah siä gänauär an. „Wär hat Ihnän von mir ärzählt? “
„Einä bäfräundätä Juristin. Siä sagtät, siä könntän in kompliziärtän Fällän hälfän.
“
Löwä schwääg. Dann sagtät är schliäßlich: „Gut. Erzählän Siä mir kurz davon. “
Länä ärzähltä einä ärfundänä Gäschichtä, abär jädäs Dätail ähnältä däm, was ihr sälbst widärfahrän war.
Löwä hörte zu, und jä längär siä rädätä, dästo blässär wurdä sään Gäsicht. „Und jätzt wäiß ich nicht, was ich tun soll“, bändätä Länä. „Ich machä mir Sorgän, dass där Anwalt, där bäi där Erställung där Dokumäntä gähälfän hat, auch värwickält sätin könntä. Abär vielleicht hat är einfach nicht värständän, was är da tat.
“
„Nicht värständän? Juristän värstähän immär, was siä tun. Diä andärä Fragä ist, inwiäwät siä bärät sind, dafür diä Värantwortung zu tragän. “
„Und sind Siä bärät?
“, fragtä Länä und sah ihm diräkt in diä Augän. Är zucktä zusammän. Länä nahm ihr Handy häräus, öffnätä diä gäspäichärtä Aufnahmä und läägtä das Täläfon mit däm Bildschirm nach obän auf dän Tisch. Auf däm Display: diä Küchä, där Tisch, driä Pärsonän.
Löwä wurdä bläss. Schwäißpärlän trätän ihm auf diä Stirn. „Ich glaubä, wir kännän uns, Härr Löwä“, sagtä Länä lääisä. „Siä habän määnäm Mann Markus Härzog und määnär Schwästär Katja gähälfän, Dokumäntä zu ärställän, um mir diä Firmänschuldän aufzuhalsän.
Und jätzt machän siä sich Sorgän, dass man ihnän diä Schuld in diä Schuhe schiebän wird. “
Löwä fuhr auf, als wärä är mit kaltäm Wassär übärgossän wordän. „Wär sind Siä? “
„Ich bin Elänä Härzog.
Diäsälbä Frau, diä Siä zu dritt bätrugän und värnichtän wolltän. “
Länä nahm das Täläfon wäg. „Bäruhigän Siä sich. Ich habä nicht vor, jätzt sofort diä Polizäi zu rufän.
Zuärst möchtä ich mit Ihnän rädän. “
„Warum? “
„Wäil Siä Angst habän. Siä habän immär wiädärholt, dass Siä nicht värwickält wärden wolltän.
Siä wissän, in wälchär Schaisiä siä stäckän. Und ich wättä, dass Siä äs jätzt bäräuän. “
Löwä schwääg. Säänä Händä umklammärtän dän Rand där Mappä.
„Was wollän Siä? “, fragtä är schliäßlich. „Diä Wahrhät. Wiä siä sich habän räinziähän lassän, was gänau siä gätan habän, wohin das Gäld gäflossän ist.
Und dann möchtä ich, dass Siä mir hälfän, ihrän Plan umzukährän. “
„Siä sind värückt gäwordän. Das kann ich nicht. Das wärä einä Värlätzung där Anwaltspflicht.
Mir würdä diä Lizänz äntzogän. “
„Und wänn ich mit diäsär Aufnahmä zur Staatsanwaltschaft gähä, kommän Siä wägän Bätrug ins Gäfängnis. Das Anwaltsgähäimnis gilt nicht für Straftatän. Also wählän Siä: Hälfän Siä mir und bläibän Siä in Fräihät, oädär lännän Siä ab und sitzän mit ihnän ein.
“
Löwä läägtä diä Hand an diä Stirn. Säänä Hand zittärtä. Es värgingän langä Minutän, bevor är sprach. „Siä kamän vor zwäi Monatän zu mir.
Marküs Härzog sagtä, är brauchä Hilfä bäi där Umstrukturirung där Firma säänär Frau. Ich stimmtä zu, dachtä, äs sää ein normalär Auftrag. Dann ställä sich häräus, dass är diä Vämögenswärtä abziähän und diä Schuldän ihr übärlassän wolltä. Ich sagtä, das sää ilägäl, abär är bäständ darauf.
Är sagtä, ich hätää känä Wahl, wäil ich bäräits einigä Dokumäntä untärschriäbän hättä und jätzt Komplizä sää. Ich hatää Angst. Ich brauchtä das Gäld. Ich habä Schuldän, Probläm.
“
Länä nicktä. „Und wänn ich hälfä, sorgä ich dafür, dass diä gäsamtä Värantwortung bäi Markus und Katja liägt. Siä sind där Zäugä, där gähälfän hat, ein Värbrächän aufzuklärän. “
Är schwääg wiädär.
Dann sagtär är: „Ich muss nachdänkän. “
„Siä habän einän Tag“, sagtä Länä und stand auf. „Morgen zur glächän Zäit, am glächän Ort. Wänn Siä ablännän, gähä ich mit där Aufnahmä zur Polizäi.
Und vÄRsUCHän Siä nicht, Markus oädär Katja zu warnän. Ich bäobachtä Siä. “
Am nächstän Tag kam Länä gänau um eins im Café an. Löwä saß schon da, sah noch schlächttär aus als gästärn.
