Ein verhängnisvoller Fehler beim Blind Date bringt eine alleinerziehende Mutter ins Visier der Mafia – und weckt die dunkle Obsession eines Milliardärs…

Teil 1
Sarah Jenkins stand vor dem Ganzkörperspiegel in ihrer engen Wohnung in Berlin-Neukölln und kämpfte einen aussichtslosen Kampf mit ihrer Shapewear. Mit 34 Jahren trug sie Kleidergröße 48, war alleinerziehende Mutter des hyperaktiven sechsjährigen Leo und einfach nur unendlich erschöpft. Dating-Apps waren für sie ein Albtraum: Entweder erntete sie wegen des Wortes „kurvig“ in ihrer ehrlichen Biografie sofortige Ablehnung oder geschmacklose, fetischisierende Nachrichten.
Aber ihre beste Freundin Jessica hatte keine Ruhe gegeben. „Er heißt David“, hatte sie ihr eingeredet. „Er ist Buchhalter. Ein bisschen langweilig, aber solide. Er mag Kinder und hat einen Tisch im Borchardt reserviert. Zieh das weinrote Kleid an und geh einfach hin.“
Nun stand sie hier in einem weinroten Wickelkleid, das jede Rundung und jede weiche Kontur ihres Körpers betonte. Sie wollte nur für einen einzigen Abend vergessen, dass sie als kleine Verwaltungsangestellte bei einer Spedition arbeitete, und sich einfach wieder wie eine begehrenswerte Frau fühlen.
Am anderen Ufer der Spree, in einem dunkel getäfelten Büro in Mitte, wischte Matteo Romano einen einzelnen Blutstropfen von seiner goldenen Rolex. Matteo war 38, ein Mann wie aus Granit gemeißelt. Offiziell war er CEO von Romano Imports. Inoffiziell kontrollierte er als Kopf des Romano-Syndikats die Berliner Frachthäfen mit eiserner Hand. Heute Abend suchte er keine Romantik. Er sollte eine Informantin treffen – Deckname „Scarlet“ –, die das Kassenbuch seiner Erzfeinde, des Moretti-Clans, besaß. Das Erkennungsmerkmal: ein dunkelrotes Kleid.
Als Sarah im Restaurant ankam, führte die exklusive Hostess sie zu einem Ecktisch im hinteren Bereich. Als Sarah den Mann sah, der dort wartete, stockte ihr der Atem. Das war kein langweiliger Buchhalter. Er trug einen maßgeschneiderten Tom Ford-Anzug, der seine unmenschlich breiten Schultern betonte. Seine dunklen Haare waren streng zurückgekämmt, seine Kieferlinie messerscharf. Doch es waren seine Augen, die sie einfrieren ließen – pechschwarz, intensiv und von raubtierhafter Berechnung.
Matteo musterte die Frau. Sie war nicht das, was er erwartet hatte. Informantinnen waren meist nervöse, abgemagerte Wracks. Diese Frau war weich, kurvig und strahlte eine verlegene, warme Herzlichkeit aus.
„Hallo“, sagte Sarah mit einem schüchternen Lächeln. „Ich bin Sarah. Du musst…“, sie brach ab. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass dieser Mann David hieß.
„Setz dich“, befahl Matteo mit tiefer, rauer Stimme. Er vermutete eine Falle der Morettis. „Hast du dabei, worum ich gebeten habe?“
Sarah runzelte die Stirn, griff in ihre Handtasche und holte ein zerlesenes Stephen-King-Taschenbuch heraus. „Jessica meinte, du liest gerne…“
Matteo starrte auf das Buch, dann in ihre unschuldigen, haselnussbraunen Augen. Keine versteckte Wanze, kein eiskaltes Kalkül. Nur eine Frau auf einem Blind Date. In Sekundenbruchteilen begriff sein messerscharfer Verstand den Fehler der Hostess. Er hätte sie wegschicken müssen. Doch als er das nervöse Erröten auf ihrem Hals sah und wie sie unauffällig versuchte, den Stoff über ihrem Bauch zu richten, passierte etwas völlig Fremdes in seiner Brust. In einer Welt voller plastischer, geldgieriger High-Society-Frauen und skrupelloser Killer war diese Frau echt.
Ein langsames, gefährliches Lächeln stahl sich auf seine Lippen. „Stephen King. Mein Lieblingsautor.“
Teil 2
Zwei Stunden lang unterhielt sich Matteo mit ihr. Je mehr sie erzählte – über ihren Sohn, ihre Geldsorgen, ihren stressigen Job bei Apex Logistik –, desto mehr schwand sein Misstrauen und wich einer tiefen Faszination. Sie aß ihr Abendessen mit ehrlichem Genuss, anstatt wie die Frauen in seinem Kreis lustlos im Salat zu picken.
