Es ist eine der größten vergessenen Tragödien des Zweiten Weltkriegs, und sie spielt sich im Schatten der deutschen Erinnerungskultur ab. Über eine Million rumänische Soldaten zogen im Sommer 1941 an der Seite der Wehrmacht in den Krieg gegen die Sowjetunion, ausgerüstet mit veralteten Gewehren, gezogen von Pferden, geführt von Offizieren, die noch im Ersten Weltkrieg gedient hatten. Sie marschierten über den Prut, über den Dnjestr, über den Bug und schließlich über den Don. Sie kämpften in den brennenden Trümmern von Odessa, in den Felsenfestungen der Krim, in den eisigen Bergen des Kaukasus und schließlich in den weiten weißen Steppen vor Stalingrad. Fast 600.000 von ihnen kehrten niemals zurück. Gefallen, vermisst, erfroren, verhungert, in sowjetischer Gefangenschaft verschollen. 600.000 Schicksale, 600.000 Familien, 600.000 Geschichten, die heute kaum jemand kennt.
Es ist die größte vergessene Tragödie des Zweiten Weltkriegs an der Ostfront. Die rumänische Armee zahlte den höchsten Preis aller Verbündeten Deutschlands, höher als die Italiener, höher als die Ungarn, höher als die Finnen, höher als alle Hilfsverbände der slowakischen oder kroatischen Truppen. Und doch findet sich ihr Schicksal in keinem großen deutschen Geschichtsbuch, in keinem Schulfilm, in keiner Sonntagsreportage. Ihre Soldaten warnten die Generäle der Wehrmacht vor der Katastrophe am Don. Sie wurden nicht gehört. Sie baten um Panzer, um Panzerabwehr, um schwere Artillerie. Sie bekamen Pferde und veraltete Geschütze aus dem Ersten Weltkrieg. Sie hielten die längsten und gefährlichsten Frontabschnitte, und als der sowjetische Hammer im November 1942 niederging, waren sie die ersten, die zerschmettert wurden.
Ganze Divisionen verschwanden binnen Stunden im Schneetreiben. Regimente ergaben sich in geschlossenen Formationen. Offiziere erschossen sich, um nicht in Gefangenschaft zu geraten. Und in den Memoiren der Feldmarschälle der Wehrmacht, die nach dem Krieg geschrieben wurden, las man immer wieder denselben Satz: “Die Schuld lag bei den Rumänen.” Doch die Wahrheit ist eine andere. Die Wahrheit ist verschüttet unter 70 Jahren Schweigen, unter politischer Bequemlichkeit, unter dem Unwillen hinzuschauen. In diesem Film werden wir hinschauen. Wir werden den Weg dieser vergessenen Armee zurückverfolgen, von den Hügeln Bessarabiens bis zu den Trümmern von Stalingrad, von den ersten siegreichen Sommertagen bis zum bitteren Frost des Untergangs.
Wir werden lesen, was rumänische Soldaten in ihre Tagebücher schrieben, bevor die Tinte gefror. Wir werden hören, wie Offiziere der Wehrmacht über ihre Verbündeten sprachen im Stab und unter vier Augen. Und wir werden uns einer Frage stellen, die seit Jahrzehnten unbeantwortet im Raum steht. Warum hat eine ganze Nation, die mehr Söhne für den deutschen Sieg geopfert hat als jeder andere Verbündete, in der Erinnerung Deutschlands und Europas keinen Platz gefunden? Es ist Zeit, das zu ändern. Um zu verstehen, warum Rumänien zum größten und am schwersten gezeichneten Verbündeten Deutschlands wurde, müssen wir ein Jahr zurückgehen in das schicksalhafte Jahr 1940. Es war das Jahr, in dem das Königreich Rumänien innerhalb weniger Monate fast ein Drittel seines Staatsgebietes verlor.
Im Juni stellte die Sowjetunion ein Ultimatum und annektierte Bessarabien sowie die nördliche Bukowina, einen Landstrich, den die Rumänen als ihr nationales Kernland betrachteten. Im August desselben Jahres zwang der sogenannte Zweite Wiener Schiedsspruch, ausgehandelt unter dem Druck Berlins und Roms, Rumänien zur Abtretung Nordsiebenbürgens an Ungarn. Und im September folgte der Vertrag von Craiova, der den südlichen Dobrudscha-Streifen an Bulgarien übergab. Innerhalb eines Sommers verlor Rumänien fast ein Drittel seines Territoriums und fast ein Drittel seiner Bevölkerung. Das Land war gedemütigt. Der König diskreditiert, die Armee in tiefer moralischer Krise. In diesem Augenblick der nationalen Erniedrigung trat ein Mann an die Spitze des Staates, der entschlossen war, das Verlorene zurückzuholen, koste es, was es wolle.