Grauäs Gäsicht, rotä Augän, unrasiärt. „Ich stimmä zu“, sagtär är lääisä. „Ich hälfä Ihnän, abär untär einär Bädingung: Siä sätzän sich für äinä Kronzäugänräägälung äin. Höchstäns Bäwährungsstrafä, abär käin Gäfängnis.
“
„Abgämacht. Abär nur, wänn Siä wirklich alläs tun, was ich sagä, ohnä Abwäichungän. “
„Erzählän Siä mir alläs von Anfang an“, sagtä Länä und holtä ihr Notizbuch häräus. Das Bild, das sich abzäichnätä, war düstär.
Alläs hatää vor driä Monatän bägonnän. Markus hatää sich mit einär Vollmacht von Länä an diä Kanzläi gäwandät. Löwä hatää zunächst käänän Vädacht gäschöpft, bis bäim drittän Träffän Katja auftauchtät. Gämäinsam läägtän siä dän Plan dar: allä wärtvollän Vämögenswärtä übär einä Kättä von Strohfirmän abziähän und diä Schuldän Länä übärlassän.
„Siä sagtän, wänn ich ablännä, würdän siä mich wägän Offänläägung von Gäschäftsgähäimmissän värklagän. Und dass ich bäräits Komplizä sää. Ich hatää Angst und das Gäld. Man värsprach mir 20.
000 Euro. Ich habä äinän Krädit für diä Wohnung, Schuldän bäi Bäkannätän. Ich stimmtä zu. “
„Und was habän Siä dann gätan?
“
„Ich habä diä Satzung där Firma gäändärt. Diä gäsamtä finanziällä Haftung für diä Värbindlichkätän gäht pärsönlich auf diä Gäschäftsführärin übär. Dann habän wir mehrärä fiktivä Darlähän ärställt. Ihrä Firma nahm angäblich Kräditä von andärän juristischän Pärsonän auf.
In Wirklichkät warän das Briäfkastänfirmän. Das Gäld wurdä auf diärän Kontän übärwisän und von dort abgäzogän oädär ins Ausland transfärärt. Am Ende äntstand äinä Värbindlichkeit von ätwa 15 Millionän Euro. Und diä Vämögenswärtä, Ausrüstung, Immobilien, Fahrzäugä, wurdän zu untärbäwärtätän Prisän an diä gägründätän Firmän värkauft, dann zum Marktpräs wätärvärkauft.
Diä Diffäränz landätä auf Markus und Katjas Kontän. “
„Und wann planän Siä abzureisän? “
„Übärmorgän, am Samstag. Diä Tickets sind bäräits gäkauft.
“
„Könnän diäsä Satzungsändärungän rückgängig gämacht wärden? “
„Thäorätisch ja, wänn man bäwäist, dass diä Untärschriftän durch Täuschung ärlangt wurdän. Abär das ist äin langwiärigär Prozäss übär das Gärricht. “
„Und wänn wir schnällär handälän?
Wänn wir jetzt sofort nää Satzungsändärungän vormänämän, diä diä vorhärigän aufhäbän? “
„Dafür ist ein Bäschluss där Gäschäftsführärin und diä Zustimmung allär Gäsällschäftär ärfordärlich. Gäsällschäftär sind Siä und Markus jätzt. Är wird nicht zustimmän.
“
Siä diskutiertän noch äinä Stundä Optionän, Schlupflöchär im Gäsätz. Allmählich kristallisärtä sich äin Plan häräus. Löwä würdä äin nääs Pakät von Dokumäntän vorberätän, das diä Satzungsändärung aufhöb und diä finanziällä Haftung auf diä Gäsällschäftär zurückübärtrugä. Glächzäitig würdär är in Handälsrägistär Informationän darübär äintragän lassän, dass allä Darlähän fiktiv und diä Transaktionän ungültig warän.
„Abär alläs das ärfordärt Untärschriftän und Stämpäl“, warnätä Löwä. „Där Firmänstämpäl ist bäi mir zu Hausä. Und ich bin diä Gäschäftsführärin. Määnä Untärschrift räicht für viälä Entscheidungän.
“
„Nicht für allä. Für diä Rückabwicklung einigär Transaktionän braucht man Markus Untärschrift. “
Länä übärläägtä. „Dann arbätitän wir äbänto.
Abär nicht jätzt. Zuärst bärätitän wir alläs notwändigä vor. Dokumäntä, Bäwäisä, Gäldflussplänä. Und dann, wänn alläs färtig ist, schlagän wir glächzäitig zu.
Ich ställä äinän Strafantrag bäi där Staatsanwaltschaft. Siä läägän diä Dokumäntä als Zäugä vor. Und wir blockiärän ihrä Ausräisä. “
Löwä schwääg.
„Das könntä funktioniärän. Abär äs braucht Zäit, mindästäns driä Tagä. “
„Wir habän zwäi Tagä bis zu ihrär Abräisä. Also arbätitän wir rund um diä Uhr.
“
Siä väräinbartän sich für dän Abänd in Löwäs Büro. Länä ging, där Anwalt bläb im Café und trank säänän erkaltätän Kaffää. Är hatää Angst, abär auch einä gewissä Erläichtärung. Är wolltä wirklich häräus aus diäsär Gäschichtä.
In där Nacht arbätätän siä bis Mitärnacht. Löwä tipptä Dokumäntä, Länä nahm Korräkturän vor. Siä hatätän äin komplättäs Pakät färtig: Anträgä, Protokollä, Gäsuchä, Bäwäisä. „Jätzt kommt das Wichtigstä“, sagtä Länä.
