Der Frühling des Jahres 1940 begann mit einer militärischen Gewissheit, die binnen weniger Wochen in Scherben fiel. Die französische Armee galt als die stärkste der Welt, gestützt auf die gewaltige Maginot-Linie, Millionen ausgebildeter Soldaten und eine Panzerflotte, die der deutschen zahlenmäßig überlegen war. Die alliierten Generäle rechneten fest mit einem deutschen Angriff durch Belgien, genau wie 1914. Sie stellten ihre besten Verbände dorthin. Sechs Wochen später war Frankreich besiegt, die britischen Truppen vom Kontinent vertrieben und ganz Europa stand unter Schock. Der Begriff Blitzkrieg, erst später geprägt, verdeckt mehr als er erklärt. Die Wahrheit ist komplexer und zeigt ein perfektes Zusammenspiel dreier Elemente: ein kühner Plan, die Konzentration der Kräfte und ein revolutionäres Führungsprinzip.
Die Planung begann im Herbst 1939 mit einem ersten Entwurf namens Fall Gelb, der einen Hauptstoß durch Belgien und die Niederlande vorsah. Dies war im Kern eine abgeschwächte Wiederholung des gescheiterten Schlieffen-Plans aus dem Ersten Weltkrieg. Innerhalb der Generalität wuchs die Skepsis, denn dieser Angriff hätte frontal gegen die stärksten alliierten Kräfte geführt, die genau dort erwartet wurden. Ein solcher Frontalangriff versprach schwere, langwierige Kämpfe ohne schnelle Entscheidung. Die Aussicht auf einen begrenzten Gewinn trieb einen Teil der deutschen Führung zur Suche nach einer grundlegend anderen Lösung.
Die Entwicklung der deutschen Panzerwaffe in den Jahren zuvor war der Schlüssel. Nach dem Ersten Weltkrieg war Deutschland der Besitz von Panzern durch den Versailler Vertrag verboten. Eine Gruppe von Offizieren um Heinz Guderian entwickelte die Theorie, dass der Panzer nicht als Stütze der Infanterie, sondern als selbständiges Mittel des operativen Durchbruchs dienen müsse. Guderian fasste diese Gedanken 1937 in seinem Buch Achtung Panzer zusammen. 1935 wurden die ersten drei Panzerdivisionen aufgestellt, die Panzer, motorisierte Infanterie und bewegliche Artillerie vereinten. Der Polenfeldzug 1939 diente als erste Bewährungsprobe, die Stärken und Schwächen offenbarte, die bis zum Westfeldzug gezielt behoben wurden.
Den entscheidenden Anstoß gab Generalleutnant Erich von Manstein, Stabschef der Heeresgruppe A. Manstein hielt den ursprünglichen Plan für unzureichend, weil er die Schwäche der alliierten Aufstellung nicht ausnutzte. Seine Überlegung war einfach und folgenreich: Wenn der Gegner den Hauptangriff im Norden erwartet, muss der wirkliche Stoß dort geführt werden, wo niemand ihn vermutet. Manstein richtete den Blick auf die Ardennen, ein dicht bewaldetes, hügeliges Gelände, das die französische Führung für Panzerverbände als praktisch unpassierbar einstufte. Genau diese Annahme machte das Gebiet so wertvoll. Sein Konzept, später als Sichelschnitt bekannt, sah vor, die Masse der Panzer durch die Ardennen zu führen, an der Maas durchzubrechen und dann in einem weiten Bogen zur Kanalküste vorzustoßen, um die alliierten Armeen in Belgien von rückwärts abzuschneiden.
Die Stärke dieses Gedankens lag in der Wahl des Schwerpunkts. Die Ardennen bildeten die Naht zwischen der starken Nordgruppe in Belgien und der auf die Maginot-Linie gestützten Verteidigung im Osten. An dieser Naht waren die französischen Kräfte am schwächsten, weil hier am wenigsten mit einem Angriff gerechnet wurde. Der kühne Entwurf allein hätte jedoch nicht genügt. Guderian fügte eine zweite Dimension hinzu: Der Durchbruch an der Maas durfte kein Selbstzweck sein. Die Panzerdivisionen sollten sofort und ohne Pause nach Westen vorstoßen, tief in den Rücken des Gegners, bevor dieser sich neu ordnen konnte. Dieser Gedanke war mit hohem Risiko verbunden, denn er bedeutete weit offene Flanken über große Entfernungen.