Sein Name war Ion Antonescu, ein General, der sich zum Marschall ernennen ließ und sich selbst als Conducător bezeichnete, als Führer Rumäniens. Antonescu sah nur einen Weg, das verlorene Land zurückzugewinnen, und dieser Weg führte über Berlin. Im November unterzeichnete Rumänien den Dreimächtepakt und trat den Achsenmächten bei. Es war keine Frage der Ideologie, sondern eine Frage des Überlebens und der Rache. Antonescu wollte Bessarabien zurück, er wollte die Bukowina zurück, und er hoffte, mit deutscher Hilfe auch Siebenbürgen wiederzuerlangen. Doch für Hitler war Rumänien aus einem ganz anderen Grund von höchster Bedeutung. Im Süden des Landes, in den Ölfeldern von Ploiești, lag der wichtigste Treibstofflieferant des gesamten Deutschen Reiches.
Zwei Drittel des Erdöls, das die Wehrmacht antrieb, das die Panzer in Marsch setzte und die Flugzeuge der Luftwaffe in den Himmel hob, kam aus Rumänien. Ohne Ploiești kein Krieg gegen die Sowjetunion, ohne rumänisches Öl kein Vorstoß zum Kaukasus. Und so wurden hunderttausend Soldaten der Wehrmacht bereits im Herbst nach Rumänien verlegt. Offiziell als Ausbildungskräfte, in Wahrheit als Schutzschild für die Ölfelder und als Aufmarschbasis für den kommenden Angriff. Rumänien war damit nicht nur ein Verbündeter, sondern ein Glied in der Kette, ohne das die gesamte Maschinerie des Ostfeldzugs niemals hätte anlaufen können. Bis zum Jahr 1944 sollte Rumänien mehr als 1.250.000 Soldaten an die Ostfront stellen.
Es war damit, gemessen an der absoluten Truppenstärke, der drittstärkste Verbündete der Achse nach dem Deutschen Reich und Italien, und an der Ostfront der mit Abstand größte Beistand, den Hitler erhielt. Doch diese Armee war nicht die moderne, motorisierte Streitmacht, die ein solcher Krieg erfordert hätte. Die rumänische Infanterie marschierte zu Fuß. Die Versorgung wurde von Pferden gezogen. Die Artillerie bestand zu großen Teilen aus französischen und österreichisch-ungarischen Geschützen aus dem Ersten Weltkrieg. Die Panzerwaffe verfügte über eine geringe Zahl tschechischer Modelle der Marke Škoda und einige veraltete französische Renault-Panzer. Die Offiziere der Wehrmacht, die mit den rumänischen Verbänden zusammenarbeiten sollten, sahen das mit kaum verhohlener Verachtung.
In Lageberichten der Wehrmacht tauchte immer wieder dieselbe Bewertung auf: Die rumänische Armee sei tapfer, aber unzureichend ausgerüstet. Ihre Offiziere seien teils kompetent, teils unfähig. Ihre Mannschaften seien einfache Bauernsöhne, die kaum lesen und schreiben könnten. Die Wahrheit war komplexer. Es gab in der rumänischen Armee Eliteeinheiten von außerordentlicher Härte, vor allem die Gebirgsjäger und die Kavalleriebrigaden, die mit den besten Verbänden der Wehrmacht mithalten konnten. Doch im Großen und Ganzen ging eine Armee in den Krieg, die mit den Mitteln des Jahres 1918 gegen einen Feind antreten sollte, der den Maßstab des Jahres 1941 setzte. Am 22. Juni 1941 begann das Unternehmen Barbarossa.