Als sie erwähnte, dass sie bei Apex Logistik arbeitete, fror Matteos Lächeln kurz ein. Er kannte die Firma – sie war eine bekannte Scheinfirma der Morettis. Doch Sarah war völlig ahnungslos. Sie war keine Spionin; sie war eine unschuldige Frau, die mitten in ein Minenfeld geraten war.
„Ich muss zugeben“, sagte Sarah am Ende des Abends leise und sah auf ihre Hände. „Als ich dich sah, wollte ich fast umdrehen. Du bist… bildschön. Und ich bin, nun ja…“, sie gestikulierte vage an ihrem Körper entlang. „Ich dachte, du erfindest eine Ausrede und gehst.“
Matteo legte seine große, vernarbte Hand über ihre. „Sarah“, flüsterte er mit rauer Intensität. „Wenn ein Mann dumm genug ist, vor einer so wunderschönen, weichen Frau wie dir wegzulaufen, verdient er es, erschossen zu werden.“ Er meinte es wörtlich. Sarah hielt es für pure Romantik.
Am Montagmorgen glaubte Sarah an einen Fiebertraum. Doch als sie an ihren Schreibtisch bei Apex Logistik kam, stand dort ein gigantischer Strauß schwarzer Baccara-Rosen. Auf der Karte stand nur ein Buchstabe: M. Ihr schmieriger Chef, ein verschwitzter Mann namens Paulie, belauerte die Blumen mit tiefem Argwohn.
Gleichzeitig eskalierte die Situation in Matteos Penthouse. Sein Unterführer Vincent knallte eine Akte auf den Tisch. „Die Informantin Scarlet ist tot. Sie haben sie aus der Spree gefischt. Und die Frau, die du im Restaurant getroffen hast – sie arbeitet für Apex Logistik. Carmine Moretti besitzt Apex! Sie ist eine Pflanze, Matteo. Lass sie mich abholen und die Wahrheit aus ihr herausprügeln.“
Matteo sprang auf, packte Vincent am Revers und schmetterte ihn gegen die bodentiefe Glasscheibe. „Wenn du oder irgendjemand aus dieser Familie auch nur auf 15 Meter an Sarah Jenkins herangeht, hacke ich dir die Hände ab!“, knurrte er tödlich leise. „Sie ist eine alleinerziehende Mutter, die für 15 Euro die Stunde die Lohnabrechnung macht. Sie ist nicht Teil des Spiels. Ich werde Apex Logistik dem Erdboden gleichmachen, aber vorher hole ich sie da raus.“
Teil 3
Am Mittwochabend hielt Matteos gepanzerte Limousine vor Sarahs baufälligem Mietshaus. Als er an Klopfte, öffnete Sarah in einer verwaschenen Jogginghose, ein Fleck Mehl auf der Stirn. Sie wollte im Erdboden versinken. Doch für Matteo, der in einer sterilen, von Bodyguards bewachten Villa lebte, fühlte sich diese chaotische, nach Vanille und Lasagne duftende Wohnung wie das Paradies an.
„Du bist wunderschön“, sagte er, und die absolute Aufrichtigkeit in seinen Augen ließ ihr Herz stolpern.
Zwei Stunden lang saß Matteo Romano – der Mann, der in der Vorwoche drei Mordbefehle erteilt hatte – auf einer winzigen Couch, aß verkochte Lasagne und half dem kleinen Leo, ein Lego-Raumschiff zu bauen. Als Leo im Bett war, zog Matteo Sarah ohne Zögern auf seinen Schoß.
„Matteo, ich bin zu schwer für dich“, protestierte sie verlegen. „Hör auf“, murmelte er, schlang seine massiven Arme um ihre Taille und drückte sie fest an seine Brust. „Du bist perfekt. Du fühlst dich an wie eine Göttin, Sarah. Hör auf, dich dafür zu entschuldigen, dass du Raum einnimmst.“
Der intime Moment wurde jäh durch das brutale Aufheulen eines Motors auf der Straße zerrissen. Sekunden später splitterte das Wohnzimmerfenster. Ein Hagel von Kugeln riss durch die Wände und zerfetzte die Couch. Matteo reagierte sofort, riss Sarah zu Boden und schützte ihren Körper mit seinem eigenen, während er seine Waffe zog.