An dieser Stelle zeigt sich der dritte und vielleicht tiefste Faktor des deutschen Erfolgs: die Auftragstaktik. Dieses Führungsprinzip besagt, dass der vorgesetzte Befehlshaber das Ziel und die Absicht vorgibt, die Art und Weise der Umsetzung jedoch dem Kommandeur vor Ort überlässt. Dieser kennt die Lage am besten und soll aus eigener Initiative handeln, sobald sich eine Chance bietet. Über Jahrzehnte war dieses Denken in der deutschen Armee gewachsen und in der Ausbildung verankert. Es schuf eine Truppe, die sich rasch anpasste, wenn ein Plan auf Hindernisse traf. Im Westfeldzug erwies sich dieses Prinzip als ebenso bedeutsam wie jeder Panzer.
Die praktische Vorbereitung folgte dieser Logik. Den Kern des Angriffsverbandes bildete die Panzergruppe Kleist, in deren Zentrum Guderians XIX. Armeekorps mit drei Panzerdivisionen und dem Regiment Großdeutschland stand. Diese Ballung gepanzerter Kräfte an einem Punkt war die unmittelbare Anwendung des Schwerpunktgedankens. Die Verlegung dieser Verbände wurde sorgfältig verschleiert. Im Norden täuschten andere Verbände einen kraftvollen Hauptangriff vor, der die Aufmerksamkeit und die besten Reserven der Alliierten genau dorthin zog, wo Manstein sie haben wollte. Fallschirmjäger verstärkten diesen Eindruck.
Die Frage, warum die alliierte Seite die Gefahr nicht rechtzeitig erkannte, hat tiefere Ursachen. Die französische Militärdoktrin war stark von den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs geprägt und setzte auf eine methodische, sorgfältig vorbereitete Schlacht mit fester Front. Schnelligkeit und tiefe eigenständige Vorstöße fügten sich nicht in dieses Denken. Die Aufklärung lieferte Hinweise auf Bewegungen in Richtung der Ardennen, doch diese Meldungen passten nicht in das vorgefasste Bild und wurden unterschätzt. Hinzu kam die feste Überzeugung von der Unpassierbarkeit jener Wälder. Wer davon ausgeht, dass ein bestimmter Weg dem Feind verschlossen bleibt, sichert ihn nur schwach und reagiert langsam, wenn der Feind ihn dennoch beschreitet.
Am 10. Mai 1940 begann der Plan Wirklichkeit zu werden. Während im Norden der vorgetäuschte Hauptangriff die alliierten Verbände nach Belgien lockte, schoben sich die Panzerdivisionen in die engen Täler der Ardennen. Das schwierigste Hindernis war nicht der Feind, sondern das Gelände selbst. Auf den schmalen Waldstraßen stauten sich tausende Fahrzeuge zu Kolonnen über mehr als hundert Kilometer. Ein einziger blockierter Übergang hätte das gesamte Vorhaben ins Stocken bringen können. Doch die französische Verteidigung in diesem Raum war dünn, schlecht koordiniert und auf einen solchen Vorstoß nicht eingestellt. Die deutschen Vorausabteilungen drängten unaufhörlich nach vorn.
Das Tempo dieses Vormarsches war nur möglich, weil die einzelnen Waffengattungen eng zusammenwirkten. Die Panzerdivisionen waren bewegliche Kampfgemeinschaften aus Panzern, motorisierter Infanterie, Artillerie, Pionieren und Aufklärung. Diese Mischung erlaubte es, auf nahezu jede Lage sofort zu reagieren. Eine besondere Bedeutung kam der Luftwaffe zu, vor allem den Sturzkampfflugzeugen vom Typ Junkers 87, den Stukas. Sie wirkten als fliegende Artillerie, die gezielt feindliche Stellungen angreifen konnten. Ihre Wirkung war nicht allein materiell, sondern auch psychologisch, das heulende Geräusch der Sturzflüge lähmte die Verteidiger.
