Die 17. Armee der deutschen Wehrmacht existierte im Frühjahr 1944 nur noch auf dem Papier, während ihre Soldaten auf den Felsen von Chersones im Schwarzen Meer verbluteten, verhungerten oder in den Fluten ertranken. Was als Feldzug zur Eroberung der kaukasischen Ölfelder begann, endete in einer der grausamsten und sinnlosesten militärischen Katastrophen des Zweiten Weltkriegs, die bis heute kaum erzählt wird. Über 400.000 Männer waren auf dem Höhepunkt in dieser Armee zusammengefasst, deutsche und rumänische Divisionen, die im Sommer 1942 noch an den großen Sieg geglaubt hatten. Doch die Niederlage von Stalingrad veränderte alles und der gesamte Südflügel der Ostfront geriet ins Wanken.
Die 17. Armee fand sich plötzlich in einer Position wieder, die militärisch kaum zu halten war. Sie war abgeschnitten vom Rest der Front, eingeklemmt zwischen dem Schwarzen Meer und einem übermächtigen Gegner, verbunden nur mit der Krim über die schmale Straße von Kertsch. Was folgte, war kein schnelles 𝒹𝓇𝒶𝓂𝒶, sondern ein langsames Ersticken über Monate hinweg. Die Soldaten kämpften täglich um Nachschub, um Munition, um Verbandsmaterial, um Brot, während ein Befehl aus dem Führerhauptquartier lautete: Halten um jeden Preis, kein Rückzug, keine Räumung. Der Brückenkopf sei von strategischer Bedeutung, hieß es, doch diese Offensive existierte längst nur noch auf dem Papier.
Die Generäle vor Ort erkannten sofort, dass dieser Brückenkopf auf Dauer nicht zu halten sein würde, aber Widerspruch gegen Hitlers Befehle war zu diesem Zeitpunkt des Krieges bereits lebensgefährlich. So entstand im Frühjahr 1943 der sogenannte Kubanbrückenkopf, ein halbkreisförmiger Verteidigungsring auf der Taman-Halbinsel mit einer Frontlänge von etwa 120 Kilometern. In diesem viel zu kleinen Raum drängten sich zeitweise bis zu 400.000 Soldaten zusammen, deren Versorgung fast ausschließlich über die Straße von Kertsch lief, die von sowjetischen Flugzeugen und Schnellbooten ständig angegriffen wurde. Jede Nacht fuhren Fähren und Transportschiffe durch diese gefährliche Passage und jede Nacht gingen Schiffe verloren.
Der Alltag im Brückenkopf war für die Soldaten eine Tortur, die sich über Monate hinzog. Die Frontlinien lagen oft nur wenige hundert Meter voneinander entfernt und der Beschuss war nahezu ununterbrochen. Die sowjetische Luftwaffe hatte inzwischen die Überlegenheit gewonnen und die deutschen Soldaten in ihren Gräben mussten hilflos zusehen, wie feindliche Schlachtflieger ihre Stellungen angriffen. Die Erde in den Schützengräben war schwer und lehmig, bei Regen verwandelten sich die Stellungen in knöcheltiefe Schlammfelder, in denen die Männer oft stundenlang standen, ihre Stiefel zerfielen und ihre Füße sich entzündeten.
Dazu kamen die Mücken, die in den Sumpfgebieten des Kubandeltas in solchen Schwärmen auftraten, dass sie den Soldaten das Atmen erschwerten und Malaria in den Reihen grassierte. Die Feldsanitäter hatten weder genügend Chinin noch ausreichend Desinfektionsmittel und die Zahl der Kranken stieg von Woche zu Woche. Was die Soldaten besonders zermürbte, war nicht nur die physische Belastung, sondern die Gewissheit, dass ihre Lage mit jedem Tag hoffnungsloser wurde. Sie konnten die Nachrichten von anderen Frontabschnitten hören, sie wussten, dass die Wehrmacht überall auf dem Rückzug war, und sie fragten sich, warum ausgerechnet sie in diesem vergessenen Winkel festgehalten wurden.