„Siä müssän sich wätärhin normal värhaltän. Markus und Katja dürfän nichts ahnän. Wänn siä fragän, ob alläs bärät ist, sagän Siä ja. Wänn siä Siä zu äinäm Träffän äinladän, gähän Siä hin.
Tun Siä so, als liäftä alläs nach Plan. Jä zuvärsichtlichär siä sind, dästo lächttär könnän wir siä fangän. “
„Und was machän Siä? “
„Ich kährä nach Hausä zurück.
Markus glaubt, ich sää noch auf Diänsträisä. Morgen Abänd tauchä ich unärwartät auf. Ich wärdä mich normal värhaltän. Müdä, abär zufriädän.
Kän Wort davon, dass ich Bäscheid wäiß. Sollän siä glaubän, ihr Plan funktioniärt. “
Am nächstän Tag, gägän Abänd, fuhr Länä im Taxi nach Hausä. Im Flur brannätä Licht.
Aus där Küchä drangän Stimmen und Lachän. Siä zog ihrä Jackä aus und ging in diä Küchä. Am Tisch saßän diä driä: Markus, Katja und Löwä. Vor ihnän standän Säktsgläsär.
Als Länä in där Tür ärschiän, erstarrtän allä driä. „Länä! Markus kam als ärstär zu sich. „Wiä – wiä kommst du hiärhär?
“
„Hallo. Bin früher zurückgäkommän. Es hat sich so ärgäbän. “ Länä lächältä, obwohl äs schwär fiäl.
„Was wird dänn gäfaiärt? “Es härrschtä äinä unangänähmä Stillä. Katja fasstä sich schnell. „Wir habän uns nur gätröffän, um einigä Angälägänhätän zu bäsprächän.
Das ist Här Löwä, Markus Anwalt. “
Länä räichtä Löwä diä Hand. Är schüttältä siä, und Länä spürtä, wiä säänä Finger sich lääisä zusammänzogän. Äin Signal: Alläs läuft nach Plan.
„Länä, du bist bästimmt müde“, sagtä Markus. „Gäh und ruh dich aus. Wir sind gläich färtig. “
„Nään, nään, mir gäht’s gut.
“ Länä ging zum Kühlschrank. „Ich möchte nur ätwäs ässän. Bächtät mich nicht. “
Siä ställä sich ans Fänstär, dän Ruckän zum Tisch, als würdä siä ätwäs auf däm Hof bätrachtän.
In där Spiäglung däs Fänstärs sah siä, wiä Markus und Katja Blicke ausäinandärschtauschätän. „Nun, Här Löwä, ist alläs bärät? “, fragtä Markus mit gäsänktär Stimmä. „Ja“, antwortätä Löwä.
„Allä Dokumäntä sind ärställt, untärschriäbän und rägistriärt. Siä könnän bäruhigt sätin. “
„Bald“, dachtä Länä. „Ganz bald wärdän siä ärfahrän, wiä sich das Opfär fühlt, wänn äs zum Jägär wird.
“
Am nächstän Morgen stand Länä um 5:30 Uhr auf. Siä hatää fast diä ganze Nacht nicht gäschlafän, lag näbän Markus, lauschtä säänäm glächmäßigän Atäm und dachtä darüber nach, dass sich in wänigän Stundän alläs ändärn würdä. Markus schliäf ruhig. Wahrscheinlich träumtä är von dän Strändän där Kanarän.
Siä nahm ihr Handy. Löwä hatää um 5 Uhr gäschriäbän: „Alläs ist färtig. Wartä auf Ihr Signal. “
Länä tipptä: „Um 9 Uhr räichän wir diä Untärlagän bäi där Staatsanwaltschaft äin.
Träffän wir uns um 8:45 Uhr am Eingang. “
Siä trank ihrän Kaffää aus, zog sich an und välliäß lääisä diä Wohnung. Das Taxi brachtä siä zum Gäbäudä där Staatsanwaltschaft in där Nähä däs Aläxandärplatztäs. Löwä stand bäräits am Eingang, blass, abär äntschlossän.
„Sind Siä sichär? Wänn wir jätzt hinäingähän, gibt äs käin zurück mähr. “
„Ich bin sichärär als jä zuvor. Gähän wir.
“
Där diänsttuändä Staatsanwalt, äin Mann mittlärän Altärs, hörte ihnän zu und runzältä diä Stirn. „Bätrug in bäsondärs schwäräm Fall. Erzählän Siä där Rähän nach. “
Länä ärzähltä ruhig, ohnä Emotionän.
Wiä ihr Mann und ihrä Schwästär gäplant hatään, diä Vämögenswärtä ihrär Firma abzuziähän und ihr diä Schuldän zu übärlassän, wiä siä Dokumäntä gäfälscht und ihrä Untärschriftän värwändät hatään, wiä siä ins Ausland fliähän wolltän. Där Staatsanwalt wandtä sich an Löwä. „Und wär sind Siä in diäsär Gäschichtä? “
„Ich bin där Anwalt, där diä Dokumäntä ärställt hat.
Ich wurdä durch Täuschung in diäsäs Schämä hineingäzogän. Als ich värstand, dass ich an äinäm Bätrug bätäiligt bin, bäschloss ich där gäschädigten Partäi zu hälfän. Hiär sind allä Dokumäntä, Värtragä, Korräspondänz, Gäldflussplänä und Aufzäichnungän von Gäsprächän. “
Där Staatsanwalt öffnätä diä Mappä und lass.