Im Süden des riesigen Aufmarsches, an der Grenze zwischen dem Prut und dem Schwarzen Meer, traten zwei rumänische Armeen an der Seite der 11. Armee der Wehrmacht unter General Eugen Ritter von Schobert zum Angriff an. Es war die 3. rumänische Armee unter General Petre Dumitrescu im Norden und die 4. rumänische Armee unter General Nicolae Ciupercă im Süden. Antonescu selbst hielt am Tag des Angriffs eine Rundfunkrede an das rumänische Volk, in der er den berühmten Befehl ausgab: “Soldaten, ich befehle euch, geht über den Prut!” Mit diesen Worten begann der rumänische Marsch in den Osten. Es war kein Eroberungszug für fremdes Land, kein Feldzug für deutschen Lebensraum. Es war in den Augen der rumänischen Soldaten und ihres Marschalls der gerechte Krieg zur Rückeroberung des eigenen Heimatbodens, ein Kreuzzug gegen den Bolschewismus, der ihnen ein Jahr zuvor Bessarabien geraubt hatte.

Diese Motivation gab den rumänischen Truppen in den ersten Wochen eine Kraft, die selbst Beobachter der Wehrmacht überraschte. Die ersten Wochen des Krieges schienen ihnen Recht zu geben. Im Juli stießen die rumänischen Verbände gemeinsam mit den Verbänden der Wehrmacht über den Prut, durchbrachen die sowjetischen Stellungen und drangen rasch in Bessarabien ein. Am 16. Juli wurde die Hauptstadt der Provinz, Chișinău, von rumänischen und deutschen Truppen zurückerobert. Bis Ende des Monats war ganz Bessarabien wieder in rumänischer Hand. Die nördliche Bukowina folgte. Antonescu wurde als Befreier gefeiert. In den Kirchen läuteten die Glocken. In den Städten zogen die alten königlichen Standarten wieder ein. Hätte der Krieg an dieser Linie geendet, hätte Rumänien sein erklärtes Kriegsziel erreicht, hätte die nationale Erniedrigung des Jahres 1940 getilgt.
Doch in dieser Stunde des Triumphes traf Antonescu eine Entscheidung, die später als der eigentliche Sündenfall der rumänischen Kriegsführung gelten sollte. Er beschloss, den Krieg über den Dnjestr hinaus weiterzuführen, an der Seite der Wehrmacht, tief in die Ukraine gegen Odessa, gegen den Bug, gegen den Dnjepr und schließlich gegen den Don. Aus dem Krieg der Wiedereroberung wurde der Krieg der Eroberung, und damit begann der lange Marsch in die Katastrophe. Das erste große Opfer dieses Marsches war die Schlacht um Odessa. Die große Hafenstadt am Schwarzen Meer, der Stolz der sowjetischen Ukraine, wurde der 4. rumänischen Armee allein zur Eroberung übertragen, während die Verbände der Wehrmacht weiter nach Osten zogen. Vom 8. August bis zum 16. Oktober dauerte die Belagerung Odessas, 73 lange Tage und Nächte.
Die sowjetischen Verteidiger hatten die Stadt zu einer Festung ausgebaut mit Schützengräben, Bunkern, Minenfeldern und einer zähen Garnison, die durch Schiffe der Schwarzmeerflotte versorgt wurde. Die 4. rumänische Armee, etwa 340.000 Mann stark, warf sich gegen diese Verteidigungslinien in Wellenangriffen, die an die Schlachten des Ersten Weltkriegs erinnerten. Es fehlte an schwerer Artillerie, es fehlte an Panzern, es fehlte an Luftunterstützung. Die Verluste waren ungeheuer. Etwa 90.000 rumänische Soldaten fielen, wurden verwundet oder vermisst vor den Toren von Odessa, ein Drittel der gesamten eingesetzten Streitmacht. Als die Stadt schließlich am 16. Oktober eingenommen wurde, war sie zu großen Teilen evakuiert. Die sowjetische Garnison war in geordneter Operation über das Meer abgezogen worden.
Antonescu feierte einen Pyrrhussieg, doch in den Friedhöfen, die sich in den Dörfern Bessarabiens und Transnistriens auftaten, lag bereits der Schatten dessen, was noch kommen sollte. In den Briefen der ersten Witwen, in den Dorfkirchen, in denen man begann, die Namen der Gefallenen in Listen zu schreiben, kündigte sich die Tragödie an. Doch noch ahnte niemand in Bukarest und niemand in Berlin, wie tief der Abgrund war, in den die rumänische Armee marschierte, denn das Schlimmste lag erst noch vor ihnen, weit jenseits des Dnjestr, weit jenseits des Bug, jenseits des Dnjepr, in den eisigen Steppen am Don, wo der Name einer Stadt schon bald die ganze Welt erschüttern sollte. Sein Name war Stalingrad. Im Jahr nach dem schweren Winter vor Moskau plante das Deutsche Oberkommando eine neue große Sommeroffensive im Süden der Ostfront.