Die sowjetische Seite unternahm im Laufe des Jahres mehrere großangelegte Angriffe auf den Brückenkopf. Im Februar begann die Operation, bei der sowjetische Marineinfanteristen bei Noworossijsk landeten und einen kleinen Brückenkopf errichteten, der über Monate hinweg von beiden Seiten erbittert umkämpft wurde. Die Verluste auf beiden Seiten waren erschreckend hoch. Die deutschen Soldaten erlebten Nahkämpfe von einer Brutalität, die selbst kriegserfahrene Veteranen erschütterte. Tag und Nacht wurde geschossen, Handgranaten flogen über kurze Distanzen hin und her und das Schreien der Verwundeten im Niemandsland drang durch die Nacht.
Im September 1943 startete die Rote Armee schließlich ihre große Offensive zur Befreiung von Noworossijsk. Die Angriffe kamen gleichzeitig von Land und von See und die deutschen Verteidigungslinien gerieten unter enormen Druck. Nach tagelangen Kämpfen fiel die Stadt am 16. September und der gesamte südliche Teil des Brückenkopfs begann zu bröckeln. Für die deutschen Soldaten war der Rückzug ein Albtraum. Sie mussten sich unter ständigem Beschuss durch enge Straßen und über zerstörte Brücken zurückkämpfen, während hinter ihnen die sowjetischen Truppen nachrückten. Verwundete wurden auf provisorischen Tragen mitgeschleppt, Fahrzeuge blieben im Schlamm stecken und der Nachthimmel war orange vom Schein der brennenden Stadt.
Erst jetzt, als die militärische Lage endgültig unhaltbar geworden war, gab Hitler widerwillig die Genehmigung zur Räumung des Kubanbrückenkopfs. Die Operation erhielt den Decknamen Brunhild und begann Anfang Oktober 1943. Der Rückzug musste unter extremem Zeitdruck durchgeführt werden, denn die sowjetischen Truppen drängten von allen Seiten nach und die Transportkapazitäten über die Straße von Kertsch waren begrenzt. Jede Nacht setzten Fähren und Landungsboote tausende von Soldaten über die Meerenge auf die Krim über, während sowjetische Bomber und Torpedoflugzeuge die Überfahrt angriffen.
Die Soldaten, die an den Anlegestellen warteten, standen in endlosen Schlangen unter freiem Himmel, ohne Deckung gegen Luftangriffe. Jedes Mal, wenn das Geräusch von Flugzeugmotoren zu hören war, warfen sie sich flach auf den Boden und beteten, dass die Bomben nicht sie treffen würden. Manche Männer standen drei Nächte hintereinander an der Anlegestelle, ohne auf eine Fähre zu kommen, weil die Kapazitäten nicht ausreichten und verwundete Soldaten Vorrang hatten. Die Räumung wurde am 9. Oktober 1943 abgeschlossen und die deutsche Führung feierte sie als Erfolg, weil es gelungen war, den Großteil der Truppen auf die Krim zu bringen.
Rund 260.000 Soldaten, 75.000 Pferde, 20.000 Fahrzeuge und 110.000 Tonnen Material wurden innerhalb von nur fünf Wochen evakuiert. Doch dieser scheinbare Erfolg war in Wahrheit nur der Beginn des nächsten Desasters. Die 17. Armee befand sich nun auf der Krim, einer Halbinsel, die nur über eine schmale Landverbindung im Norden mit dem Festland verbunden war. Genau diese Landverbindung war bereits von sowjetischen Truppen bedroht. Die Soldaten waren dem Kubankessel entkommen, nur um in einen noch größeren Kessel zu geraten. Viele von ihnen ahnten das bereits, als sie von den Fähren auf die Krim stiegen und die Küste der Taman-Halbinsel zum letzten Mal hinter sich sahen.
Die Soldaten, die im Oktober 1943 vom Kubanbrückenkopf auf die Krim übergesetzt worden waren, hofften auf eine Verschnaufpause. Viele von ihnen hatten monatelang in den schlammigen Gräben gelegen, hatten Malaria, Ruhr und Erschöpfung überlebt und sie glaubten, dass die Krim ihnen wenigstens für einige Wochen Ruhe bieten würde. Die Halbinsel war in deutscher Hand, seit die 11. Armee unter Generalfeldmarschall Erich von Manstein sie im Sommer 1942 nach monatelangen Kämpfen erobert hatte. Sewastopol, die mächtige Festungsstadt an der Südwestspitze, war damals nach einer 250-tägigen Belagerung gefallen.
