Curd Jürgens: „Die Pose hat darüber weggetrogen” — 5 Ehen, ein Geheimnis

Curd Jürgens: „Die Pose hat darüber weggetrogen" — 5 Ehen, ein Geheimnis

Am 22. Juni 1982 geschah etwas Außergewöhnliches: Zum ersten Mal in der Geschichte des Wiener Zentralfriedhofs fand ein nächtliches Begräbnis statt. 3000 Trauergäste versammelten sich, um Abschied von einem Mann zu nehmen, dessen Leben ebenso glanzvoll wie tragisch war.

Curd Jürgens, ein Star der Filmwelt, hinterließ nicht nur ein beeindruckendes Erbe, sondern auch viele ungelöste Fragen.

Seine Witwe Marji stand am Grab, während die Ehrenformation der österreichischen Luftwaffe über das offene Grab flog. Jürgens hatte in seinem Testament festgelegt, dass sein Abschied wie eine Inszenierung auf einer Bühne sein sollte, mit zwei Schauspielmasken – eine lachend, die andere weinend. Trotz seines Erfolgs und seiner fünf Ehen blieb er kinderlos und hinterließ ein Leben voller Geheimnisse.

Curd Jürgens, geboren in eine wohlhabende Familie, erlebte bereits in jungen Jahren einen Schicksalsschlag. Ein schwerer Autounfall im Jahr 1933 führte dazu, dass er nie eigene Kinder zeugen konnte. Diese Diagnose begleitete ihn sein ganzes Leben lang, und er sprach selten darüber.

Nach dem Unfall begann er seine Karriere als Reporter, bevor er in die Schauspielerei wechselte und 1935 sein Bühnendebüt feierte.

Seine erste Ehe mit der Schauspielerin Lulu Basler dauerte zehn Jahre, gefolgt von einer weiteren Ehe mit Judith Holzmeister, die ebenfalls scheiterte. Jürgens heiratete insgesamt fünf Mal, doch keine dieser Beziehungen hielt. Die Boulevardpresse feierte ihn als Frauenhelden, doch hinter den Kulissen kämpfte er mit seinen eigenen Dämonen und der Einsamkeit, die ihn oft begleitete.

Seine dritte Ehe mit der ungarisch-britischen Schauspielerin Eva Bartok war von Skandalen geprägt. Obwohl sie eine Tochter namens Diana zur Welt brachte, behauptete Bartok Jahre später, dass Frank Sinatra der Vater sei. Jürgens, der nie Kinder zeugen konnte, blieb von dieser Nachricht überrascht und betroffen.

In den späten 1950er Jahren fand er mit Simone Bicheron, einem französischen Fotomodell, eine Partnerin, die länger an seiner Seite blieb als die anderen. Ihre Ehe dauerte 19 Jahre, doch auch sie endete in einer Trennung. Jürgens selbst äußerte in seinem Tagebuch, dass das Haus noch so erfüllt von Erinnerungen an Simone sei, dass er es kaum ertragen konnte.

Seine letzte Verlobung mit Marlene Knaus endete abrupt, als sie sich in einen anderen Mann verliebte. Jürgens, der mit 60 Jahren noch immer in den Strudel des Lebens eintauchte, verlor seine Verlobte auf seiner eigenen Party. Diese Erfahrungen prägten sein Leben und seine Kunst, und er reflektierte oft über die Schattenseiten seines Ruhms.

Die Tragödie nahm ihren Lauf, als Jürgens’ große Liebe, Matilda, bei einem Autounfall ums Leben kam. Ihr Tod stürzte ihn in eine tiefe Trauer, und er widmete ihr seine Autobiografie, die er in den letzten Jahren seines Lebens verfasste. Darin offenbarte er seine innersten Ängste und Zweifel, die er nie zuvor geteilt hatte.

Am 18. Juni 1982 starb Jürgens im Alter von 66 Jahren an Multiorganversagen. Sein letzter Wunsch war, dass nach seiner Beerdigung alles verbrannt werden sollte.

Doch seine Witwe hielt sich nicht an diesen Wunsch. Sie bewahrte seinen Nachlass auf, der nun Einblicke in das Leben eines Mannes gewährt, der trotz seines Erfolgs nie wirklich Frieden fand.

Curd Jürgens bleibt eine faszinierende Figur, die das Glitzern des Lebens und die Schatten der Einsamkeit in sich vereinte. Was bleibt von einem Mann, der so viel erreicht hat und doch so viel verloren hat?