Sie trug den Decknamen Fall Blau und hatte zwei Ziele: Das erste war die Eroberung der Erdölfelder des Kaukasus, das zweite die Sicherung der südlichen Flanke entlang der Wolga mit dem strategischen Zentrum in der Stadt Stalingrad. An dieser gewaltigen Offensive sollte die rumänische Armee in einem Umfang teilnehmen, der alle vorherigen Einsätze übertraf. Antonescu stellte die 3. Armee und die 4. Armee zur Verfügung, insgesamt fast 300.000 Mann, dazu Kavalleriebrigaden, Gebirgsjäger und eine eigene Panzerdivision. Es war ein massiver Beitrag. Es war auch ein zum Untergang verurteilter Beitrag. Doch bevor wir den Weg in die größte Katastrophe der rumänischen Militärgeschichte beschreiten, müssen wir noch einmal innehalten. Wir müssen die Bergpfade der Krim entlang gehen, an denen rumänische Gebirgsjäger Seite an Seite mit den Truppen Erich von Mansteins die Festung Sewastopol bezwangen.
Wir müssen den Aufstieg in den Kaukasus nachvollziehen, die Schluchten von Anapa und Noworossijsk, in denen rumänische Bergregimenter Höhen erstürmten, an denen die Wehrmacht selbst verzagte. Wir müssen den Frühling und Sommer betrachten, jene Monate, in denen die rumänische Armee zum letzten Mal Siege errang, bevor das große Sterben begann. Auf der Krim kämpften die rumänische Gebirgsbrigade und die Kavalleriebrigaden unter dem Befehl der 11. Armee der Wehrmacht unter Erich von Manstein. Es waren Eliteverbände, gehärtet in den Bergen der Karpaten, gewöhnt an Kälte, an steile Hänge, an den Krieg um jeden Felsen. Bei der Eroberung der Halbinsel Kertsch im Mai spielten rumänische Truppen eine wesentliche Rolle, ebenso bei der monatelangen Belagerung Sewastopols, die im Juli desselben Jahres mit der Einnahme der Festung endete.
Manstein selbst lobte in seinen Berichten die Tapferkeit der rumänischen Soldaten, doch er fügte stets denselben Vorbehalt hinzu: Sie seien ausgezeichnet im Angriff, wenn sie geführt würden, doch sie verfügten nicht über die Mittel, einem modernen mechanisierten Gegner standzuhalten. In den Bergen des Kaukasus im Spätsommer zeigte sich diese Doppelnatur der rumänischen Armee noch deutlicher. Bei den Kämpfen um Anapa und Noworossijsk, in den dichten Wäldern und auf den schneebedeckten Höhen, führten rumänische Bergjäger einen Krieg, der an die alpinen Schlachten des Ersten Weltkriegs erinnerte. Sie eroberten Positionen, sie hielten Stellungen, sie zahlten dafür mit ihrem Blut. Doch zur gleichen Zeit, weit im Norden, an den endlosen Krümmungen des Don, formte sich bereits jene Front, an der das Schicksal der gesamten rumänischen Armee entschieden werden sollte.
Und auf dieser Front, das wussten ihre Offiziere bereits, fehlte alles, was sie zum Überleben gebraucht hätten. Es fehlte an Panzern, es fehlte an Panzerabwehrkanonen, es fehlten Reserven, es fehlte sogar an Winterausrüstung. Sie hatten den Befehl, eine Front von über 200 Kilometern Länge zu halten, mit Truppen, die für einen solchen Auftrag niemals vorgesehen waren. Es war, als hätte man eine Mauer aus Sand gegen die kommende Flut errichtet. Doch noch hatte die Flut nicht eingesetzt. Noch glaubte man in Bukarest und in Berlin, dass das Schlimmste hinter ihnen lag. Doch das Schlimmste lag erst vor ihnen. Es lag in den weißen, lautlosen Weiten der Donsteppe, in der Stille vor jenem November, an dem die Erde zu beben begann. Im Spätsommer hatte sich die Lage an der südlichen Ostfront grundlegend verändert.