Doch die strategische Lage hatte sich seit jenen Tagen des Triumphes grundlegend verändert. Die Wehrmacht war nicht mehr die Armee, die ganze Halbinseln im Sturm nehmen konnte. Sie war eine Armee auf dem Rückzug, ausgeblutet an hundert Frontabschnitten gleichzeitig. Und die Krim, die einmal als Sprungbrett für weitere Offensiven gedacht war, wurde nun zu dem, was sie geographisch immer gewesen war: eine Halbinsel mit nur wenigen Zugängen, die sich leicht abschneiden ließ. Genau das geschah in den letzten Wochen des Jahres 1943.
Am 1. November begann die 4. Ukrainische Front unter General Fjodor Tolbuchin eine Offensive gegen den Isthmus von Perekop, die schmale Landbrücke im Norden, die die Krim mit dem ukrainischen Festland verband. Gleichzeitig griffen sowjetische Truppen über die Siwasch-Lagune an, ein flaches salziges Binnengewässer östlich von Perekop, das die Deutschen für kaum passierbar gehalten hatten. Doch die sowjetischen Soldaten wateten in der Nacht durch das eiskalte hüfttiefe Wasser, trugen ihre Waffen über dem Kopf und errichteten am Südufer Brückenköpfe, die sich trotz heftiger deutscher Gegenangriffe nicht mehr beseitigen ließen.
Die Verteidiger am Perekop waren zu schwach, um die Durchbrüche abzuriegeln, denn die 17. Armee hatte nach den Verlusten am Kuban nicht genügend Truppen, um die gesamte Nordfront der Krim lückenlos zu besetzen. Es fehlte an Panzern, an schwerer Artillerie, an Munition, an allem, was für eine wirksame Verteidigung nötig gewesen wäre. Zur gleichen Zeit führte die Unabhängige Küstenarmee unter General Andrej Jerjomenko eine amphibische Operation gegen die Halbinsel Kertsch durch, den östlichsten Zipfel der Krim, genau dort, wo die 17. Armee erst wenige Wochen zuvor vom Kuban her übergesetzt worden war.

Anfang November 1943 landeten sowjetische Marineinfanteristen an mehreren Stellen der Küste und bildeten Brückenköpfe, die trotz aller deutschen Bemühungen gehalten wurden. Damit war die Krim nun von zwei Seiten bedroht. Im Norden über Perekop und die Siwasch-Lagune, im Osten über Kertsch. Die 17. Armee saß in einer Falle, deren Wände sich langsam zusammenschoben und die einzige Verbindung zur Außenwelt, die noch funktionierte, waren die Häfen an der West- und Südküste der Krim, allen voran Sewastopol, über die der Nachschub per Schiff aus Rumänien und aus dem Reichsgebiet herangebracht werden musste.
Die Monate zwischen November 1943 und April 1944 waren für die Soldaten auf der Krim eine Zeit quälender Ungewissheit. Die Front war vorläufig zum Stehen gekommen, denn die sowjetischen Truppen brauchten Zeit, um Verstärkungen heranzuführen und ihre Angriffsvorbereitungen abzuschließen. Doch diese relative Ruhe an der Front täuschte über die wahre Lage hinweg. In den Stäben der 17. Armee wusste man genau, was kommen würde. Die Aufklärung meldete täglich den Aufmarsch neuer sowjetischer Divisionen nördlich von Perekop und östlich von Kertsch.
Die Rote Armee konzentrierte dort über 470.000 Soldaten, über 560 Panzer und mehr als 5.300 Geschütze für den Angriff auf die Krim. Dem gegenüber verfügte die 17. Armee über rund 236.000 Mann, darunter etwa 65.000 Rumänen. Ihre Ausstattung mit schweren Waffen war so mangelhaft, dass einzelne Divisionen weniger als die Hälfte ihrer Sollstärke an Artillerie besaßen. Generaloberst Erwin Jenecke, der seit Juni 1943 die 17. Armee befehligte, erkannte die Aussichtslosigkeit der Lage und drängte wiederholt auf eine rechtzeitige Räumung der Krim.
Er legte detaillierte Denkschriften vor, in denen er nachwies, dass die Halbinsel gegen einen Großangriff der Roten Armee nicht zu halten sein würde. Er wies darauf hin, dass die Versorgungslage katastrophal sei, dass die Häfen nur eine begrenzte Aufnahmekapazität hätten und dass eine Evakuierung unter Feinddruck zu einer Katastrophe wie in Stalingrad führen könnte. Doch seine Warnungen verhallten. Hitler weigerte sich kategorisch, die Krim aufzugeben. Er argumentierte, dass ein Rückzug von der Krim die Türkei dazu veranlassen könnte, auf die Seite der Alliierten zu wechseln.
