Die Bank rief an: „Ihre Eltern haben Ihr Haus beliehen“ – ohne Ihre Erlaubnis

Die Bank rief an: „Ihre Eltern haben Ihr Haus beliehen“ – ohne Ihre Erlaubnis

Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen eine Mutter und ihre Tochter eingeleitet, nachdem eine 37-jährige Innenarchitektin aus Nordrhein-Westfalen Anzeige erstattet hatte. Der Vorwurf: Urkundenfälschung und versuchter Betrug in einem besonders schweren Fall. Im Zentrum steht ein koloniales Einfamilienhaus mit umlaufender Veranda, das die Ehefrau nach eigenen Angaben fast vollständig aus eigenen Mitteln finanziert hatte.

Die Frau, die bislang nur unter dem Namen Joselin Kellerwei an die Öffentlichkeit tritt, hatte ihren Ehemann vor rund zweieinhalb Jahren nach einem brutalen Familienessen verlassen. Was zunächst wie ein privater Ehestreit wirkte, entpuppt sich nun als monatelanger Betrugsversuch mit weitreichenden strafrechtlichen Konsequenzen. Die Ermittlungen der Abteilung für Finanzkriminalität laufen seit über einem Jahr.

Nach Angaben der Anwältin der Geschädigten hatte die Schwiegermutter der Frau, eine 68-jährige Rentnerin aus demselben Landkreis, versucht, einen 10-prozentigen Eigentumsanteil an dem Haus auf ihren eigenen Namen zu übertragen. Ein notariell beglaubigtes Schnellübertragungsformular, das vor 18 Monaten datiert war, trug eine Unterschrift, die die Innenarchitektin entschieden bestreitet.

Ein forensischer Dokumentenexperte bestätigte der Staatsanwaltschaft mittlerweile, dass es sich um eine Fälschung handelt. Die Druckmuster und Abhebungen des Stifts stimmten nicht mit der echten Unterschrift der Frau überein, die beim Hypothekenkreditgeber hinterlegt war. Das Grundbuchamt des Kreises hatte die Übertragung bereits vor Wochen als verdächtig markiert und stillschweigend zurückgestellt.

Der Fall begann an einem Samstag im Frühherbst vor knapp drei Jahren. Es war der elfte Hochzeitstag der Familie. Die Innenarchitektin hatte drei Tage lang gekocht, den Tisch gedeckt und frische Blumen aus dem Garten ihrer Mutter gepflückt.

Dann, während des Essens, schlug ihre Schwägerin ihr vor den Augen der Kinder ins Gesicht.

Du vergisst deinen Platz in dieser Familie, habe die Schwägerin gefaucht, wie aus dem Transkript eines Telefonats hervorgeht, das die Ermittler kürzlich sichergestellt haben. Der Ehemann, ein Architekt, habe zugesehen und kein Wort gesagt. Die Frau schlug zurück, verließ das Haus mit ihren beiden Kindern und reichte elf Tage später die Scheidung ein.

Erst im Zuge der Vermögensaufstellung für das Scheidungsverfahren entdeckte der Anwalt der Frau, Barnabi Keule, die Unregelmäßigkeiten. Über einen Zeitraum von vier Jahren waren mehr als 60. 000 Euro in kleinen, unregelmäßigen Überweisungen von einem gemeinsamen Haushaltskonto abgeflossen.

Das Geld landete auf dem Konto der Schwägerin.

Die Überweisungen waren als Darlehen deklariert, wurden aber nie zurückgezahlt. Der Ehemann hatte die Buchungen über ein Konto abgewickelt, das fast ausschließlich aus dem Einkommen seiner Frau gespeist worden war. Die Innenarchitektin war zu diesem Zeitpunkt beruflich viel unterwegs und hatte ihm die tägliche Bankarbeit überlassen.

Die Schwägerin betrieb ein Cateringunternehmen, das der verstorbene Ehemann der Schwiegermutter hinterlassen hatte. Laut Ermittlungsakten war das Unternehmen seit Jahren defizitär. Die Schwester des Ehemanns war unverheiratet und finanziell vollständig von diesem Familienbetrieb abhängig.

Sie galt in der Familie als unangefochtene Kronprinzessin.

Eine ehemalige Angestellte des Cateringunternehmens, eine junge Frau namens Odessa, meldete sich bei der Anwaltskanzlei, nachdem sie von den Ermittlungen erfahren hatte. Sie hatte Kopien von Rechnungen aufbewahrt, die auf Anweisung der Chefin für Familienfeiern überhöht worden waren. Ein Teil des Geldes, das die Innenarchitektin für ihr eigenes Jubiläumsessen bezahlt hatte, wurde so umgeleitet.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte auf Anfrage, dass die Ermittlungen noch andauern. Ein Sprecher sagte, es handele sich um einen komplexen Fall mit mehreren Beteiligten. Neben der Urkundenfälschung werde auch wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue ermittelt.

Ein Termin für eine Hauptverhandlung stehe noch nicht fest.

Die Schwiegermutter hat sich inzwischen vollständig aus dem Kontakt mit der Geschädigten zurückgezogen. Ihr Anwalt erklärte auf Anfrage, seine Mandantin bestreite die Vorwürfe. Die Schwägerin, gegen die ebenfalls ermittelt wird, äußerte sich nicht.

Ihr Cateringunternehmen ist inzwischen insolvent.

Der Ehemann stimmte einem außergerichtlichen Vergleich zu, der die vollständige Rückzahlung der veruntreuten Gelder in Raten vorsieht. Er bestreitet, von der Fälschung der Eigentumsübertragung gewusst zu haben. Das Gericht sprach seiner Ex-Frau das Hauptsorgerecht für die beiden gemeinsamen Kinder zu.

Die Innenarchitektin lebt heute mit ihren Kindern in dem Haus, das sie nach eigenen Angaben nun allein besitzt. Ihr Designbüro ist in den vergangenen zwei Jahren stark gewachsen. Kunden bemerkten, dass ihre Arbeit mutiger geworden sei.

Die Frau selbst sagt, sie habe nicht mehr die Hälfte ihrer Energie darauf verwendet, die Familie eines anderen zu managen.

Eine vertraute Person aus ihrem Umfeld berichtete, die Frau habe in den vergangenen zwei Jahren eine tiefgreifende Veränderung durchgemacht. Die Stille, die sie elf Jahre lang begleitet habe, sei verschwunden. Sie rede jetzt lauter, lache öfter und entscheide schneller.

Ihr Umfeld beschreibt sie als befreit. Die Handvoll langjähriger Kunden des insolventen Cateringunternehmens sagten später, sie hätten schon lange den Verdacht gehabt, dass mit den Abrechnungen etwas nicht stimmte.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf ein Phänomen, das Experten als stillen Missbrauch in Familien mit Schieflage bezeichnen. Familien, in denen ein Mitglied finanziell oder emotional über Jahre hinweg ausgebeutet wird, während die anderen schweigen. Die Frau sagt heute, sie habe elf Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass Liebe nichts sei, das man sich durch Schweigen verdienen müsse.