Die 6. Armee der Wehrmacht unter General Friedrich Paulus war tief in die Stadt Stalingrad eingedrungen, doch der Vormarsch hatte sich in einem mörderischen Häuserkampf festgefressen. Jede Fabrik, jeder Häuserblock, jede Treppe wurde zum Schauplatz eines Kampfes auf engstem Raum. Während die Wehrmacht ihre besten Verbände in den Trümmern der Stadt verbluten ließ, mussten die langen Flanken der gesamten Heeresgruppe gesichert werden, jene endlosen Linien entlang des Don, die sich über Hunderte von Kilometern erstreckten. Für diese Aufgabe blieben dem deutschen Oberkommando keine eigenen Reserven mehr übrig, und so wurde den Verbündeten die schwerste und gefährlichste Aufgabe des ganzen Feldzugs übertragen. Im Norden, am großen Donbogen, wurde die 3. rumänische Armee unter General Petre Dumitrescu eingesetzt.
Im Süden, in der weiten Kalmückensteppe zwischen Stalingrad und dem Kaspischen Meer, stellte sich die 4. rumänische Armee unter General Constantin Constantinescu in Stellung. Zwischen ihnen, eingekeilt in den Trümmern der Stadt, kämpfte die 6. Armee der Wehrmacht. Es war eine Aufstellung, die auf jeder Karte gut aussah und in jeder Wirklichkeit zur Katastrophe führen musste. Die 3. rumänische Armee hielt einen Frontabschnitt von etwa 180 km Länge. Zur Verteidigung dieses gewaltigen Raumes verfügte sie über neun Infanteriedivisionen, dazu zwei Kavalleriedivisionen und Teile der einzigen rumänischen Panzerdivision. Es waren auf dem Papier 228.000 Mann. Doch was bedeutete diese Zahl, wenn man sie auf die Länge des Frontabschnitts umrechnete? Es bedeutete, dass auf jeden Kilometer Front nur etwa 1.300 Soldaten kamen, ohne tiefe Staffelung, ohne ausreichende Reserven, ohne zuverlässige Panzerabwehr.
Die Bewaffnung der rumänischen Divisionen war für einen modernen Krieg nicht ausreichend. Die wichtigste Panzerabwehrwaffe war die rumänische Panzerabwehrkanone des Kalibers 37 mm, eine Waffe, die gegen die neuen sowjetischen Panzer vom Typ T-34 völlig wirkungslos war. Die rumänischen Offiziere wussten dies, sie meldeten dies. Sie baten in Schreiben an das Deutsche Oberkommando und an den rumänischen Generalstab um schwere Geschütze, um Sturmgeschütze, um wenigstens einige Bataillone deutscher Panzerabwehr. Die Antwort blieb meist aus. Wo sie kam, lautete sie: “Man möge sich gedulden, man möge die Stellungen verstärken, man möge sich auf die eigenen Mittel verlassen.” Im Stab der 3. rumänischen Armee schrieb ein Stabsoffizier in einem Bericht vom 30. Oktober den nüchternen Satz, dass man im Falle eines konzentrierten sowjetischen Angriffs mit dem Zusammenbruch ganzer Divisionen in wenigen Stunden rechnen müsse.
Dieser Bericht wurde gelesen. Er wurde abgelegt, er wurde nicht beantwortet. Während die rumänischen Soldaten in flachen, hastig ausgehobenen Schützengräben am gefrorenen Boden des Donufers lagen, erreichten sie die ersten Nachrichten über sowjetische Truppenbewegungen jenseits des Flusses. Aufklärer meldeten Kolonnen, die sich nachts näherten, von neuen Brücken über den Don, von Eisenbahnzügen, die in den hinteren sowjetischen Gebieten Tag und Nacht entluden. Rumänische Pioniere fanden frische Spuren auf dem Eis, dort, wo der Fluss bereits zugefroren war. Im November sank die Temperatur auf 20 Grad Celsius unter Null, dann auf 30, dann auf darunter. Die rumänischen Soldaten trugen Mäntel, die für einen rumänischen Winter geschneidert worden waren, nicht für einen russischen. Viele besaßen keine Filzstiefel, keine Ohrenschützer, keine wattierten Handschuhe.
