**Der ungelöste Albtraum von Wien: Der brutale Mord an der Mannequin-Schülerin Ilona Faber**
Am 14. April 1958 verschwand die 21-jährige Ilona Faber spurlos in Wien. Wenige Stunden später wurde ihre grausam misshandelte Leiche halb verscharrt hinter dem Russendenkmal am Schwarzenbergplatz gefunden. Der Mord an der hübschen, lebenslustigen jungen Frau löste in der jungen Zweiten Republik ein nationales Entsetzen aus und wurde zum ersten großen Kriminalfall der Nachkriegszeit. Bis heute blieb er ungelöst.

Ilona Faber, eigentlich Helene, wuchs in der vornehmen Argentiniastraße in einer angesehenen Familie auf. Ihr Vater, Ministerialrat Dr. Ludwig Faber, bekleidete eine hohe Position im Handelsministerium. Neben ihrer Arbeit als Stenotypistin besuchte sie die renommierte Mannequin-Schule von Hedi Pfundmeier in der Schottengasse. Die junge Frau war schön, gebildet und voller Träume. An jenem Montagabend wollte sie unbedingt den neuen Elvis-Presley-Film „Gold aus heißer Kehle“ im Kino am Schwarzenbergplatz sehen. Weil ihre strengen Eltern das nicht erlaubten, log sie und verließ die Wohnung gegen 18:30 Uhr mit der Ausrede, zur Schule zu gehen.
Ilona wurde im Kino gesehen. Nach der Vorstellung um 21:45 Uhr verließ sie es eilig. Sie kam nie zu Hause an. Am nächsten Morgen entdeckte eine Wache die halb im Erdreich vergrabene Leiche. Die gerichtsmedizinische Untersuchung ergab schreckliche Details: schwere Misshandlungen, Bissspuren, Würgemale, ein gebrochenes Zungenbein und Anzeichen sexueller Gewalt. Ilona war offenbar lebendig verscharrt worden und an Erstickung durch Erdreich gestorben. Der Mord geschah vermutlich zwischen 22 und 24 Uhr.
Schnell geriet der 30-jährige Arbeitslose und mehrfach vorbestrafte Johann Gassner in Verdacht. Seine Fußspuren passten, ein Ohrring von Ilona wurde nahe seinem Stammlokal am Naschmarkt gefunden. Doch Blut- oder Erdspuren fehlten an seiner Kleidung. 1959 kam es zum spektakulären Indizienprozess. Nach zehn Verhandlungstagen wurde Gassner in den Hauptanklagepunkten freigesprochen – nur wegen kleinerer Delikte verurteilt. Die Geschworenen waren uneins, Beweise blieben schwach.

Gerüchte über eine angebliche Orgienwohnung in der nahen Prinz-Eugen-Straße, wo hochrangige Persönlichkeiten verkehrt haben sollen, und ein Schrei aus dieser Wohnung ließen nie ganz verstummen. Spätere Hinweise auf einen anderen möglichen Täter führten ebenfalls ins Leere. Der Fall blieb ein Cold Case.
Der brutale Mord an Ilona Faber erschütterte Österreich zutiefst und fachte die Debatte um die Wiedereinführung der Todesstrafe neu an. Die junge Frau mit ihren Träumen von Schönheit, Tanz und Freiheit wurde zum Symbol für die dunkle Seite der Nachkriegszeit. Ihr Schicksal mahnt bis heute: Manche Verbrechen bleiben ungesühnt, doch die Opfer verdienen, dass man sich ihrer erinnert. (ca. 505 Wörter)