Im Laufe des Winters 1943 auf 1944 verschlechterte sich die Lage der Soldaten auf der Krim schleichend, aber unaufhaltsam. Die Versorgung über See wurde immer schwieriger, denn die sowjetische Schwarzmeerflotte und die Luftwaffe intensivierten ihre Angriffe auf die Transportrouten zwischen Rumänien und der Krim. Transporter wurden versenkt, Geleitfahrzeuge beschädigt und die Verluste an Versorgungsgütern stiegen bedrohlich an. Die Soldaten in den Stellungen merkten das an der immer knapper werdenden Verpflegung. Die tägliche Brotration wurde gekürzt, Fleisch gab es nur noch selten.
Besonders hart traf es die Einheiten an der Nordfront bei Perekop, die am weitesten von den Häfen entfernt lagen und deren Nachschubwege über lange unbefestigte Straßen führten, die bei Regen oder Schneeschmelze unpassierbar wurden. Die Pferde, die die Versorgungskolonnen zogen, waren selbst unterernährt und brachen unter der Last zusammen. Ersatzpferde gab es nicht mehr, weil der Transportraum auf den Schiffen für Munition und Treibstoff gebraucht wurde. Die einfachen Soldaten, die in ihren Stellungen ausharrten, erlebten diese Monate als eine Zeit der schleichenden Auszehrung.
Am 8. April 1944 brach der Sturm los. Die 4. Ukrainische Front eröffnete ihre Großoffensive gegen die Krim mit einem Trommelfeuer von solcher Wucht, dass die Erde in den deutschen Stellungen bebte wie bei einem Erdbeben. Mehr als 5.300 Geschütze und Werfer feuerten gleichzeitig auf die Verteidigungslinien bei Perekop und am Siwasch-Brückenkopf und innerhalb weniger Stunden waren die vorderen Stellungen in eine Mondlandschaft aus Kratern, zerstörten Gräben und verschütteten Unterständen verwandelt. Die deutschen und rumänischen Verteidiger, die dieses Inferno überlebten, kämpften mit einer Verzweiflung, die an Wahnsinn grenzte.
Innerhalb von zwei Tagen war die gesamte Perekopstellung durchbrochen und die Front begann zu zerfallen. Was nun folgte, war ein Rückzug, der schnell zu einer Flucht wurde. Die Einheiten an der Nordfront erhielten den Befehl, sich auf die sogenannte Gneisenaustellung zurückzuziehen, eine vorbereitete Verteidigungslinie, die quer über den nördlichen Teil der Krim verlief. Doch diese Stellung war nur auf dem Papier eine starke Verteidigung. In Wirklichkeit handelte es sich um halbfertige Feldbefestigungen, denen es an Tiefe, an Minenfeldern und an ausreichender Besatzung fehlte.
Die zurückflutenden Truppen erreichten die Gneisenaulinie in Auflösung, ohne schwere Waffen, ohne geordnete Führung und ohne den Willen, sich noch einmal festzusetzen. Die sowjetischen Angreifer folgten so schnell, dass manche Abschnitte der Linie bereits von Feindpanzern durchstoßen wurden, bevor die eigenen Truppen sie überhaupt besetzt hatten. Innerhalb von 24 Stunden war auch diese Stellung gefallen und die 17. Armee befand sich in vollem Rückzug nach Süden in Richtung Sewastopol. Gleichzeitig begann die sowjetische Offensive im Osten.
Am 11. April griffen die Truppen der Unabhängigen Küstenarmee den deutschen Brückenkopf bei Kertsch an und auch hier brach die Verteidigung innerhalb weniger Tage zusammen. Die deutschen und rumänischen Einheiten, die Kertsch verteidigten, wurden nach Westen abgedrängt und mussten sich über die gesamte Länge der Krim zurückkämpfen, verfolgt von einem Gegner, der motorisiert war und schneller vorankam als die erschöpften, zu Fuß marschierenden Kolonnen der Verteidiger. Auf den Straßen der Krim spielten sich Szenen ab, die an die großen Rückzugskatastrophen der Kriegsgeschichte erinnerten.