Der entscheidende Augenblick des Feldzugs kam mit dem Erreichen der Maas. Am 13. Mai stand Guderians Korps vor dem Fluss bei Sedan. Der Übergang über einen verteidigten Fluss gilt als eine der schwierigsten Aufgaben. Die deutsche Lösung bestand in einer sorgfältig abgestimmten Konzentration von Feuerkraft. Stundenlang griffen Wellen von Stukas die französischen Stellungen an, unterstützt durch Artillerie und direktes Feuer der Panzer. Dieses anhaltende Feuer zielte darauf, die Verteidiger niederzuhalten und zu lähmen. Unter diesem Schutz begannen Sturmgruppen der Infanterie mit Schlauchbooten den Fluss zu überqueren.
Der Zusammenbruch der französischen Verteidigung bei Sedan vollzog sich mit einer Schnelligkeit, die selbst auf deutscher Seite kaum erwartet worden war. Die Stellungen wurden von Verbänden gehalten, die aus älteren Reservisten bestanden und unzureichend ausgebildet waren. Diese Truppen waren der Wucht des konzentrierten Luft- und Artilleriefeuers psychologisch nicht gewachsen. Als sich das Gerücht verbreitete, deutsche Panzer hätten den Fluss bereits überschritten, brach an mehreren Stellen Panik aus, die ganze Einheiten erfasste und in ungeordneter Flucht enden ließ. Dieser frühe Zusammenbruch der Moral erklärt einen wesentlichen Teil des deutschen Erfolgs.
Während die Sturmgruppen den errungenen Vorteil sofort ausnutzten und ihre Brückenköpfe verbreiterten, fehlte der französischen Führung die Zeit, um die zerfallende Lage zu stabilisieren. Der Übergang bei Sedan wurde zu einem Lehrstück für das Zusammenwirken von Mut, Ausbildung und Initiative. Einzelne Sturmtrupps arbeiteten sich unter feindlichem Feuer an die Bunker heran und schalteten sie im Nahkampf aus. Die Pioniere begannen unter schwierigsten Bedingungen mit dem Bau von Übergängen für die Panzer. Hier zeigte sich die Auftragstaktik in ihrer reinsten Form. Die Lage änderte sich von Stunde zu Stunde, und es war unmöglich, jede Einzelheit von oben zu steuern.
Guderian selbst hielt sich in vorderster Linie auf und koordinierte den Übergang vor Ort. Noch am Abend des 13. Mai standen die ersten Kräfte fest am Westufer der Maas. Weiter nördlich vollzog sich ein zweites Beispiel desselben Prinzips. Die 7. Panzerdivision unter Generalmajor Erwin Rommel überquerte die Maas bei Dinant mit vergleichbarer Schnelligkeit. Rommels Verband bewegte sich so rasch und unvorhersehbar, dass er bald den Beinamen Gespensterdivision erhielt. Auch hier war es weniger ein zahlenmäßiges Übergewicht, sondern Tempo und Initiative, die den Erfolg bestimmten.
Die französische Seite war keineswegs untätig, doch ihre Gegenmaßnahmen kamen zu spät und blieben unkoordiniert. Versuche, den deutschen Brückenkopf durch Gegenangriffe zu zerschlagen, etwa in den Kämpfen um den Ort Stonne, scheiterten an mehreren Faktoren. Die französischen Verbände litten unter einer schwerfälligen Befehlsstruktur, in der Entscheidungen langsam getroffen wurden. Die Funkverbindungen waren unzureichend, sodass die Koordination zwischen Einheiten oft zusammenbrach. Vor allem fehlte ein einheitliches, energisches Kommando, das die verfügbaren Reserven rasch und an der richtigen Stelle zusammengefasst hätte.

Während die deutschen Kommandeure auf jeder Ebene eigenständig handelten und Gelegenheiten sofort ergriffen, warteten ihre französischen Gegenüber häufig auf Anweisungen, die entweder zu spät eintrafen oder von der überholten Lage längst überrollt worden waren. So entstand ein wachsendes Ungleichgewicht in der Geschwindigkeit der Entscheidungen, das sich von Tag zu Tag stärker zugunsten der Angreifer auswirkte. Die tiefere Frage lautet, warum dieses Vorgehen so wirkungsvoll war, obwohl die Wehrmacht weder über mehr Panzer noch über mehr Soldaten verfügte. Die Antwort liegt im Zusammenwirken mehrerer Faktoren.