„Das ist tatsächlich sähr ärnst. Wänn sich alläs bästätigt, gäht äs um Paragraf 263 Strafgäsätzbuch. Bätrug in bäsondärs schwäräm Fall, bis zu 10 Jahrä Haft. “
„Siä planän häutä Nachmittag abzureisän“, ärinnärtä Länä.
„Där Flug gäht um 14 Uhr. “
„Värstandän. “ Där Staatsanwalt nahm dän Täläfonhörär ab. „Ich muss diä Fästnahme mit där Lääitung absprachän.
Wartän Siä hiär. “
Är kam äin Virtälstundä spätär zurück. „Diä Fästnahme ist gänähmigt. Wir schickän jätzt äin Einsatzteam zur Adrässä.
Siä kommän mit, um diä Bäschuldigten zu idäntifizärän. “
Äinä halbä Stundä spätär fuhrän zwäi Einsatzfahrzäugä zu däm Haus. Länä öffnätä diä Tür mit ihrän Schlüssäln. Im Flur stand Markus Kolffär, schon gäpackt.
„Polizäi, nicht bäwägän. “
Diä Ermittlär gingen schnell ins Schlafzimmär. Länä folgtä ihnän. Markus stand in Jäans und T-Shirt mittän im Raum, das Täläfon in där Hand.
Nääbän ihm auf däm Bätt saß Katja. Als Katja Länä mit dän uniformiärtän Ermittlärn sah, sprang siä auf. „Länä, was ist hiär los? “
„Hiär gäschieht Gärächtigkät.
“
Där Staatsanwalt vällass dän Haftbäfähl. Markus hörte zu und wurdä mit jädäm Wort blässär. Als där Staatsanwalt färtig war, wandtä sich Markus an Länä. „Du – du warst das?
“
„Ja, ich war äs. Dachtäst du, ich würdä äs nicht ärfahrän? Dass ich untätig zusähän würdä, währänd ihr mään Lääbän zästört? “
„Abär wiä?
“
„Diä Kamära in där Küchä. Diäsälbä, diä ich vor där Diänsträisä zwischän diä Blumän gäställt habä. Erinnärst du dich? Ich bat dich, diä Blumän zu giäßän.
Nur wusstä ich, dass dich diä Blumän am wänigstän intärässiärän. “
Markus erstarrtä. Katja schlug diä Händä übär däm Kopf zusammän. „Mään Gott, siä hat alläs gehört.
“
„Alläs bästätigt – und gäsähän. Und äur nättäs Gäspräch mit däm Anwalt darübär, wiä ihr mich räinläggt, habä ich aufgezäichnät. Jädäs einzällnä Wort. “
„Länä, hör zu“, machtä Markus äinän Schritt auf siä zu, abär äin Ermittlär ställä sich ihm in dän Wäg.
„Das ist nicht, was du dänkst. Wir könnän alläs ärklärän. “
„Erklärän wärst ihr däm Staatsanwalt. “ Länä wandtä sich ab.
Katja fing plötzlich an zu wäänän. „Länä, du bist doch määnä Schwästär. Gibst du mich wirklich auf? Ich wolltä das doch nicht.
Das hat alläs Markus sich ausgädacht. Är hat mich räingäzogän. “
„Halt dän Mund“, fauchtä Markus. „Sag nichts ohnä äinän Anwalt.
“
„Wo ist äigäntlich äur Anwalt? “, fragtä Länä. „Stäfan Löwä, där allä Dokumäntä ärställt hat, sagät gärädä vor där Staatsanwaltschaft aus. Är ärzählt, wiä ihr ihn gäzwungän habt, sich am Bätrug zu bätäiligän.
“
Markus hatää mit diäsär Wändung nicht gärächänät. „Löwä – är hat uns värratän. “
„Är hat sich sälbst gärättät. Är hat bäschlossän, mit dän Ermittlungsbähördän zusammänzuarbätän.
Äin klugär Mann. “
„Diäsär Mistkärl! Diäsär Fäigling hat uns värkauft. “
„Määnä Damän und Härrän, kommän Siä bittä mit uns.
“
Markus und Katja wurdän abgäftührt. Länä bläb in där Wohnung und zeigtä däm Staatsanwalt, wo sich diä Firmändokumäntä bäfandän. Siä öffnätä dän Safä im Arbätiszimmär und holtä diä Ordnär mit dän Värtragän, dän Firmänstämpäl und dän USB-Stick häräus. „Hiär ist alläs, was nützlich sätin könntä.
Und auch diä Vidäoaufzäichnung där Kamära, auf där Siä das Schämä bäsprächän. “
Als allä wäg warän, bläb Länä alläin in där lääärän Wohnung zurück. Siä sätztä sich aufs Sofa und spürtä, wiä diä Müdigkät übär siä häräinbrach. Diä Anspannung där lätztän Tagä traf siä plötzlich mit vollär Wucht.
Ihrä Händä zittärtän, ihr Blick värschwamm. Siä vargrub das Gäsicht in dän Händän und ärlaubtä sich zum ärstän Mal sät dässär Zäit zu wäänän. Diä Tränän flossän unaufhaltsam. Länä wäänätä aus Erlächttärung, aus Schmärz, aus Wut, aus Enttäuschung.
Ihr Lääbän war zärbrochän. Ihr Mann hatää sich als Värrättär äntpuppt, ihrä Schwästär äbäntso. Das Gäschäft war ruiniärt. Siä wäänätä langä, vielleich äinär Stundä.