Endlose Kolonnen aus Soldaten, Pferdefuhrwerken, Kraftfahrzeugen und Verwundetentransporten schoben sich in Richtung Süden, behinderten sich gegenseitig, stauten sich an Engstellen und Kreuzungen und boten den sowjetischen Jagdbombern ideale Ziele. Die Piloten der sowjetischen Schlachtflieger griffen die Kolonnen bei Tag im Tiefflug an, schossen mit Bordwaffen in die Menschenmassen und warfen Splitterbomben in die dichtgedrängten Fahrzeuge. Die Straßenränder waren gesäumt von zerstörten Wagen, toten Pferden und den Körpern von Soldaten, die keinen Schutz mehr gefunden hatten.
In diesen Tagen des Zusammenbruchs zeigte sich das ganze Ausmaß der Führungskrise. Generaloberst Jenecke hatte immer wieder eine rechtzeitige Räumung gefordert und war dafür von Hitler scharf kritisiert worden. Nun, da die Katastrophe eingetreten war, die Jenecke vorausgesagt hatte, wurde er am 1. Mai 1944 seines Kommandos enthoben und durch General der Infanterie Karl Allmendinger ersetzt, einen Mann, von dem erwartet wurde, dass er den Befehl zum Halten Sewastopols ohne Widerspruch befolgen würde. Die Absetzung Jeneckes war ein Akt von zynischer Grausamkeit.

Jenecke wurde nach Berlin beordert und vor ein Kriegsgericht gestellt, das ihn wegen Defätismus anklagen sollte. Es war ein klares Signal an alle Kommandeure. Wer die Wahrheit sagte, wurde bestraft. Wer gehorchte, selbst wenn der Gehorsam tausende in den Tod schickte, wurde belohnt. Während die Führungsebene ihre Intrigen spielte, starben auf den Straßen und in den Feldern der Krim jeden Tag hunderte von Soldaten. Die rumänischen Verbände, die einen erheblichen Teil der 17. Armee ausmachten, waren besonders hart betroffen.
Viele rumänische Einheiten waren schlechter ausgerüstet als ihre deutschen Kameraden. Ihre Bewaffnung war teilweise veraltet und ihre Moral war nach Jahren des Kampfes für eine Sache, die nicht die ihre war, auf einem Tiefpunkt angelangt. Ganze rumänische Divisionen lösten sich während des Rückzugs auf. Die Soldaten warfen ihre Waffen weg und versuchten auf eigene Faust die rettenden Häfen im Süden zu erreichen. Die deutschen Truppen, die noch in geordneten Verbänden marschierten, sahen die aufgelösten Kolonnen ihrer Verbündeten an den Straßenrändern und wussten, dass auch ihre eigene Ordnung nicht mehr lange halten würde.
Mitte April erreichten die ersten zurückflutenden Einheiten den Rand der Festung Sewastopol. Und was sie dort vorfanden, war alles andere als eine vorbereitete Verteidigung. Die alten sowjetischen Festungsanlagen, die die Wehrmacht 1942 unter enormen Verlusten erobert hatte, waren nur teilweise wiederhergestellt worden. Viele Bunker und Kasematten waren noch immer so zerstört, wie die deutsche Belagerungsartillerie sie hinterlassen hatte, und die neuen Feldbefestigungen, die in den Wintermonaten angelegt worden waren, reichten bei weitem nicht aus, um die gesamte Landfront von Sewastopol abzudecken.
Die Soldaten, die nun diese Stellungen bezogen, waren keine frischen Truppen, sondern erschöpfte, unterernährte und demoralisierte Männer, die gerade einen überhasteten Rückzug über die gesamte Krim hinter sich hatten. Viele hatten ihre schweren Waffen auf dem Rückzug verloren, ihre Einheiten waren zusammengewürfelt und die Führungsstrukturen waren zerrüttet, weil Offiziere gefallen oder verwundet worden waren und kein Ersatz zur Verfügung stand. In Sewastopol selbst herrschte ein Chaos, das an die letzten Tage von Stalingrad erinnerte.
Die Stadt war überfüllt mit Verwundeten, die auf Evakuierung warteten, mit Versorgungseinheiten, die keinen Auftrag mehr hatten, und mit Trossfahrzeugen, die die Straßen verstopften. Die Lazarette waren hoffnungslos überlastet und die Ärzte mussten unter primitiven Bedingungen operieren, ohne ausreichende Narkosemittel, ohne genügend Verbandsmaterial und ohne die Möglichkeit, schwer Verwundete angemessen zu versorgen. Männer mit Bauchschüssen, Amputationen und schweren Verbrennungen lagen auf dem nackten Boden der überfüllten Krankensäle und warteten auf Hilfe, die oft nicht mehr kam.
