London – Sie galt als die Schönste ihrer berühmten Familie, als eine Frau, die in den glitzernden Salons der britischen Aristokratie zu Hause war. Doch Diana Mosley, geborene Mitford, führte ein Doppelleben, das sie tief in die Abgründe des Nationalsozialismus führte. Während ihr Ehemann Oswald Mosley als Führer der British Union of Fascists bekannt wurde, zeichnen historische Dokumente und Zeitzeugenberichte das Bild einer Frau, deren ideologische Verblendung und persönliche Nähe zu Adolf Hitler die ihres Mannes womöglich noch übertraf.
Ihr Leben ist eine Chronik der Verführung, der moralischen Katastrophe und der unbeirrbaren Reuelosigkeit.
Diana Freeman-Mitford wurde am 17. Juni 1910 in London geboren. Sie entstammte einer Familie, die wie keine andere für Exzentrik und Extreme stand.
Ihre Schwestern Nancy wurde eine berühmte Schriftstellerin, Jessica bekannte sich zum Kommunismus, Unity entwickelte eine fanatische Hitler-Verehrung, die sie 1939 nach Kriegsausbruch zu einem Selbstmordversuch in einem Münchner Park trieb. Deborah heiratete später den Herzog von Devonshire. In diesem Kosmos aus Landsitzen, Londoner Gesellschaftssaison und der Überzeugung, dass Schönheit und Herkunft das Leben bestimmten, wuchs Diana auf.
Sie galt als das schönste der Geschwister, von Zeitgenossen mit Botticellis Venus verglichen.
1929 heiratete sie den Brauerei-Erben Brian Guinness. Die Ehe, aus der zwei Söhne hervorgingen, schien perfekt. Doch Diana langweilte sich.
Sie wollte mehr als das stille Familienleben, das ihr Mann bevorzugte. Im Februar 1932 begegnete sie auf einer Gartenparty Sir Oswald Mosley, dem charismatischen Gründer der British Union of Fascists. Es war der Beginn einer verhängnisvollen Verbindung.
Diana verließ ihren Ehemann, ließ sich scheiden und wartete auf Mosley, der zunächst zögerte, seine Ehe aufzugeben. Erst nach dem überraschenden Tod seiner Frau Cynthia im Jahr 1933 und einer Affäre mit deren Schwester band er sich schließlich an Diana.
Im Juni 1933 reiste Diana mit ihrer Schwester Unity nach Deutschland, um den ersten Reichsparteitag der NSDAP nach Hitlers Machtübernahme zu erleben. Was sie dort sah, beeindruckte sie tief. Die Inszenierung der Massen, die Fackelzüge, die Sprechchöre – alles war darauf ausgelegt, die Sinne zu überwältigen.
Diana behauptete später, Neugier habe sie getrieben. Doch die Faszination war offensichtlich. Über ihre Schwester Unity, die Zugang zu Hitlers persönlichem Umfeld erhalten hatte, lernte Diana im März 1935 den Diktator persönlich kennen.
Von da an gehörte sie zum inneren Kreis des NS-Regimes. Hitler stellte ihr bei den Olympischen Spielen 1936 einen Mercedes-Benz zur Verfügung. Sie freundete sich eng mit Magda Goebbels, der Ehefrau des Propagandaministers, sowie mit Winifred Wagner an.
Diana beschränkte sich nicht auf gesellschaftliche Kontakte. Sie arbeitete aktiv daran, die chronischen Geldprobleme der faschistischen Bewegung ihres Geliebten zu lösen. Sie verhandelte mit NS-Funktionären über die Genehmigung, kommerzielle Radiosendungen von deutschem Boden nach Großbritannien auszustrahlen.
Propagandaminister Joseph Goebbels lehnte den Plan zwar ab, doch der Vorgang zeigt, wie tief Diana bereits in die Strukturen des Regimes eingebunden war. Bei einer Kundgebung im Londoner Hyde Park im Oktober 1935 zeigte sie öffentlich den Hitlergruß, während die Menge die Nationalhymne sang.
Die Hochzeit mit Oswald Mosley fand am 6. Oktober 1936 statt – im Salon von Joseph Goebbels in Berlin. Adolf Hitler war Trauzeuge.
Die Ehe blieb über ein Jahr geheim, um Mosleys politische Position nicht zu gefährden und die ungewöhnliche Location der Trauung zu verschleiern. 1938 kam ihr gemeinsamer Sohn Alexander zur Welt. Im August 1939 erklärte Hitler Diana bei einem Mittagessen, ein Krieg zwischen Deutschland und Großbritannien sei nun unvermeidlich.
