**Die tragische Doppelleben der Ida Lowry: Vergewaltigt und erschlagen in einer dunklen Gasse von Milwaukee**
Milwaukee, 23. April 1960. In einer kalten Nacht schreit eine ältere Frau verzweifelt um Hilfe. Edwin Smith, auf dem Heimweg, hört die Hilferufe und findet in einer dunklen Gasse nahe der North Plankinton Avenue die 76-jährige Ida Lowry. Blutüberströmt, schwer misshandelt und mit starken Schmerzen liegt die alte Dame am Boden. Als Smith versucht, sie hochzuheben, schreit sie vor Qual. Die Polizei wird gerufen, Ida wird ins Krankenhaus gebracht – doch eine Stunde später stirbt sie. Vor ihrem Tod kann sie noch eine kurze Aussage machen: Ein großer weißer Mann habe sie gepackt, in die Gasse gezerrt, brutal vergewaltigt – auch mit einem Gegenstand – und dann geschlagen und getreten, bis er sie zum Sterben zurückließ. Er habe erwähnt, an einer Brücke zu arbeiten.

Der Mord an Ida Lowry erschütterte Milwaukee zutiefst. Nicht nur wegen der grausamen Umstände – ein sadistischer sexueller Übergriff mit einem Stock oder Knüppel, der zu inneren Verletzungen und letztlich zum tödlichen Schock führte –, sondern auch wegen des rätselhaften Lebens der Toten. Ida Lowry war als exzentrische Lumpensammlerin bekannt. Stundenlang durchstreifte sie Straßen und Gassen, holte Kleidung und Gegenstände aus Mülltonnen und trug sie in bizarren Kombinationen. Im Hotel Royal an der West Michigan Street lebte sie in einem einfachen Zimmer für zehn Dollar Miete pro Woche. Die Menschen hielten sie für arm und harmlos, eine wunderliche Einzelgängerin, die nach dem Tod ihres Mannes Walter 1950 immer mehr zurückgezogen lebte.

Doch bei der Durchsuchung ihres Zimmers entdeckte die Polizei unter wertlosen alten Aktien zwei Schlüssel zu Schließfächern. Im ersten Fach: nichts. Im zweiten jedoch über 17.000 Dollar in bar – heute ein Gegenwert von rund 150.000 bis 155.000 Euro. Woher stammte dieses Vermögen? Ida Lowry hätte sich ein komfortables Leben leisten können, doch sie wählte das Dasein einer Streunerin. Sie hatte keine Kinder, das Verhältnis zu ihren Schwestern war distanziert. Niemand kannte sie wirklich privat.
Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren. Rund 16 Beamte suchten nach Verdächtigen, überprüften Sexualstraftäter und Männer aus der Umgebung. Ein Arbeiter von einer nahen Brücke geriet in Verdacht, blutige Kleidung wurde gefunden – doch das Blut stammte nicht von Ida. Ein weiterer Mann gestand unter Alkoholeinfluss, erinnerte sich aber nicht. Sechs potenzielle Täter wurden überprüft, ein falsches Geständnis belastete die Ermittlungen zusätzlich. Die Tatwaffe blieb verschwunden, Spuren im Milwaukee River führten ins Leere. Der Fall wurde nie aufgeklärt.
Der brutale Mord an der 76-Jährigen wirft bis heute Fragen auf. Warum lebte eine vermögende Frau wie eine Bettlerin? Hatte ihr Einsiedlerdasein mit einem dunklen Geheimnis zu tun? Der Angriff gilt als einer der grausamsten sexuellen Übergriffe der damaligen Zeit in der Region. Ida Lowry fand ihre letzte Ruhe auf dem historischen Forest Home Cemetery in Milwaukee. Ihr Mörder läuft vielleicht noch frei herum – oder ist längst gestorben, ohne je zur Rechenschaft gezogen worden zu sein.
Der Fall Ida Lowry bleibt ein Mahnmal für die Verletzlichkeit älterer Menschen und die Abgründe hinter scheinbar harmlosen Existenzen. Eine Frau, die in Reichtum starb, wie eine Arme lebte und deren Tod bis heute ungesühnt ist. (ca. 505 Wörter)