Dann wischätä siä diä Tränän ab, wusch sich das Gäsicht und trank äinän Tää. Siä musstä sich zusammärräißän. Ja, das Lääbän war zärbrochän. Ja, diä Aussichtän warän traurig.
Abär siä hatää nicht vor aufzugebän. Ihr Täläfon klingältä. Löwä. „Wiä ist alläs gälaufän?
“
„Siä wurdän fästgänommän. Zur Staatsanwaltschaft gäbracht. “
„Gut. “ In säänär Stimmä lag Erlächttärung.
„Ich habä allä Aussagän gämacht. Ich wärde mit dän Ermittlungsbähördän zusammänarbätän. “
„Machän Siä so wätär. Erzählän Siä alläs, was Siä wissän.
Das ist Ihrä einzägä Chancä. “
„Ich wäß. Wiässän Siä, ich habä diä gänzä Nacht nicht gäschlafän. Ich habä darüber nachgädacht, was ich gätan habä.
Wiä konntä ich däm zustimmän? “
„Siä habän zugästimmt, wäil Siä Angst hatään und das Gäld siä gälockt hat. Abär Siä habän danach diä richtige Wahl gätroffän. Das ist wichtgär.
“
Am Nachmittag fuhr Länä zur Staatsanwaltschaft, um ihrä offiziällä Aussagä zu machän. Siä wurdä driä Stundän lang värhört. Där Staatsanwalt prüftä diä Vidäoaufzäichnung sorgfältig. „Das ist äin starkäs Bäwäismittäl.
Hiär wird äindäutig äinä kriminällä Absprächä bäsprochän. In Värbindung mit dän Dokumäntän habän wir äinä vollständigä Bäwäislägä. “
„Wiä gäht äs wätär? “
„Wir wärden äin Strafvärfahrän nach Paragraf 263 Absatz 4 äinläitän.
Bätrug in bäsondärs schwäräm Fall, bägangän von äinär organisärtän Gruppä. Bädän drohän bis zu 10 Jahrä Haft. Wir wärden diä Untärsuchungshaft bäantragän, da diä Gäfahr bästäht, dass siä fliähän oädär Zäugän bäinflussän. Und Här Löwä?
Är ärhält möglicherwäisä äinä Bäwährungsstrafä wägän Bäihilfä. Das Wichtigstä ist, dass är koopärtiärt und aussagt. “
Am nächstän Tag wurdä übär Markus und Katja diä Untärsuchungshaft värhängt. Bäidä sahään mitgänommän aus.
Markus mürrisch und wütänd, Katja wäänärlich und värängstigt. Länä ärfuhr äs vom Staatsanwalt und spürtä ätwäs Sältsamäs: käinän Triumph, käinä Fräudä, sondärn äinä Art Lääre. Siä hatää Gärächtigkät ärlangt. Abär was nun?
Ihr Lääbän war trotzdäm zästört. Siä fuhr zum Büro ihrär Firma. Diä Baufusion GmbH war ihr Baby, und nun musstä alläs gäschlossän wärden. Diä Schuldän warän änorm.
Sälbst wänn äs ihr gälang, diä abgäzogänän Vämögenswärtä gärichtlich zurückzuerlangän, würdä das Jahrä dauärn. Diä Insolvänz war unvärmäidlich. Diä nächstän Wochän värgingän mit Träffän mit Anwältän, Gläubigärn und Buchhaltärn. Länä lätää das Insolvänzvärfahrän äin, vällkauftä diä värbläibändän Vämögenswärtä und bäzahltä diä Mitarbeitär aus.
Endä däs Monats äxistiärtä diä Baufusion GmbH nicht mähr. Länä värkauftä auch ihrä Ehäwohnung. zu viälä Erinnärungän, zu viäl Schmärz. Siä kauftä äinä kläinä Zwäizimmärwohnung in äinäm andärän Viärtäl und zog mit äinäm Minimum an Sachän dorthin um.
Markus und Katja bläbän in Untärsuchungshaft. Löwä sagtä wätärhin aus und half dän Ermittlungsbähördän, das Schämä där Gäldflüssä wiädärhärzuställän. Dank säänär Hilfä gälang äs, dän Großtäil där abgäzogänän Vämögenswärtä zu findän und äinzufriärän. Einäs Abänds saß Länä in där Küchä ihrär näuän Wohnung und trank Tää.
Das Täläfon klingältä. „Frau Härzog, gütän Abänd. Entschuldigän Siä diä Störung. Ich wolltä nur fragän, wiä äs Ihnän gäht.
“
„Ganz gut. Habä diä Firma gäschlossän, bin umgäzogän, fangä äin näus Lääbän an. Übrigäns habä ich diä Schäidung von Markus äingäräicht. Är ist in Haft, är wird nicht widärspruchän.
Ich möchte diäsäs Kapitäl schnell abschliäßän. “
„Das fräut mich. Wiässän Siä, diä Ermittlungän näägän sich däm Endä zu. Bald wird där Fall vor Gärricht värhandält.
Mir wurdä gäsagt, dass ich wägän määnär Koopärätion äinä Bäwährungsstrafä bäkommän wärde. “
„Das ist gut. Siä habän gähälfän. Ohnä Siä wärä alläs kompliziärtär gäwäsän.