Als der Beschuss aufhörte, stürmten Matteos Männer das Gebäude. Innerhalb von Minuten war die Straße von schwarzen SUVs blockiert. Matteo hob die am ganzen Körper zitternde Sarah hoch. „Dein Chef, Paulie Russo, arbeitet für die Morettis“, erklärte er ihr im Auto, während Leo sicher auf dem Schoß seines Fahrers saß. „Sie haben die Rosen gesehen. Sie dachten, du bist eine Spionin, die ich eingeschleust habe – oder meine Schwachstelle. Wegen mir wurde dein Sohn fast getötet. Du bist jetzt in Sicherheit. Du gehörst zu mir, und niemand fasst an, was mir gehört.“
Teil 4
Sie fuhren zu Matteos Anwesen am Stadtrand – einer uneinnehmbaren Festung aus Stein und Glas. Im luxuriösen Hauptschlafzimmer brach Sarah endgültig zusammen. Sie saß auf der Bettkante und weinte.
Matteo sank vor ihr auf die Knie. Der mächtige Mafiaboss kniete auf dem harten Holzboden vor einer Frau in Übergroßen Jogginghosen.
„Ich passe hier nicht hin, Matteo“, schluchzte sie, während Tränen über ihre vollen Wangen liefen. „Deine Welt ist perfekt. Die Frauen, die du sonst datest, sind magere Supermodels. Ich habe Dehnungsstreifen, ich habe Bauchansatz, ich habe Schulden. Warum tust du das?“
Matteos Augen brannten vor besitzergreifender Leidenschaft. Er drängte sich zwischen ihre Schenkel. „Weil mein ganzes Leben eine Lüge ist, Sarah“, sagte er mit rauer, emotionaler Stimme. „Umgeben von hungernden Frauen, die nur mein Geld wollen, und Feinden, die meinen Tod suchen. Ich habe 38 Jahre lang in der Kälte gelebt. Und dann hast du dich an meinen Tisch gesetzt.“ Er gleitete mit seinen Händen über ihre schweren Hüften. „Du bist warm. Du bist weich. Du bist echt. Jede Kurve an deinem Körper macht mich wahnsinnig. Ich will kein Model. Ich will eine Frau, die Platz in meinem Bett und in meinem Leben einnimmt. Du bist meine Göttin.“
Als er sie küsste, war es keine Bitte, sondern ein Anspruch. Auf den seidenen Laken vergaß Sarah zum ersten Mal im Leben ihre Unsicherheiten. Sie fühlte sich mächtig. Sie fühlte sich geliebt.
Am nächsten Tag schlug Matteo zu. Während er den Krieg gegen die Morettis auf den Straßen austrug, kam es im Anwesen zur Katastrophe: Der Strom fiel aus, und ein korrupter Leibwächter namens Lorenzo drang in das Zimmer ein, um Sarah und Leo als Geisel zu nehmen.
Doch Sarah war eine Mutter. Als der erste Angreifer die Tür passierte, warf sie sich mit ihren gesamten 120 Kilo und der puren Wucht mütterlicher Todesangst gegen die massive Eichentür. Sie schmetterte sie dem Mann mitten ins Gesicht – ein hässliches Knacken von Knochen, und er ging zu Boden. Bevor der abtrünnige Lorenzo abdrücken konnte, explodierte die Fensterscheibe. Matteo schwang sich an einem Seil herein, von blindem Zorn getrieben, und streckte den Verräter mit zwei gezielten Schüssen nieder.
Stunden später war der Krieg vorbei. Carmine Moretti und Paulie Russo waren tot. Das Romano-Imperium hatte gesiegt.
Matteo fand Sarah auf dem Balkon, wie sie auf den dunklen See hinausblickte. „Ich verstehe, wenn du gehen willst“, sagte er leise, und die plötzliche Verletzlichkeit in seiner Stimme brach ihr das Herz. „Ich kann dir und Leo überall auf der Welt eine neue Identität und ein sicheres, normales Leben finanzieren.“
Sarah drehte sich in seinen Armen um und sah den Mann an, der eine kriminelle Unterwelt in Schutt und Asche gelegt hatte, nur um sie zu beschützen. Den Mann, der ihre Makel wie Heiligtümer behandelte.
„Normal wird völlig überbewertet“, flüsterte sie, nahm sein scharf geschnittenes Gesicht in ihre Hände und küsste ihn. „Ich will kein normales Leben, Matteo. Ich will dich.“
Sarah wusste, dass ihr altes Leben vorbei war. Sie war nicht mehr die erschöpfte, kurvige, alleinerziehende Mutter aus der Speditionsabteilung. Sie war jetzt das Herz des Romano-Imperiums – und Gott gnade jedem, der es wagte, sich ihrer Familie in den Weg zu stellen.