In den Tagebüchern, die später aus den Taschen gefallener Soldaten geborgen wurden, finden sich Einträge, die das Grauen dieser Wochen festhalten. Ein Leutnant der 14. Infanteriedivision schrieb in jenen Tagen, dass seine Männer in der Nacht aneinander gedrängt schliefen, um nicht zu erfrieren, dass die Wachen alle 20 Minuten abgelöst werden mussten, weil länger niemand draußen aushalten konnte, und dass die Suppe in den Feldküchen gefror, bevor sie verteilt werden konnte. Ein anderer Offizier notierte, dass die Soldaten begannen, Holz aus den eigenen Lafetten zu hacken, um wenigstens kleine Feuer zu unterhalten. Und immer wieder taucht in den Aufzeichnungen ein und derselbe Satz auf, in verschiedenen Worten von verschiedenen Männern: “Wir wissen, dass etwas kommt. Wir wissen nicht, was. Aber wir wissen, dass wir es nicht aufhalten werden.”
Am 19. November um 7:20 Uhr am Morgen begann das Trommelfeuer. 3.500 sowjetische Geschütze und Granatwerfer eröffneten gleichzeitig das Feuer auf die Stellungen der 3. rumänischen Armee am Donbogen. 80 Minuten lang erschütterte ein Bombardement von einer Heftigkeit die Front, wie es selbst die Veteranen des Ersten Weltkrieges nie zuvor erlebt hatten. Die Erde bebte über Kilometer hinweg. Die wenigen rumänischen Bunker stürzten ein. Die Telefonleitungen wurden zerschnitten. Ganze Kompanien wurden in ihren Schützengräben verschüttet. Als das Feuer um 8:40 Uhr endete und der Nebel des frühen Morgens den Schnee verhüllte, erhoben sich die sowjetischen Sturmverbände. Es war der Beginn der Operation Uranus, des großen Gegenschlages, mit dem die Rote Armee die 6. Armee der Wehrmacht in Stalingrad einkesseln wollte.
Und der Hammer dieses Schlages traf nicht die Verbände der Wehrmacht. Er traf die Rumänen. Auf einem Frontabschnitt von etwa 25 km Breite stießen die 5. sowjetische Panzerarmee und die 21. sowjetische Armee mit insgesamt über 3.000 Panzern und Hunderttausenden Infanteristen gegen die rumänischen Stellungen vor. Ihnen gegenüber lagen die 14. und die 9. rumänische Infanteriedivision, ausgehungerte, durchfrorene Bauernsöhne mit veralteten Gewehren und einer Handvoll Geschützen, deren Granaten von der Panzerung der T-34 abprallten wie Steine von einer Mauer. Was in den folgenden Stunden geschah, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Die rumänischen Soldaten kämpften. Sie kämpften mit einer Verzweiflung, die selbst sowjetische Offiziere nach dem Krieg anerkannten. Sie warfen sich gegen die Panzer mit Handgranatenbündeln, mit Brandflaschen, mit den wenigen Panzerabwehrgewehren, die ihnen zur Verfügung standen.
Sie hielten einzelne Stellungen über Stunden, sie schlugen einzelne Angriffe zurück, doch gegen die Masse der sowjetischen Panzer war jeder Widerstand vergeblich. Die T-34 walzten die Schützengräben einfach platt. Sie zermalmten die rumänischen Geschütze unter ihren Ketten. Sie durchbrachen die Linie an mehreren Stellen gleichzeitig. Bis zum Mittag des 19. November war die rumänische Front aufgerissen wie ein altes Tuch. Bis zum Abend desselben Tages hatten sowjetische Panzerverbände einen Durchbruch von über 50 km Tiefe erzielt. Bis zum 20. November war die zweite große sowjetische Offensive im Süden gegen die 4. rumänische Armee in der Kalmückensteppe angelaufen, und auch dort brachen die rumänischen Linien zusammen. Innerhalb von vier Tagen, am 23. November, trafen sich die Spitzen der nördlichen und südlichen sowjetischen Angriffsgruppen bei Kalatsch am Don.