An erster Stelle stand die Konzentration der Kräfte im Schwerpunkt. Statt die Panzer gleichmäßig über die gesamte Front zu verteilen, ballte die deutsche Führung ihre gepanzerten Verbände an einem einzigen Punkt und erzielte dort eine erdrückende örtliche Überlegenheit. Hinzu kam die enge Verbindung von Bodenvorstoß und Luftunterstützung, die die Schlagkraft weiter erhöhte. Vor allem aber stand die Geschwindigkeit der Entscheidungen, die durch die Auftragstaktik möglich wurde. Indem die deutsche Führung den Willen des Gegners durch Tempo und Plötzlichkeit lähmte, gewann sie einen Vorteil, der sich nicht in Zahlen messen ließ.
Mit dem gelungenen Übergang über die Maas stellte sich eine grundlegende Entscheidung. Vor den Panzerdivisionen lag der Weg nach Westen offen, doch ihre Flanken waren über große Entfernungen ungeschützt. Die vorsichtige Lösung hätte darin bestanden, am Brückenkopf zu warten. Genau diese Vorsicht entsprach der Erwartung des Gegners. Guderian und Rommel entschieden sich, den Vorstoß ohne Pause fortzusetzen und das Tempo als wichtigste Waffe zu begreifen. Der Gedanke dahinter war, dass ein Gegner, der ständig in Bewegung gehalten wird, seine offenen Flanken gar nicht ausnutzen kann.
Was nun folgte, ging als der Lauf zum Meer in die Geschichte ein. Die Panzerverbände stießen in raschen Märschen nach Westen vor in Richtung der Kanalküste. Tag für Tag legten sie weite Strecken zurück, durchbrachen schwache Widerstandslinien und ließen befestigte Punkte hinter sich. Am 20. Mai erreichten die vordersten Einheiten bei Abbeville die Mündung der Somme und damit den Ärmelkanal. In diesem Augenblick war eine strategische Katastrophe für die Alliierten Wirklichkeit geworden. Die stärksten Verbände standen weit im Norden in Belgien und waren nun von ihren Nachschublinien abgeschnitten.
Der entscheidende Faktor bei der Bildung dieses Kessels war erneut die Geschwindigkeit. Der Gegner war physisch nicht in der Lage, sich rasch genug umzugruppieren. Während die deutschen Verbände sich unaufhörlich nach vorn schoben, kämpften die alliierten Stäbe vergeblich darum, ein Bild der Lage zu gewinnen. Eine wichtige Rolle spielte der ausgiebige Gebrauch des Funkverkehrs auf deutscher Seite. Nahezu alle Panzer und Befehlsfahrzeuge waren mit Funkgeräten ausgestattet, was eine schnelle Abstimmung über große Entfernungen ermöglichte.
Die alliierte Seite blieb nicht gänzlich ohne Gegenwehr. Am 21. Mai führten britische und französische Verbände bei Arras einen Gegenangriff mit schweren Panzern. Für kurze Zeit lösten diese Panzer auf deutscher Seite ernste Beunruhigung aus, da ihre Panzerung dem Feuer mancher Abwehrwaffen widerstand. Der Vorstoß wurde schließlich abgewehrt, doch er zeigte, welche Wirkung ein rechtzeitig geführter Gegenangriff hätte entfalten können. Genau daran aber fehlte es der alliierten Führung. Die Gegenstöße blieben örtlich begrenzt, schlecht koordiniert und kamen stets zu spät.
Während die eingeschlossene Nordgruppe gegen die Küste gedrängt wurde, entwickelte sich um den Hafen von Dünkirchen eine letzte Verteidigungsstellung. Von dort aus konnte in den folgenden Tagen ein erheblicher Teil der britischen und französischen Truppen über den Kanal evakuiert werden. Die Rettung dieser Soldaten änderte nichts an der bereits gefallenen Entscheidung des Feldzugs. Doch sie bewahrte einen wichtigen Kern erfahrener Truppen vor der vollständigen Vernichtung, ein Umstand, der für den weiteren Kriegsverlauf noch von Bedeutung sein sollte.