Die Versorgungslage in der Festung wurde mit jedem Tag kritischer. Die sowjetische Luftwaffe und die Schwarzmeerflotte hatten ihre Angriffe auf die Seewege zwischen Rumänien und Sewastopol massiv verstärkt und immer weniger Transportschiffe erreichten den Hafen. Von den Schiffen, die es bis Sewastopol schafften, wurde ein Großteil bereits beim Einlaufen in den Hafen oder beim Entladen angegriffen. Die Treibstoffvorräte schrumpften so stark, dass Fahrzeuge nicht mehr bewegt werden konnten und die Artillerie ihre Feuerrate drastisch einschränken musste.
Die Munitionsvorräte für die Infanteriewaffen waren so knapp geworden, dass den Soldaten in den Stellungen befohlen wurde, nur noch auf sicher identifizierte Ziele zu schießen und jeden Schuss abzuwägen. Für Männer, die wussten, dass jederzeit ein Massenangriff über sie hereinbrechen konnte, war dieser Befehl gleichbedeutend mit einem Todesurteil. Die sowjetische Seite bereitete ihren Angriff auf Sewastopol mit methodischer Gründlichkeit vor. General Tolbuchin ließ seine Truppen in den letzten Aprilwochen in Bereitstellungsräume um die Festung vorrücken und baute seine Artillerie zu einer Feuerdichte auf, die alles übertraf, was die deutschen Verteidiger je erlebt hatten.
In den letzten Tagen vor dem Sturm auf Sewastopol geschah etwas, das viele Überlebende später als den grausamsten Moment des gesamten Feldzugs beschrieben. Verwundete Soldaten, die auf Evakuierung warteten, wurden in den Hafen von Sewastopol gebracht, wo sie auf Schiffe verladen werden sollten. Doch die Schiffe kamen nicht oder kamen zu spät oder konnten wegen der Luftangriffe nicht anlegen. Hunderte von Verwundeten lagen auf den Kaianlagen, auf den Straßen rund um den Hafen und in den Ruinen der zerstörten Hafengebäude und warteten auf eine Rettung, die nie kam.
Manche von ihnen warteten tagelang ohne Nahrung, ohne Wasser, ohne medizinische Versorgung und starben an ihren Verletzungen, bevor ein Schiff sie hätte aufnehmen können. Es waren Szenen von solcher Trostlosigkeit, dass selbst hartgesottene Veteranen zusammenbrachen und weinten, nicht aus Angst um sich selbst, sondern aus Trauer über das Leid ihrer Kameraden. Und während die Verwundeten in Sewastopol auf ihre Schiffe warteten, saß Adolf Hitler in seinem Führerhauptquartier in Ostpreußen und weigerte sich weiterhin, die Räumung der Krim zu genehmigen.
Der Befehl lautete nach wie vor: Sewastopol halten um jeden Preis. Es war die Wiederholung des gleichen Musters, das schon in Stalingrad, am Kuban und an dutzenden anderen Stellen der Ostfront zum Desaster geführt hatte. Eine Armee wurde in einer unhaltbaren Position festgenagelt, weil ein Mann in der Ferne es so befahl. Ein Mann, der die Front nie gesehen hatte, der die Gesichter der sterbenden Soldaten nicht kannte und der ihre Schreie nicht hörte. Die Generäle, die es wagten, ihm zu widersprechen, wurden abgesetzt. Die Generäle, die gehorchten, führten ihre Männer in den Tod.
Am 5. Mai 1944 begann der sowjetische Großangriff auf die Festung Sewastopol und er begann so, wie die Verteidiger es befürchtet hatten, mit einem Feuerschlag von apokalyptischem Ausmaß. Über tausend Geschütze und Raketenwerfer eröffneten gleichzeitig das Feuer auf die deutschen Stellungen im Norden und Osten der Stadt und das Dröhnen der Einschläge war so gewaltig, dass es noch in dutzenden Kilometern Entfernung zu hören war. Die Erde in den vorderen Gräben wurde buchstäblich umgepflügt, Unterstände stürzten ein, Fernmeldeleitungen wurden zerfetzt.
