Roger Waters, der legendäre Bassist und Mitbegründer von Pink Floyd, hat im Alter von 80 Jahren erstmals detailliert die wahren Gründe für das Ende der Band offengelegt. In einem exklusiven Interview enthüllte der Musiker, dass ein schwerwiegender kreativer Konflikt während der Aufnahmen zu „Comfortably Numb“ der Auslöser für den endgültigen Bruch war. Die Wahrheit, so Waters, sei weitaus schockierender als die jahrelangen Spekulationen der Fans.

Die Band, die in den späten 1960er und 1970er Jahren Stadien auf der ganzen Welt füllte und als eine der einflussreichsten Rockgruppen aller Zeiten gilt, zerbrach nach und nach an internen Spannungen. Waters, der nach dem Ausstieg von Syd Barrett die künstlerische Leitung übernommen hatte, beschreibt die Atmosphäre im Studio als „vergiftet“. Er selbst habe zu diesem Pessimismus beigetragen, räumt er ein, und bereue heute, wie er mit seinen Bandkollegen umgegangen sei.
Der Konflikt eskalierte während der Produktion des Albums „The Wall“ im Jahr 1979. Waters bestand darauf, dass seine Visionen und Texte im Mittelpunkt stehen müssten, während David Gilmour und Richard Wright zunehmend das Gefühl hatten, übergangen zu werden. „Ich habe versucht, den anderen meine Meinung aufzuzwingen, obwohl ich wusste, dass sie nicht immer meiner Ansicht waren“, gesteht Waters.
„Das war ein Fehler, der die Band letztlich zerstört hat. “
Die Spannungen setzten sich bei den folgenden Alben fort. „The Final Cut“ von 1983 war praktisch ein Soloalbum von Waters, da er alle Musik und Texte schrieb. Gilmours Bitte, die Aufnahmen zu verschieben, um eigene Songs beizusteuern, lehnte Waters ab.
Gilmour wurde daraufhin aus dem Abspann entfernt, erhielt aber weiterhin sein Gehalt. Das Verhältnis zwischen den beiden war endgültig zerrüttet.
1985 verließ Waters die Band offiziell. Er informierte die Plattenfirmen EMI und CBS per Brief und reichte 1986 eine Klage ein, um die Partnerschaft für beendet zu erklären. Seine Begründung: Pink Floyd sei keine kreative Einheit mehr.
„Es fühlte sich an, als ob Paul McCartney und Ringo Starr versuchen würden, als Beatles ohne John Lennon zu spielen“, sagte Waters damals. Er befürchtete, dass Gilmour und Mason die Band mit neuen Musikern verwässern würden.