Der Ring um Stalingrad war geschlossen. 330.000 Soldaten der Wehrmacht und ihrer Verbündeten saßen im Kessel, und vor den Toren dieses Kessels lagen die Trümmer zweier rumänischer Armeen, die in den vier schrecklichsten Tagen ihrer Geschichte ausgelöscht worden waren. Die Zahlen, die nach dem Ende der Schlacht zusammengetragen wurden, zeichnen ein Bild von einer Vernichtung, die in der Militärgeschichte ihresgleichen sucht. Die 3. rumänische Armee, die am 19. November mit 228.000 Mann in den Kampf gegangen war, hatte bis zum Ende des Monats etwa 185.000 Soldaten verloren, gefallen, verwundet, vermisst, gefangen genommen. Fünf Divisionen waren faktisch ausgelöscht. Das heißt, von ihren ursprünglich 12.000 bis 14.000 Soldaten waren weniger als 1.000 zurückgekehrt. Die 4. rumänische Armee verlor in den südlichen Kämpfen etwa 80.000 Mann.
Insgesamt fielen, wurden verwundet oder gerieten in den Stalingrader Schlachten etwa 158.000 rumänische Soldaten in Gefangenschaft, und etwa 111.000 gelten als gefallen oder vermisst. Es waren die schwersten Verluste, die je eine rumänische Armee in ihrer gesamten Geschichte erlitten hatte. In den Dörfern Bessarabiens, in den Bergtälern Siebenbürgens, in den Ebenen der Walachei und der Moldau begann eine Welle der Trauer, die ganze Generationen prägen sollte. In manchen Dörfern kehrte nicht ein einziger Mann zurück. In manchen Familien fielen drei, vier, fünf Söhne im selben Monat. Und während in Bukarest die Glocken läuteten und die ersten Listen der Gefallenen veröffentlicht wurden, begann in Berlin etwas anderes. Es begann das Schweigen. In den Wochen nach der Katastrophe am Don suchten die Generäle der Wehrmacht nach Schuldigen.
Sie fanden sie in den Rumänen. Im Stab des Oberkommandos der Wehrmacht, in den Memoiren, die später nach dem Krieg geschrieben wurden, in den Lageberichten, die noch während der Kämpfe verfasst wurden, taucht immer wieder dieselbe Behauptung auf: Die Rumänen hätten versagt, die Rumänen hätten zu schnell aufgegeben, die Rumänen seien nicht standfest gewesen, die Rumänen seien nicht für einen modernen Krieg geeignet. Es war eine bequeme Erklärung. Sie verschwieg, dass die rumänischen Verbände auf einer Front gestanden hatten, die für ihre Mittel zu lang gewesen war. Sie verschwieg, dass die Bitten um schwere Waffen monatelang ignoriert worden waren. Sie verschwieg, dass die Warnungen der rumänischen Stäbe vor einer sowjetischen Großoffensive aktenkundig waren und in den Lagezentren der Wehrmacht liegen geblieben waren. Sie verschwieg vor allem eines: dass die rumänischen Soldaten in den vier Tagen vom 19. bis zum 23. November mit einer Verlustrate gekämpft hatten, die jede Division der Wehrmacht als militärische Vernichtung anerkannt hätte.
Antonescu selbst sprach in einem persönlichen Treffen mit Hitler im Januar 1943 diese Vorwürfe offen an. Er sagte, seine Soldaten hätten getan, was sie konnten, und mehr habe man von ihnen nicht verlangen können. Hitler hörte zu. Hitler nickte. Hitler änderte nichts. In den Lageberichten der Wehrmacht der folgenden Monate wurden die Rumänen weiter als Synonym für unzuverlässige Verbündete genannt. Und in den Köpfen der Offiziere der Wehrmacht blieb dieses Bild haften, bis es in die Geschichtsschreibung der Nachkriegszeit überging, in der es bis heute fortlebt. Doch hinter den Zahlen, hinter den Karten, hinter den Lageberichten verbergen sich die Geschichten von Menschen. Wir wissen heute, durch die wenigen Tagebücher, durch die Briefe, die ihre Empfänger erreichten, durch die Erinnerungen der wenigen Überlebenden, was in jenen Tagen am Don geschah.
Ein rumänischer Hauptmann der 13. Infanteriedivision schrieb am 20. November 1942 in sein Tagebuch, dass er seit 12 Stunden ununterbrochen kämpfe, dass von seiner Kompanie noch 23 Mann am Leben seien und dass sie keinen einzigen Schuss Munition für die Panzerabwehr mehr hätten. Er schrieb, er werde mit der Pistole sterben, wenn die Panzer kämen. Sein Tagebuch wurde später von einem sowjetischen Soldaten gefunden, der es einem rumänischen Kriegsgefangenen übergab, und so fand es schließlich seinen Weg in ein rumänisches Archiv. Wir wissen nicht, wie der Hauptmann starb. Wir wissen nur, dass er starb, denn sein Name erscheint nicht auf den Listen der Heimgekehrten. Eine andere Geschichte ist die eines rumänischen Obersten, der das Kommando über sein Regiment führte, bis von 3.200 Mann nur noch 400 übrig waren. Als die letzten Munitionsvorräte aufgebraucht waren, gab er den Befehl zum Ausbruch mit dem Bajonett.
