**Der Blaubart von Paris: Henri Désiré Landru – Wie ein Heiratsschwindler zu einem der grausamsten Serienmördern Frankreichs wurde**
Mitten im Ersten Weltkrieg, als Frankreich im Chaos versank und unzählige Männer an der Front starben, trieb in Paris ein Serienmörder sein Unwesen. Henri Désiré Landru, geboren 1869 als Sohn eines Heizers und einer Näherin, nutzte die Not einsamer Witwen systematisch aus. Der scheinbar seriöse Familienvater lockte über Heiratsannoncen Frauen in abgelegene Villen, ermordete sie, verbrannte ihre Leichen im Ofen und bereicherte sich an ihrem Vermögen. Offiziell wurden ihm elf Morde nachgewiesen – zehn Frauen und ein Junge –, doch die wahre Zahl seiner Opfer liegt vermutlich deutlich höher.

Landru war kein impulsiver Täter. Nach mehreren Betrugsstrafen und Haftstrafen perfektionierte er seine Methode. Er gab sich in Zeitungsanzeigen als wohlhabender Witwer aus, versprach Ehe und Sicherheit. Die Frauen, oft mittleren Alters und durch den Krieg alleinstehend, vertrauten ihm. Er mietete Villen in ländlichen Gegenden wie Vernouillet und Gambais, kaufte nur für sich eine Rückfahrkarte und lockte die Opfer dorthin. Nach der Tat verkaufte er ihre Möbel, hob ihr Geld ab und fälschte Vollmachten. Akribisch notierte er jede Ausgabe, jeden Kontakt und das Vermögen seiner Opfer. „Keine Leiche, kein Verbrechen“ lautete sein Kalkül.

Zu seinen Opfern gehörten unter anderem die Schneiderin Jeanne Cuchet mit ihrem 17-jährigen Sohn André, die Hotelbesitzerin Thérèse Laborde, die Hausangestellte Marie-Angélique Guillin und die Putzfrau Berthe-Anna Héon. Viele verschwanden spurlos, während beißender Rauch aus Landrus Schornstein aufstieg und Nachbarn von verbranntem Fleisch sprachen. Die Polizei blieb lange untätig – zum einen wegen der Kriegszeit, zum anderen, weil die Opfer „nur“ Frauen waren und ihre Aussagen oder Vermisstenanzeigen nicht ernst genommen wurden.
Erst die beharrliche Suche zweier weiblicher Angehöriger – Marie Lacoste und Victorine Pell – brachte den Durchbruch. Am 12. April 1919 wurde Landru in seiner Pariser Wohnung verhaftet. Bei Durchsuchungen fand man Knochenfragmente, Zähne, menschliche Überreste und detaillierte Aufzeichnungen über 283 Kontaktfrauen. Im Prozess 1921 in Versailles blieb Landru kühl und charmant. Er bestritt die Morde, spottete über die „dummen und naiven“ Frauen und genoss die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Der Saal war täglich überfüllt, Sonderzüge brachten Schaulustige.
Trotz fehlender vollständiger Leichen wurde er am 30. November 1921 zum Tode verurteilt. Am 25. Februar 1922 starb er unter der Guillotine in Versailles. Bis zuletzt beteuerte er seine Unschuld. Seine Ehefrau Marie-Catherine blieb ihm trotz allem verbunden. Landrus Villa in Gambais wurde zeitweise sogar zu einem Restaurant mit makabrem Thema.
Der Fall des „Blaubart von Gambais“ erschütterte Frankreich. Er zeigt die Verletzlichkeit von Frauen in Krisenzeiten und das Versagen von Behörden. Bis heute bleibt unklar, wie viele Leben Landru wirklich zerstörte. Sein kalkuliertes, eiskaltes Vorgehen und die Verachtung für seine Opfer machen ihn zu einer der düstersten Figuren der französischen Kriminalgeschichte. Ein Mann, der aus der Not der Kriegszeit Profit schlug – und dafür mit dem Leben bezahlte. (ca. 505 Wörter)


