Die Hinrichtung von Amon Goeth – Extrem sadistischer Nazi-Kommandant im KZ Płaszów

Die Hinrichtung von Amon Goeth - Extrem sadistischer Nazi-Kommandant im KZ Płaszów

KRAKAU, 13. September 1946 – Der Mann, der im besetzten Polen als „Schlächter von Płaszów“ Tausende in den Tod trieb, ist heute Morgen im Gefängnis Montelupich gehängt worden. Amon Leopold Göth, einst Kommandant des Konzentrationslagers Krakau-Płaszów, starb auf dem Galgen, nur wenige Kilometer von dem Ort entfernt, an dem er zwischen 1943 und 1944 ein Terrorregime errichtet hatte, das selbst unter den abgebrühtesten SS-Offizieren seinesgleichen suchte.

Seine letzten Worte waren ein trotziges „Heil Hitler“.

Die Hinrichtung verzögerte sich um fast eine Stunde, weil der vorbereitete Strick für den 1,90 Meter großen Österreicher zu kurz war. Henker mussten das Seil zweimal kürzen, bevor der dritte Versuch gelang. Um 9 Uhr morgens war der Tod des 37-Jährigen offiziell bestätigt.

Seine Leiche wurde anschließend eingeäschert, die Asche in die Weichsel gestreut – ein Ende ohne jede Würde für einen Mann, der seinen Opfern jede Menschlichkeit verweigerte.

Göth, geboren am 11. Dezember 1908 in Wien als einziges Kind katholischer Buchhändler, war bereits 1930 der NSDAP beigetreten und galt als „Alter Kämpfer“. Nach dem gescheiterten Putschversuch in Österreich 1934 floh er nach Deutschland, wo er sich der SS anschloss.

Im Februar 1943 übernahm er den Bau und das Kommando über das Lager Płaszów, das auf den Ruinen zweier jüdischer Friedhöfe errichtet wurde. In seiner Antrittsrede soll er den Häftlingen zugerufen haben: „Ich bin euer Gott. “

Die Beweise, die vor dem Obersten Nationaltribunal Polens in Krakau zwischen dem 27. August und dem 5. September präsentiert wurden, zeichnen das Bild eines Sadisten, dessen Grausamkeit keine Grenzen kannte.

Göth erschoss Häftlinge willkürlich von seinem Balkon aus, nur weil sie sich zu langsam bewegten oder ihm ein falscher Blick missfiel. Er hetzte seine Hunde Rolf und Ralf auf Gefangene, die darauf abgerichtet waren, Menschen zu zerfleischen. Eine Frau, die eine angebliche Kartoffel stahl, wurde von ihm in einen Kessel mit kochendem Wasser geworfen.

Zeugen berichteten vor Gericht, dass Göth täglich tötete. Ein vergessenes Grüßen, eine zu heiße Suppe, ein zu kleines Schuhpaar – alles konnte den Tod bedeuten. Er vergewaltigte jüdische Frauen, obwohl das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes“ solche Beziehungen unter Todesstrafe stellte.

In seiner Villa, die er sich mit gestohlenem jüdischen Eigentum ausstattete, feierte er Orgien und Saufgelage, während draußen die Menschen in den Baracken vor Hunger und Kälte starben.

Das Gericht sprach ihn in allen fünf Anklagepunkten schuldig: Verantwortung für den Tod von rund 8. 000 Menschen im Lager, Mitschuld am Tod von etwa 2. 000 Menschen bei der Liquidierung des Krakauer Ghettos, Anordnung der Deportation von rund 8.

000 Menschen aus dem Ghetto Tarnów, Anordnung von Morden und Deportationen bei der Auflösung des Lagers Szebnie sowie die widerrechtliche Aneignung jüdischer Vermögenswerte in Millionenhöhe. Göth, der während des Verfahrens demonstrativ seine Fingernägel polierte, bestritt alle Vorwürfe und berief sich darauf, nur Befehle ausgeführt zu haben.

Die Anklage warf ihm vor, bei der Räumung des Ghettos von Tarnów im September 1943 persönlich mindestens 40 Frauen und Kinder erschossen zu haben. Insgesamt werden ihm mindestens 500 Morde durch eigene Hand zugeschrieben, die tatsächliche Zahl seiner Opfer dürfte jedoch weit höher liegen. Selbst seine SS-Kameraden fürchteten ihn, da er auch Untergebene wegen geringster Vergehen vor SS-Gerichte stellte und brutal misshandelte.

Sein Fall kam erst ins Rollen, als die SS entdeckte, dass Göth das Reich bestohlen hatte. Er hatte Wertgegenstände, Diamanten, Devisen, Gemälde und Möbel im Wert von mehreren Millionen Reichsmark unterschlagen – Eigentum, das den ermordeten Juden geraubt worden war und nach Nazi-Doktrin dem Reich zustand. Im September 1944 wurde er verhaftet, aber das Kriegsende verhinderte ein SS-internes Verfahren.

Im Mai 1945 wurde er von US-Soldaten in einem Lazarett in Bad Tölz gefasst und später an Polen ausgeliefert.

Die heutige Hinrichtung markiert das Ende eines Kapitels, das die Welt an den Abgrund menschlicher Barbarei geführt hat. Überlebende von Płaszów, die in den vergangenen Wochen vor Gericht ausgesagt hatten, zeigten sich erleichtert. Helen Jonas-Rosenzweig, eine ehemalige Hausangestellte in Göths Villa, sagte nach dem Urteil: „Wenn wir ihn nur von weitem sahen, versteckten sich alle.

Die Angst, die er verbreitete, ist unvorstellbar. Heute ist Gerechtigkeit geschehen. “

Das Lager Płaszów, das zeitweise über 20. 000 Häftlinge beherbergte, wurde im Januar 1945 angesichts der heranrückenden Roten Armee aufgelöst. Die meisten Insassen wurden in Todesmärsche geschickt oder nach Auschwitz deportiert.

Göth, der sich selbst als „Gott“ über Leben und Tod wähnte, ist nun nur noch eine Fußnote der Geschichte – ein Symbol für die absolute Perversion von Macht und die Konsequenzen, die folgen, wenn ein Mensch ohne Moral über andere herrscht.

Die polnischen Behörden haben angekündigt, dass die Akte Göth für immer geschlossen bleibt, aber die Erinnerung an seine Opfer wachgehalten wird. Auf dem Gelände des ehemaligen Lagers in Krakau, wo heute ein Denkmal an die Ermordeten erinnert, legten heute Morgen Anwohner Blumen nieder. Für Amon Göth wurden keine Tränen vergossen – nur Stille und die Genugtuung, dass ein Kapitel der Schande endlich abgeschlossen ist.