Nach dem Artillerievorbereitungsfeuer, das in manchen Abschnitten über zwei Stunden andauerte, rückten die sowjetischen Sturmtruppen vor. Sie kamen in Wellen, unterstützt von Panzern und Schlachtfliegern, und sie griffen mit einer Entschlossenheit an, die keinen Zweifel daran ließ, dass sie die Festung um jeden Preis nehmen wollten. Sewastopol war für die Sowjetunion ein Symbol von enormer emotionaler Bedeutung, denn die Stadt hatte 1941 und 1942 250 Tage lang gegen die deutsche Belagerung standgehalten und ihr Fall war als nationale Schmach empfunden worden.

Der Hauptangriff richtete sich gegen den Nordabschnitt der Festung, die sogenannte Belbeckstellung, die den Zugang zum Tal des Flusses Belbeck und damit zur Nordseite der Sewastopoler Bucht kontrollierte. Hier lagen die Reste mehrerer deutscher Divisionen, Einheiten, die einmal stolze und kampfstarke Verbände gewesen waren, die aber nach den Verlusten der vergangenen Monate nur noch Bruchteile ihrer ursprünglichen Stärke besaßen. Die Kompanien, die auf dem Papier 150 Mann hätten zählen sollen, waren auf 30 oder 40 Männer zusammengeschmolzen.
Trotzdem kämpften sie mit einer Hartnäckigkeit, die ihre Gegner überraschte und den sowjetischen Vormarsch in den ersten Tagen verlangsamte, aber nicht aufhalten konnte. Die Kämpfe in den nördlichen Stellungen waren von einer Nahkampfintensität, die selbst für die Verhältnisse der Ostfront ungewöhnlich war. In den zerklüfteten Hügeln und Schluchten nördlich von Sewastopol wurde um jeden Hügel, jeden Bunker, jeden Geländevorsprung gerungen und der Kampf ging häufig in ein Handgemenge über, in dem Bajonette, Spaten und Gewehrkolben die Hauptwaffen waren.
Am 7. Mai durchbrachen sowjetische Truppen die Stellungen auf den Sapun-Höhen, einem Höhenzug östlich von Sewastopol, der als Schlüsselstellung der gesamten Verteidigung galt. Die Sapun-Höhen waren steil, felsig und schwer zu erstürmen und die deutschen Verteidiger hatten sie mit allem befestigt, was ihnen zur Verfügung stand. Doch die sowjetische Übermacht war zu groß. Welle um Welle stürmte die Infanterie die Hänge hinauf, unterstützt von massivem Artilleriefeuer und Luftangriffen. Am Abend des 7. Mai waren die Sapun-Höhen in sowjetischer Hand.
Mit dem Fall der Sapun-Höhen war die Verteidigung der Festung praktisch gebrochen und jeder, der eine Karte lesen konnte, wusste, dass Sewastopol noch Tage, vielleicht nur noch Stunden zu halten war. In der Stadt selbst brach nun die letzte Ordnung zusammen. Die Stäbe versuchten, die zurückströmenden Einheiten aufzufangen und neue Verteidigungslinien zu bilden, aber die Truppen waren so erschöpft und demoralisiert, dass viele Befehle nicht mehr ankamen oder nicht mehr befolgt wurden. Ganze Einheiten lösten sich auf, Soldaten warfen ihre Waffen weg und versuchten auf eigene Faust den Hafen zu erreichen.
Am 9. Mai 1944 drangen die ersten Einheiten der Roten Armee in das Stadtzentrum von Sewastopol ein. Die letzten deutschen Verteidiger zogen sich auf die Halbinsel Chersones zurück, einen schmalen Landstreifen westlich der Stadt, der wie ein Finger ins Schwarze Meer ragte. Chersones war das letzte Stück Land, das der 17. Armee geblieben war. Ein karger, baumloser Felsvorsprung von wenigen Quadratkilometern, auf dem sich nun zehntausende von Soldaten zusammendrängten, Deutsche und Rumänen durcheinander, Verwundete und Gesunde, Offiziere und Mannschaften.
Was sich auf der Halbinsel Chersones in den folgenden Tagen abspielte, gehört zu den dunkelsten Kapiteln des gesamten Krieges. Auf diesem kleinen Stück Felsland drängten sich nach verschiedenen Schätzungen zwischen 30.000 und 50.000 Soldaten zusammen, ohne ausreichende Deckung, ohne Wasser, ohne Nahrung und ohne nennenswerte Munition. Die sowjetische Artillerie hatte die Halbinsel eingeschossen und feuerte pausenlos in die Menschenmassen. Bei jedem Einschlag starben und verstümmelten Männer, die nicht einmal die Möglichkeit hatten, sich in Deckung zu bringen.