Die alliierte Führung blieb in dieser Lage weitgehend handlungsunfähig. Das französische Oberkommando war auf eine Schlacht eingerichtet, die sich in geordneten Bahnen entwickelte. Der plötzliche tiefe Einbruch sprengte diesen Rahmen vollständig. Entscheidungen wurden auf der Grundlage von Lagebildern getroffen, die bereits überholt waren. Mobile Reserven standen nicht in ausreichender Zahl an der richtigen Stelle bereit. Hinzu kam ein Verlust an Zuversicht in den Führungsebenen, der die ohnehin langsame Entscheidungsfindung weiter lähmte.
An dieser Stelle lohnt sich eine nüchterne Betrachtung der eigentlichen Ursache des deutschen Erfolgs. Es war ausdrücklich nicht die zahlenmäßige Überlegenheit, denn diese bestand nicht. In der Gesamtzahl der Panzer waren die Alliierten sogar im Vorteil. Entscheidend war die Kombination aus dem kühnen Entwurf, der den Schlag an die unerwartete Stelle verlegte, dem konsequenten Tempo, das dem Gegner keine Ruhe ließ, der Initiative der Kommandeure auf allen Ebenen und der hohen Ausbildung der Besatzungen. Diese Faktoren zusammen erzeugten den Eindruck der Unaufhaltsamkeit.
Die weitere Entwicklung folgte als logische Fortsetzung. Nachdem die eingeschlossene Nordgruppe weitgehend ausgeschaltet oder abgedrängt worden war, richtete sich der deutsche Angriff im Rahmen der Operation Fall Rot gegen den verbliebenen französischen Widerstand im Süden. Doch die Entscheidung des Feldzugs war bereits in jenen Maitagen gefallen, in denen der Sichelschnitt seine volle Wirkung entfaltete. Innerhalb von etwa sechs Wochen war ein Feldzug abgeschlossen, den kaum jemand für möglich gehalten hatte. Frankreich, das wenige Wochen zuvor als militärische Großmacht gegolten hatte, war besiegt.
Drei Elemente hatten in ihrem Zusammenwirken diesen Ausgang ermöglicht. Das erste war der kühne operative Entwurf, der Sichelschnitt mit der bewussten Wahl des Schwerpunkts in den als unpassierbar geltenden Ardennen. Das zweite war die konsequente Umsetzung der Auftragstaktik, jenes Vertrauens in die Initiative der Kommandeure vor Ort, das eine außergewöhnliche Geschwindigkeit der Entscheidungen erlaubte. Das dritte war das enge Zusammenwirken der Waffengattungen, das reibungslose Ineinandergreifen von Panzern, Infanterie, Pionieren, Artillerie und Luftwaffe.
Keines dieser Elemente hätte für sich allein genügt. Doch in ihrer Verbindung entfalteten sie eine Wirkung, die weit über die Summe der einzelnen Teile hinausging. Der Westfeldzug wurde zu einem der am gründlichsten untersuchten Beispiele der modernen Kriegsgeschichte. Seine Prinzipien beeinflussten das militärische Denken weit über jene Epoche hinaus. Die Frage, wie der Gedanke der konzentrierten beweglichen Kräfte, der eigenständigen Führung und des schnellen Entscheidungszyklus die Kriegskunst prägte, beschäftigt Militärhistoriker bis in die Gegenwart.
Zugleich verdeutlicht dieser Feldzug eine Einsicht, die über alle technischen Einzelheiten hinausreicht. Letztlich entschieden nicht allein die Maschinen über den Ausgang, sondern die Menschen, die sie führten, und die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen und umgesetzt wurden. Geschwindigkeit, Initiative und das Zusammenwirken vieler einzelner an der richtigen Stelle erwiesen sich als ebenso bedeutsam wie Stahl und Feuerkraft. Eben darin liegt der bleibende Wert dieses Beispiels für jede ernsthafte Beschäftigung mit der Geschichte der Kriegführung. Es zeigt, dass die wirksamste Methode stets jene ist, die das Denken des Gegners überholt, bevor seine Mittel überhaupt zur Geltung kommen.