Wenige Wochen später begann der Zweite Weltkrieg.
Die Mosleys gerieten unter massiven Druck. Am 23. Mai 1940 wurde Oswald Mosley verhaftet, am 29.
Juni 1940, nur elf Wochen nach der Geburt ihres Sohnes Max, auch Diana. Man brachte sie in den F-Block des Frauengefängnisses Holloway in London. Weder gegen sie noch gegen ihren Mann wurde Anklage erhoben.
Der britische Inlandsgeheimdienst MI5 bezeichnete Diana Mosley intern als eine Gefahr für die Öffentlichkeit in einer Zeit nationaler Krise. Selbst ihre eigenen Schwestern Nancy und Jessica, die Kommunistin geworden war, sprachen sich für ihre weitere Inhaftierung aus. Nur ihre Schwester Deborah und ihr ältester Sohn Jonathan aus erster Ehe glaubten an ihre Ungefährlichkeit.
Nach einer persönlichen Intervention Winston Churchills, der Diana seit Jahren kannte und sie liebevoll „Dynamite“ nannte, durften die Eheleute ab Dezember 1941 gemeinsam ein Haus auf dem Gefängnisgelände bewohnen. Im November 1943 wurden sie wegen Mosleys schlechter Gesundheit entlassen, was heftige Proteste in Presse und Parlament auslöste. Bis Kriegsende standen sie unter Hausarrest.
Diana Mosley verließ das Gefängnis 1943 mit ungebrochener Überzeugung. Weder die militärische Niederlage noch die Enthüllungen über die Verbrechen des NS-Regimes erschütterten ihren Glauben an den Faschismus. Nach dem Krieg waren die Mosleys in der britischen Gesellschaft praktisch unerwünscht.
Sie zogen nach Frankreich, in das Anwesen Le Temple de la Gloire südlich von Paris. Ihr Haus wurde zum Treffpunkt alter Weggefährten und neuer Bewunderer, darunter der Herzog und die Herzogin von Windsor, der ehemalige König Edward VIII. und seine Frau Wallis Simpson.
Oswald Mosley versuchte mit seiner Union Movement politisch Fuß zu fassen. Diana blieb ebenfalls aktiv. Sie gründete mit ihrem Mann den Verlag Eupian Books und gab sechs Jahre lang die faschistische Kulturzeitschrift „The European“ heraus.
Daneben schrieb sie Kolumnen für das Magazin „Tatler“ und veröffentlichte Memoiren und Biografien, in denen sie auch NS-Größen wie Magda Goebbels mit Sympathie behandelte.
1989 sorgte Diana Mosley für einen der größten Skandale in der Geschichte der BBC-Radiosendung „Desert Island Discs“. Sie stellte in Frage, ob Hitler vom Holocaust gewusst habe, und bezweifelte die Zahl von sechs Millionen ermordeten Juden. Ihre Freundschaft mit Hitler beschrieb sie als etwas, das bereits vor den Massmorden bestanden habe.
Hunderte Beschwerden gingen bei der BBC ein. 2016 bezeichnete ein BBC-Autor die Sendung als die kontroverseste Ausgabe, die jemals ausgestrahlt worden sei. In einem Interview mit dem „Guardian“ im Jahr 2000 schlug sie vor, europäische Juden hätten in Uganda angesiedelt werden können.
Das Land sei sehr leer und biete wunderbares Klima.
Ein Vorfall deutet sogar darauf hin, dass Diana Mosleys Ansichten noch radikaler gewesen sein könnten als die ihres Mannes. Der Journalist Paul Callan, der Mosley interviewte, berichtete, Diana sei sichtlich erschüttert gewesen, als sich herausstellte, dass ein anwesender Reporter Jude war. Sie sei kreidebleich geworden, habe einen Fingernagel abgebrochen und den Raum verlassen.
Später schrieb sie an einen Freund, Juden seien eine sehr kluge Rasse, die in allen Formen und Größen auftrete. Sie fand keinen Grund, diese Haltung zu bereuen. Diana Mosley starb am 11.
August 2003 in Paris an den Folgen eines Schlaganfalls. Sie wurde 93 Jahre alt. Beigesetzt wurde sie in Swinbrook in der Grafschaft Oxfordshire, neben ihren Schwestern Unity und Nancy.
Kaum eine Frau ihrer Generation erhielt so viele Privilegien: Schönheit, Intelligenz, Wohlstand und Freiheit. Doch sie entschied sich dafür, eine Bewegung zu unterstützen, die Millionen Menschen ermordete. Bis zuletzt fand sie keinen Grund, diese Entscheidung zu bereuen.