Die Evakuierung, auf die alle hofften, war ein Desaster von epischem Ausmaß. Hitler hatte erst am 8. Mai, also einen Tag vor dem Fall der Stadt, die Genehmigung zur Räumung Sewastopols erteilt, viel zu spät, um eine geordnete Evakuierung durchzuführen. Die wenigen Schiffe, die noch zur Verfügung standen, waren völlig unzureichend für die Massen von Soldaten, die auf Rettung warteten. In den Nächten des 9. und 10. Mai versuchten Schnellboote, Räumboote und einzelne Transportschiffe an der Küste von Chersones anzulegen, um Soldaten aufzunehmen.
Doch die sowjetische Artillerie und die Luftwaffe machten die Annäherung an die Küste zu einem tödlichen Unterfangen. Schiffe wurden getroffen und sanken, bevor sie die Küste erreichten. Andere mussten umkehren, weil der Beschuss zu heftig war und diejenigen, die es tatsächlich schafften anzulegen, konnten nur einen Bruchteil der wartenden Menge aufnehmen. An den Anlegestellen spielten sich Szenen ab, die den Überlebenden bis zu ihrem Lebensende in Erinnerung blieben. Tausende von Soldaten drängten gleichzeitig zu den Booten und es kam zu Kämpfen um die wenigen Plätze.
Männer, die monatelang Seite an Seite gekämpft hatten, prügelten sich um einen Platz auf einem Schnellboot. Andere, die keine Chance mehr sahen, an Bord zu kommen, wateten ins Wasser und versuchten, schwimmend ein Schiff zu erreichen, obwohl viele von ihnen verwundet waren und die Strömung stark war. Manche klammerten sich an die Bordwände der überladenen Boote und wurden mitgeschleift, bis ihre Kräfte nachließen und sie im schwarzen Wasser versanken. Von den provisorischen Flößen, die manche Soldaten aus Brettern, Fässern und Türen zusammengebaut hatten, trieben einige auf das offene Meer hinaus und wurden nie wieder gesehen.
Nicht alle Soldaten versuchten zu fliehen. Manche von ihnen hatten jede Hoffnung aufgegeben und trafen in diesen letzten Stunden Entscheidungen, die von einer stillen, furchtbaren Würde zeugten. Offiziere, die wussten, dass sie nicht mehr entkommen würden, versammelten ihre letzten Männer, hielten eine kurze Ansprache und verabschiedeten sich von jedem einzelnen mit Handschlag, bevor sie allein in die Dunkelheit gingen. Ärzte, die hätten fliehen können, blieben bei ihren Verwundeten, weil sie es nicht über sich brachten, Männer zurückzulassen, die ihnen anvertraut waren.
Feldgeistliche sprachen letzte Gebete für Sterbende und für Lebende, und ihre Worte mischten sich mit dem Donnern der Einschläge und dem Heulen der Tiefflieger zu einem Klangteppich, der wie das Ende der Welt klang. Es gab unter den Eingeschlossenen auch jene, die in den Felsklippen von Chersones einen letzten Zufluchtsort suchten. Entlang der Küste gab es Höhlen und Felsspalten, in die sich Hunderte von Soldaten drängten, in der Hoffnung, dort vor dem Artilleriebeschuss Schutz zu finden oder auf ein Schiff zu warten, das vielleicht doch noch kommen würde.
In diesen Höhlen herrschten Zustände, die jeder Beschreibung spotteten. Die Luft war stickig und von dem Gestank der Verwundeten und der Toten erfüllt, die man nicht mehr hinaustragen konnte. Es gab kein Wasser, keinen Verbandskasten und kein Licht. Und die Männer saßen in der Dunkelheit zusammengedrängt und warteten auf ein Ende, dass sie nicht mehr benennen konnten, ob Rettung, Gefangenschaft oder Tod. Am 12. Mai 1944 war der organisierte Widerstand auf der Halbinsel Chersones beendet.
Die sowjetischen Truppen rückten vor und nahmen tausende von Gefangenen, Männer, die zu erschöpft, zu