Er fiel an der Spitze seiner Männer. Sein Leichnam wurde nie gefunden. In den Schneestürmen jener Tage verschwanden Tausende solcher Männer auf eine Weise, die keine Beerdigung und kein Denkmal kannte. Sie wurden Teil der weißen, lautlosen Weite, in der niemand mehr ihren Namen aussprach. Während die 3. und die 4. rumänische Armee an der Donfront in Trümmern lagen, befanden sich noch einige rumänische Verbände innerhalb des Stalingrader Kessels selbst. Es waren Teile der 20. rumänischen Infanteriedivision, der 1. rumänischen Kavalleriedivision und kleinerer Einheiten, die bei der Bildung des Kessels gemeinsam mit den Verbänden der Wehrmacht eingeschlossen worden waren. Insgesamt befanden sich etwa 53.000 rumänische Soldaten im Kessel von Stalingrad. Sie teilten das Schicksal der 6. Armee der Wehrmacht in den folgenden zwei Monaten.
Sie litten denselben Hunger, sie froren denselben Frost, sie starben dieselben Tode. In den Berichten von Offizieren der Wehrmacht aus dem Kessel finden sich Schilderungen davon, wie rumänische und deutsche Soldaten gemeinsam an Feuerstellen kauerten, wie sie ihre letzten Brotkrumen teilten, wie sie sich in den Trümmern der Stadt aneinander lehnten, um nicht zu erfrieren. Doch in den Verteilungslisten der Luftbrücke, jenen ohnehin unzureichenden Versorgungsflügen, mit denen die 6. Armee aus der Luft am Leben gehalten werden sollte, kamen die Rumänen oft erst an letzter Stelle. Wo Brot knapp war, gingen die Soldaten der Wehrmacht vor. Wo Munition rationiert wurde, blieb für die Rumänen weniger übrig. Es war keine bösartige Diskriminierung. Es war die kalte Logik einer hierarchischen Versorgungspriorität, in der die eigenen Truppen vor den Verbündeten kamen. Doch die Folgen waren unerbittlich.
Als der Kessel von Stalingrad am 2. Februar 1943 kapitulierte, waren von den 53.000 Rumänen, die zwei Monate zuvor noch lebten, nur noch wenige Tausend übrig. Etwa 3.000 bis 5.000 wurden gefangen genommen. Der Rest war tot. Gefallen im Häuserkampf, erfroren in den Ruinen, verhungert in den Lazaretten, gestorben an Wunden, an Typhus, an Erschöpfung. Aus der Sowjetunion, aus den Lagern, in die die Gefangenen verschleppt wurden, sollten nach dem Krieg von den ursprünglich Eingeschlossenen nur einige Hundert in die Heimat zurückkehren. Insgesamt verlor die rumänische Armee in der Schlacht von Stalingrad und den Operationen am Don im Winter 1942/43 zwischen 158.000 und 183.000 Soldaten, je nachdem, welche Quellen man heranzieht und wie man die Vermissten zählt. Es war die größte militärische Katastrophe, die Rumänien jemals erlitten hat, größer als alle Schlachten des Ersten Weltkriegs zusammen, größer als alle Niederlagen der türkischen Kriege des 19. Jahrhunderts.
16 rumänische Divisionen wurden in diesen Wochen vernichtet oder so schwer beschädigt, dass sie nie wieder als kampffähige Verbände aufgestellt werden konnten. Es waren die Eliteverbände der rumänischen Armee, die hier verbluteten, die erfahrensten Offiziere, die besten Unteroffiziere, die ausgebildetsten Mannschaften. Alle ruhten in den weißen Steppen zwischen dem Don und der Wolga oder vegetierten in sowjetischen Lagern dahin, in denen die Sterblichkeit in den ersten Wochen über 50 Prozent betrug. Die Heimat verlor in wenigen Wochen eine ganze militärische Generation.


