Die unheimliche Nacht als LKW-Fahrer auf der leeren Feldstraße – platte Reifen, der Mann ohne Auto und die Verschwundenen vor ihm

Ich war auf einer mehrtägigen Lieferroute durch den Osten unterwegs. Diese Strecke bin ich schon hunderte Male gefahren, und am Anfang der Nacht war nichts Ungewöhnliches. Ich fuhr auf einer sehr langen, fast leeren Landstraße – keine Autobahn, weil meine Ablieferungen in kleinere Städte und Orte gehen und ich die großen Fernstraßen nicht die ganze Zeit nehmen kann. Die meiste Zeit waren es weite, flache Felder, so weit das Auge reichte. Mitten in dieser Einöde merkte ich plötzlich, dass mit dem Lkw etwas nicht stimmte. Das Fahrgeräusch wurde extrem laut, und der Wagen begann zu vibrieren. Ich fuhr sofort auf den Seitenstreifen und stellte den Motor ab. Es ging so schnell, dass ich gar keine Zeit hatte, darüber nachzudenken, was es sein könnte.
Ich saß einen Moment da und hoffte, es sei nichts Schlimmes. Dann stieg ich aus. Draußen war es totenstill. Das hohe Gras auf beiden Seiten der Straße bewegte sich im Wind, sonst nichts. Auch in der Ferne waren keine Lichter zu sehen. Schnell sah ich, dass ein Reifen platt war – und er verlor weiter Luft. Ich war so auf diesen einen Reifen fixiert, dass es ein paar Minuten dauerte, bis mir auffiel: Es war nicht der einzige. Von den achtzehn Rädern waren sechs platt. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Es wirkte fast so, als wäre ich über einen Nagelstreifen gefahren – so plötzlich und bei so vielen Reifen gleichzeitig.
Klar war, dass ich das nicht allein reparieren konnte. Ich holte sofort mein Handy und rief die Pannenhilfe. Solche Sachen machen einen als Fahrer wahnsinnig, weil man die Zeit nicht bezahlt bekommt. In dieser abgelegenen Gegend würde die Hilfe etwa zwei Stunden brauchen – und das war nur die Schätzung. Es konnte leicht doppelt so lange dauern.
Ich schrie meine Frustration in die leere Gegend hinaus (zum Glück hörte mich niemand) und stieg wieder in die Kabine. Dreißig Minuten vergingen. Die Straße blieb absolut still. Kein einziges Auto kam vorbei. Ich scrollte auf dem Handy, als ich im Seitenspiegel ein Licht bemerkte. Nur aus dem Augenwinkel. Ich schaute nicht richtig hin, weil ich dachte, das Auto würde in ein paar Sekunden vorbeifahren. Etwa eine Minute später blickte ich auf – und realisierte, dass niemand vorbeigekommen war. Im Spiegel war nichts mehr. Das Licht war weg. Ich öffnete die Tür und schaute zurück. Auf dieser einspurigen Straße gab es keine Möglichkeit zum Wenden und auch keinen Grund dafür. Wie konnte ein Auto einfach auftauchen und wieder verschwinden, ohne an mir vorbeizufahren?
Ich war nicht direkt verängstigt, aber es war unheimlich, allein hier festzusitzen. Ich rieb mir die Augen, nahm einen Energy-Drink und stieg aus, um frische Luft zu holen. Ich ging auf die Seite zum Feld, lehnte mich an den Lkw und wartete. Nach etwa zehn Minuten hörte ich das Gras bewegen – nicht wie vom Wind, sondern als würde sich etwas hindurchbewegen. Ich stellte mich steif auf und starrte ins Feld, sah aber nichts.
Fünfzehn Sekunden später rief plötzlich eine Stimme von der anderen Seite des Lasters. Ich erschrak heftig. Ein Mann stand auf der Straße am Ende des Aufliegers, schaute um den Wagen herum zu mir und fragte, ob alles in Ordnung sei. Sofort stieß mich ab, dass hinter ihm kein Auto zu sehen war. Wie kam er hierher?
Er kam näher. Mitte vierzig, grauer Bart, extrem müde aussehend. Etwas an seinem Blick war unangenehm und unheimlich. Er fragte nach der Panne und ob ich klar käme. Ich sagte, mir ginge es gut und die Hilfe sei jeden Moment da – eine Lüge, in der Hoffnung, er würde gehen. Selbst bei guten Absichten hätte er ohnehin nichts machen können. Doch seltsamerweise stellte er weiter Fragen und blieb. Dabei huschten seine Augen ständig hin und her – von mir zum Feld neben uns.
In dem Moment fühlte ich mich bedroht und unwohl. Ich wusste, dass ich zurück in den Lkw musste. Drinnen war ich zumindest hinter verschlossenen Türen. Ich begann, um den Wagen herumzugehen. Der Mann folgte mir. Es wirkte, als wolle er mich am Einsteigen hindern. Als ich jedoch auf der Fahrerseite ankam und mich in den Sitz setzte, war er plötzlich weg. Er hatte aufgehört zu reden und stand nicht an der Tür. Absolute Stille. In beiden Spiegeln war er nicht zu sehen. Kein Auto weit und breit. Der einzige Ort, an den er verschwunden sein konnte, war das hohe Grasfeld.
Je länger ich darüber nachdachte, desto unheimlicher wurde mir. Ich verriegelte alles und blieb die nächsten zwei Stunden angespannt sitzen, das Handy griffbereit. Als die Pannenhilfe endlich kam, erklärten wir die Situation und ich konnte weiterfahren.
Ich erzählte dem Mechaniker von der merkwürdigen Begegnung. Er sagte, ihm sei auf genau dieser Straße vor ein paar Monaten etwas Ähnliches passiert. Ein junger Fahrer hatte angerufen – plötzlich seien alle Reifen geplatzt. Der Mechaniker brauchte etwa eineinhalb Stunden. Als er ankam, stand das Auto mit vier platten Reifen auf dem Seitenstreifen – aber der Fahrer war verschwunden. Einfach weg. Er suchte die Straße auf und ab, überließ es dann der Polizei.
Das macht meine Erfahrung zu mehr als nur unheimlich. Wenn ich daran denke, was dieser Mann wirklich vorhatte und ob er allein da draußen war… Diese Nacht hätte ganz anders enden können.