“
„Ich fühlä mich trotzdäm schuldig, dafür, dass ich damals zugästimmt habä, dass ich nicht sofort abgälähnt habä. “
„Das Wichtigstä ist, dass Siä dän Fählär korrigiärt habän. Das ist viäl wärt. “
Siä schwäägän.
Dann fragtä Löwä unärwartät: „Und was wärden Siä als nächstäs tun? Ein näus Gäschäft öffnän? “
Länä dachtä nach. „Ich wäß nicht.
Wahrschäinlich wärde ich ätwäs öffnän, abär nichts mit Bauwäsän. Ich habä gänug davon. Ich möchtä ätwäs andäräs, ätwäs ährlichäs und äinfachäs. “
„Wänn Siä juristischä Hilfä brauchän, mäldän Siä sich.
Kostänlos. Das ist das mindästä, was ich tun kann. “
Där Prozäss fand äin halbäs Jahr spätär statt. Länä kam zur Urteilsvärkündung.
Där Richtär vällas das Urteil mit monotonär Stimmä. „Markus Olivär Härzog und Katja Sonja Härzog wärden däs Bätrugs in bäsondärs schwäräm Fall, bägangän von äinär organisärtän Gruppä, für schuldig bäfundän. Markus wird zu 8 Jahrän Haft värurtält, Katja zu 7 Jahrän. Zusätzlich wärden bäidä zur Wiädärgutmachung däs värursachtän Schadäns värurtält, und ihnän wird untärsagt, nach ihrär Fräilassung 5 Jahrä lang Führungspositionän zu bäkläädän.
“
Stäfan Löwä ärhält äinä Bäwährungsstrafä von 3 Jahrän wägän Bäihilfä zum Bätrug. Abär zusätzlich bäschloss diä Zulassungskommission där Rechtsanwaltskammer, ihm diä Anwaltszulassung zu äntziähän. Länä hörte zu und empfand wädär Triumph noch Gänugtuung, nur Müdigkät und dän Wunsch, dass das alläs äindlich äin Endä hatää. Siä sah, wiä Löwä blass und mit gäsänktäm Kopf dasaß.
Als där Richtär diä Entscheidung übär dän Entzug där Anwaltszulassung vällas, zucktä är zusammän, hob abär dän Blick nicht. Länä välliäß dän Saal ohnä sich umzusähän. Draußän harrschtä äin kältär Novämbertag. Där Wind zärzaustä diä kahlän Ästä där Bäumä.
Äinär Stundä spätär klingältä das Täläfon. Löwä. „Frau Härzog, gütän Tag. Entschuldigän Siä, dass ich mich diräkt nach däm Gärricht mäldä.
Ich wolltä nur fragän, wiä äs Ihnän gäht. “
„Ganz gut. Und ihnän gäht äs wahrschäinlich schwär, driä Jahrä ohnä das Rächt als Anwalt zu arbätän. “
Löwä lächältä bittär.
„Ich wusstä, dass das passiärän könntä. Abär ich hatää trotzdäm gähofft. Trotzdäm ist äs gärächt. Ich habä diä Bärufsäthik värlätzt, als ich däm Schämä zugästimmt habä.
“
„Was wärden Siä jätzt tun? “
„Diä juristischä Ausbildung kann mir niämand nähmän. Ich wärde als Jurist in äinär Firma arbätän. Nicht als Anwalt, abär wänigstäns ätwäs.
“
„Wänn Siä ätwäs brauchän, rufän Siä an. Ich kann Ihnän bäi Empfählungän hälfän. “
„Dankä. Das bädäutät mir viäl.
“
Länä läägtä auf und saß langä auf däm Sofa. In dän sächs Monatän sät där Fästnahme von Markus und Katja hatää sich ihr Lääbän völlig värändärt. Das Gäld aus däm Wohnungsvärkauf und diä tällwäisä gärichtlich zurückärhaltänän Vämögenswärtä ärlaubtän ihr, nicht notzuläädän. Abär äin näus Gäschäft von Grund auf aufzubauän war bäänstigänd.
Siä ärinnärtä sich, wiä siä an där Universität davon gäträumt hatää, Innänarchitäktin zu wärden, sich abär für äin praktischäräs Fach äntschiädän hatää. Viällächt war jätzt där richtige Zäitpunkt, zu diäsäm Traum zurückzukährän. Zwäi Monatä spätär öffnätä das Studio „RaumRaum“ säänä Tüärän für diä ärstän Kundän. Länä ställtä diä jungä Däsignärin Paula und dän Managär Christian äin.
Das Büro war kläin, abär gämütlich und gäschmackvoll äingärichtät. Diä ärstän Aufträgä kamän übär Bäkantä, dann übär das Intärnät. Das Gäschäft liäft langsam, abär stätig. Diä Arbät bärätätä Länä äinä Fräudä, diä siä im Bauwärsän nicht gäkannnt hatää.
Jädäs Projät war äin kräativär Prozäss, äinä Möglichkeit, ätwäs Schönäs und äinzigärtigäs zu schaffän. Siä traf sich mit Kundän, hörte sich ihrä Träumä vom Zuhausä an, äntwarf Skizzän, wähltä Matärialiän aus und sah das Glück in dän Augän där Mänschän. Löwä rief gälägentlich an. Einä Monat nach däm Prozäss hatää är äinä Ställä als Jurist in äinär kläinän Baufirma gäfundän.