Der Rechtsstreit zog sich über Jahre hin. Erst 1987 einigten sich die Parteien: Waters behielt die Rechte an bestimmten Kreationen wie der Idee zur Mauer und dem aufblasbaren Schwein aus „Animals“. Gilmour und Mason durften den Namen Pink Floyd weiterführen.
Waters bezeichnete die Band danach als „erschöpfte Kraft“ – ein Urteil, das er heute relativiert.
Die überraschende Wiedervereinigung beim Live-8-Konzert 2005 im Londoner Hyde Park schien alle Wunden zu heilen. Die Band spielte ein 23-minütiges Set mit Klassikern wie „Money“ und „Comfortably Numb“. Waters, Gilmour, Mason und Richard Wright standen gemeinsam auf der Bühne – zum ersten Mal seit 24 Jahren.
Die Fans waren zu Tränen gerührt. Doch Waters dämpfte sofort die Hoffnungen auf eine dauerhafte Reunion: „Die Chancen sind gering. Wir haben immer noch unterschiedliche Vorstellungen davon, wohin die Band gehen soll.
“
Im Rückblick gibt Waters zu, dass er selbst einen großen Anteil an der Zerstörung der Band hatte. „Ich habe mich schlecht gefühlt, weil ich versucht habe, den anderen meine Meinung aufzudrängen. In diesem Moment wurde ich mir meiner selbst bewusst und sah, wie meine Handlungen alles nur noch schlimmer gemacht haben.
“ Diese Einsicht kam jedoch zu spät, um die Band zu retten.
Nach seinem Ausstieg startete Waters eine Solokarriere. Sein erstes Album „The Pros and Cons of Hitch Hiking“ von 1984 erhielt gemischte Kritiken, erreichte aber Goldstatus. Er holte sich Verstärkung von Eric Clapton und David Sanborn.
Die anschließende Tour war finanziell ein Desaster, doch Waters gab nicht auf. 1987 folgte „Radio K. A.
O. S. “, ein Konzeptalbum über einen gehörlosen Mann, der Radiowellen in seinem Kopf hört.
Seinen größten Soloerfolg feierte Waters 1990 mit der monumentalen Aufführung von „The Wall“ in Berlin. Auf dem Gelände zwischen Potsdamer Platz und Brandenburger Tor versammelten sich über 200. 000 Menschen live, eine Milliarde verfolgten die Show im Fernsehen.
Waters holte Stars wie Van Morrison, Bryan Adams und die Scorpions auf die Bühne. Eine 25 Meter hohe und 160 Meter lange Mauer sowie riesige aufblasbare Puppen sorgten für ein Spektakel.
1992 veröffentlichte Waters „Amused to Death“, ein Album, das sich kritisch mit der medialen Inszenierung von Kriegen auseinandersetzt. Der Titel bezieht sich auf Neil Postmans Buch „Amusing Ourselves to Death“. Waters selbst hält das Album für eines seiner besten Werke, vergleichbar mit „The Dark Side of the Moon“ und „The Wall“.
In den USA erreichte die Single „What God Wants“ Platz 5 der Rock-Charts.
Nach einer siebenjährigen Pause ging Waters 1999 wieder auf Tour. Die „In the Flesh“-Tour kombinierte Solostücke mit Pink-Floyd-Klassikern und war ein riesiger Erfolg. Viele Konzerte mussten in größere Hallen verlegt werden.
Die Tour endete 2002 mit einem Auftritt vor 70. 000 Menschen beim Glastonbury Festival. Waters spielte 15 Pink-Floyd-Songs und fünf eigene.

2006 startete Waters eine zweijährige Welttournee, bei der er erstmals seit über 30 Jahren „The Dark Side of the Moon“ komplett live aufführte. Nick Mason, der Schlagzeuger von Pink Floyd, begleitete ihn bei einigen Shows. Für die Fans war es ein emotionaler Moment, die beiden gemeinsam auf der Bühne zu sehen.
Eine vollständige Wiedervereinigung mit Gilmour blieb jedoch aus.
Bis heute gilt Roger Waters als eine der umstrittensten und zugleich einflussreichsten Figuren der Rockgeschichte. Seine Enthüllungen über das Ende von Pink Floyd werfen ein neues Licht auf die Dynamik der Band. War es wirklich Waters‘ dominanter Führungsstil, der die Band zerbrechen ließ?
Oder waren es unüberbrückbare künstlerische Differenzen, die jede Zusammenarbeit unmöglich machten?
Die Fans diskutieren leidenschaftlich über die Frage, ob Waters‘ Version der Geschichte zutrifft. Viele werfen ihm vor, die Band aus Egoismus zerstört zu haben. Andere sehen in ihm den visionären Künstler, der einfach nicht bereit war, Kompromisse einzugehen.
Sicher ist: Ohne Waters‘ kompromisslose Haltung hätte es Meisterwerke wie „The Wall“ oder „The Dark Side of the Moon“ vielleicht nie gegeben.
Waters selbst blickt heute versöhnlicher auf die Vergangenheit. „Es war eine schlimme, negative Zeit, und ich habe dazu beigetragen“, sagte er in einem Interview. „Aber ich bereue nichts.
Die Musik, die wir gemacht haben, ist zeitlos. Und das ist es, was am Ende zählt. “ Die Wahrheit über das Ende von Pink Floyd mag schockieren – doch sie erklärt auch, warum die Band bis heute unvergessen ist.