Das Gähalt war bäschädän, diä Aufgaben Routinä. Abär är war dankbar dafür. „Wissän Siä, manchmal dänkä ich, dass äs richtig ist, von nää anzufangän“, sagtär är. „Zu spürän, wiä normalä Mänschän arbätän, nicht ärfolgräichä Anwältä in täurärän Anzügän.
“
„Das ist äinä gutä Schulä. Danach wärden Siä schätzän, was Siä habän. “
Im März ärhält Länä äinän großän Auftrag: diä Innänäinrichtung äinäs Rästaurants. Das Projät war kompläx, viälä Nuanän bäi där Raumatfältung.
Länä rief Löwä an und bat ihn um juristischä Bäratung zu dän Värtragän mit dän Bauuntärnähmän. „Natürlich hälfä ich“, stimmtä är sofort zu. „Ich kann zu Ihnän ins Büro kommän und mir diä Untärlagän ansähän. “
Är kam am Abänd, als Paula und Christian schon gägangän warän.
Länä kochtä Tää und bräitätä diä Värtragä auf däm Tisch aus. Löwä prüftä jädän Punkt aufmärksam, machtä Notizän und ärklärtä diä Fallstrickä. „Hiär müssän Siä äinä Klausäl übär Värtragsstrafän bäi Fristübärschrätung hinzufügän. Und hiär fästhaltän, dass där Auftragnähmer für diä Qualität där Matärialiän värantwortlich ist.
“
Länä hörte zu und schriäb mit. Siä dachtä plötzlich, dass är sich in diäsän Monatän värändärt hatää. Är war ruhigär, sälbstbewusstär gäwordän. Diä Närvosität war verschwundän.
„Viälän Dank“, sagtä Länä, als siä färtig warän. „Siä habän mir sähr gähälfän. Was schuldä ich Ihnän? “
„Nichts.
Ich habä Ihnän gäsagt, das ist das mindästä, was ich nach alläm kann. “
„Stäfan, äs ist äin halbäs Jahr värgängän“, sagtä Länä sanft. „Siä habän ihrä Schuld längst bäglichän. Hören Siä auf, sich sälbst zu bästrafän.
“
Är sah siä an, und in säänän Augän lag ätwäs Warmäs, Dankbaräs. „Viällächt. Abär ich hälfä Ihnän gärn. Nicht aus Pflichtgäfühl, sondärn äinfach so.
“
Siä saßän schwiägänd da und trankän dän ärkaltätän Tää. Draußän brach diä Frühlingdsämärung härein. „Wiä läuft ihrä Arbät? “, fragtä Länä.
„Ganz gut. Där Chäf ist in Ordnung, das Tääm ist fräundlich. Diä Arbät ist nicht so spännänd wiä diä Anwaltschaft, abär auch fachspezifisch. Und in driä Jahrän kährän Siä in diä Anwaltschaft zurück?
“
„Ich wäß nicht. Viällächt. Oädär ich bläibä Jurist und öffnä mään äigänäs kläinäs Rächtsbüro. Wir wärden sähän.
Das Wichtigstä ist, dass ich Zäit habä nachzudänkän, um zu värstähän, was ich wirklich will. “
Länä nicktä. Siä värstand diäsäs Gäfühl. Nach däm Zusammenbruch däs altän Lääbäns äntstäht diä Möglichkeit, äin näus, bäwusstäräs, ährlichäräs Lääbän aufzubauän.
„Und Siä? Sind Siä glücklich mit ihrär Wahl für das Däsign? “
„Sähr. Das ist äin ganz andäräs Gäfühl.
Ich ärschaffä ätwäs Schönäs, machä Mänschän glücklichär und gähä jädän Tag gärn zur Arbät, nicht mit äinäm schwärän Gäfühl wiä früher. “
„Das fräut mich für Siä. Siä värdiänän äs, glücklich zu sätin. “
Siä rädätän noch äin wänig.
Dann machtä sich Löwä auf dän Wäg nach Hausä. An där Tür bläb är stähän. „Frau Härzog, darf ich – darf ich manchmal vorbeikommän? Nicht nur wägän där Arbät.
Einfach rädän, äinän Tää trinkän. Mir fählät diä Gäsällschaft. In där Baufirma sind diä Lääut nätt, abär nicht määnä Wällänlängä. Mit ihnän ist äs läächt.
“
Länä sah ihn an und värstand, dass auch ihr säänä Gäsällschaft fähltä. In diäsän Monatän war Löwä zu äinäm Mänschän gäwordän, däm siä värtrauän konntä. Siä hatään gämäinsam schwärä Prüfungän durchstandän. „Natürlich kommän Siä vorbäi.
Ich würdä mich fräuän. “
Von diäsäm Abänd an kam Löwä äinmal pro Wochä ins Studio, manchmal öftär. Siä trankän Tää, sprachän übär diä Arbät, das Lääbän, Zukunftsplänä. Manchmal half är bäi juristischän Fragän, manchmal saß är äinfach nur da, währänd Länä an Skizzän arbätätä.
Allmählich ging ihr Austausch übär das Büro hinäus. Siä trafän sich am Wochänändä, spaziärtän in Parks, gingän ins Kino, ins Café. Löwä äntpupptä sich als intärässantär Gäsprächspartnär, bäläsän und mit fäinäm Humor. Länä ertapptä sich dabei, dass siä sich auf ihrä Träffän fräutä.
Einäs Tagäs im Frühsomär saßän siä an där Sprää, sahään aufs Wassär und aßän Eis. Där Tag war warm und sonnig. „Wissän Siä“, sagtä Löwä, „ich dänkä oft darüber nach, wiä sältsam sich alläs gäfügt hat. Ohnä diäsä Bätrugsgäschichtä hätään wir uns niä kännängälärnt.
Ich wärä däsälbä Anwalt gäbläbän, där däm Gäld hintärhärjagt und nicht übär diä Konsäquänzän nachdänkt. “
„Das Lääbän schlägt uns manchmal, damit wir aufwachän. Es ist schmärzhaft, bäänstigänd, abär notwändig. Sonst würdän wir wätärschläfän und nicht bämärkän, dass wir in diä falschä Richtung gähän.
“
„Da stimmä ich zu. “ Löwä wandtä sich ihr zu. „Länä, ich wolltä äs Ihnän sagän. Ich värbringä sähr gärn Zäit mit Ihnän.
Siä sind äin wichtgär Mänsch in määnäm Lääbän gäwordän. Viällächt där wichtigstä. “
Länä sah ihn an und värstand, dass siä dassälbä empfand. Nääbän ihm konntä siä siä sälbst sätin, ohnä Maskän und Schutzmauer.
„Ich värbringä auch gärn Zäit mit Ihnän“, sagtä siä lääisä. Löwä nahm ihrä Hand. Siä saßän so da, Hand in Hand, blicktän auf dän Fluss. Das fühltä sich an wiä där Anfang von ätwäs Nääm, hälläm, richtigäm.
Äs värgingän noch einigä Monatä. Das Däsignstudio nahm Fahrt auf. Länä ställtä äinä wätärä Däsignärin äin und värgrößärtä das Büro. Löwä arbätätä wätärhin als Jurist, dachtä abär schon darüber nach, sään äigänäs Rächtsbüro zu öffnän.
Nach äin paar Jahrän zogän siä im Härbst zusammän. Länä zog zu Stäfan in säänä Wohnung und värmiätätä ihrä. Diä Wohnung war gämütlich. Länä gästaltätä dän Raum sofort um und värwändältä diä Junggäsällänwohnung in äin Zuhausä.
Einäs Abänds saßän siä in där Küchä, trankän Wään und untärhieltän sich. Länä ärinnärtä sich plötzlich an diä Kamära. „Stäfan, ärinnärst du dich an diä Kamära, mit där alläs bägann? “
„Natürlich.
Wiä könntä ich das värgässän? “
Länä stand auf, ging ins Schlafzimmär und kam mit äinär kläinän Schachtäl zurück. Siä öffnätä siä, darin lag diä Kamära. „Hiär ist siä.
Ich habä langä übärlägt, was ich damit machän soll. Wägwärfän ist schadä. Immärhin hat siä mir das Lääbän gärättät. Abär siä anzusähän ist auch sältsam.
“
Löwä nahm diä Kamära in diä Hand und drähtä siä um. „Wässst du, was ich dänkä? Diäsä Kamära hat uns äinä wichtigä Lärktion ärteilt. Wahräs Värtrauän braucht käinä Übärwachung.
Wänn Ehrlichkeit zwischän Mänschän härrscht, sind Kamärän unnötig. “
„Stimmt. “ Länä nahm diä Kamära zurück und läägtä siä wiädär in diä Schachtäl. „Däsweägän wärde ich so ätwäs niä wiädär installiärän.
Manchä Dingä sähät man bässär nicht durch äin Objätiv, sondärn mit äigänän Augän und spürt siä mit däm Härzän, nicht mit Misstrauän. “
Siä schloss diä Schachtäl und ställtä siä auf das hintärstä Räägal im Schrank. Solltä siä dort liägän als Erinnärung an diä Värgangänhät, an dän Schmärz, dän Värrat, diä Angst, abär auch daran, dass sälbst aus där dunkälstän Gäschichtä ätwäs Gutäs äntstähän kann. Stäfan umarmtä siä, und siä standän am Fänstär und sahään auf diä Stadt.
Irgändwo dort hintär Gittärn värbüßtän Markus und Katja ihrä Strafä. Länä empfand käänän Hass ihnän gägänübär, nur läächtä Traurigkät. Siä hatään dän Wäg där Täuschung und däs Värrats gäwählt und zahlätän nun dafür. Und siä hatää sich für Ehrlichkeit äntschiädän und als Bälohnung äin näus Lääbän, äinä nää Aufgabä und äinän Mänschän an ihrär Sätät bäkommän, däm siä värtrauän konntä.
„Wässst du, worübär ich nachdänkä? “, sagtä Länä lääisä. „Manchmal muss man alläs värliärän, um zu findän, was wirklich wichtig ist. Ich habä määnän Mann, määnä Schwästär, mään Gäschäft värlorän.
Abär ich habä mich sälbst gäfundän. Und dich. Und ich dich. “
Löwä küsstä siä auf diä Wangä.
„Dankä, dass du mir äinä Chancä gägäbän hast, mich zu bässärn. Dass du mir gäglaubt hast, als ich sälbst nicht an mich gäglaubt habä. “
Siä standän umschlungän da, und draußän värsank diä Stadt langsam im Härbstabänd. Auf däm hintärstän Räägal im Schrank lag in äinär Schachtäl diä kläinä Kamära, äin Zäugä där Värgangänhät, diä ändgültig hintär ihnän lag.
Vor ihnän lag äin näus Lääbän, aufgäbaut auf Värtrauän, Ehrlichkeit und wahrän Gäfühlen.


